UN-Generalsekretär Neue Korruptionsvorwürfe gegen Annan


Im März wurde UN-Generalsekretär Kofi Annan von dem Vorwurf freigesprochen, eine Schweizer Firma bei einem UN-Programm begünstigt zu haben. Nun schüren neue Hinweise den Verdacht.

Unabhängige Ermittler prüfen "vordringlich" neue Hinweise darauf, dass UN-Generalsekretär Kofi Annan möglicherweise doch in Unregelmäßigkeiten beim Irak-Hilfsprogramm "Öl für Lebensmittel" verstrickt war. Annan wird vorgeworfen, Einfluss auf die Vergabe eines UN-Auftrages an die Schweizer Firma Cotecna genommen zu haben. Annans Sohn Kojo war bei dieser Firma beschäftigt gewesen.

Cotecna war 1998 mit der Kontrolle von Importen durch den Irak im Rahmen des UN-Hilfsprogramms zur Versorgung der unter UN-Sanktionen leidenden Bevölkerung beauftragt worden. Kojo Annan war damals zwar bereits aus der Firma ausgeschieden, erhielt aber weiter monatliche Zahlungen. Dadurch war später der Verdacht entstanden, er habe über seinen Vater Einfluss auf die Erteilung des lukrativen UN-Auftrags an Cotecna genommen.

Neue Informationen

Die Untersuchungskommission teilte am Dienstag mit, dass es neue Informationen über eine mögliche Verbindung zwischen Annan und Cotecna gebe. Ein UN-Sprecher sagte, das Sekretariat der Weltorganisation prüfe den Fall, könne die Angaben aber bislang nicht bestätigen.

Die Hinweise seien am Vortag an die Ermittler übergeben worden, sagte Michael Holtzman, der Sprecher der untersuchungskommission, die vom früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker geleitet wird. Wie aus UN-Kreisen verlautete, handelt es sich dabei um eine Notiz des Cotecna-Vizepräsidenten Michael Wilson, die im Dezember 1998 nach einem angeblichen kurzen Treffen mit "dem SG" und "dessen Begleitung" am Rande einer Konferenz in Paris angefertigt worden sei. SG steht für "Secretary General" (Generalsekretär). Weiter heißt es in der Notiz, Cotecna könne "mit deren Unterstützung rechnen".

Keine Erinnerung an Treffen

Annans Sprecher Fred Eckhard sagte, UN-Beamte gingen derzeit sämtliche Unterlagen und Notizen im Zusammenhang mit dem damaligen Aufenthalt Annans in Paris durch. Bislang sei "dabei keinerlei Erwähnung einer Begegnung mit Michael Wilson gefunden worden". Eckhard habe auch mit Annan telefoniert. Der Un-Generalsekretär halte sich gerade wieder in Paris auf und habe gesagt, er könne sich nicht an eine solche Begegnung erinnern.

Die Volcker-Kommission prüfe nun, ob mit den dokumentierten Äußerungen Kenntnisse Annans über die damaligen Bemühungen Cotecnas um einen lukrativen UN-Auftrag zur Warenkontrolle im Rahmen des Irak-Programms gemeint waren, sagten Diplomaten. Das Schweizer Unternehmen erhielt den Auftrag am 11. Dezember 1998. Die Ermittler hatten den UN-Generalsekretär im März weitgehend vom Verdacht der Einflussnahme auf UN-Vertragsentscheidungen zu Gunsten seines Sohnes entlastet. Die USA hatten sich daraufhin zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Annan bereit erklärt und wollten Annans Bemühungen um die Beseitigung von Mängeln in der Weltorganisation unterstützen.

Allerdings hatte die Volcker-Kommission lediglich festgestellt, es gebe "keine Beweise" für ein Fehlverhalten Annans. Zugleich hatte sie kritisiert, Annan habe sich nicht genügend bemüht, die Geschäftsbeziehungens seines Sohnes zu Cotecna aufzuklären. Er habe die Möglichkeit eines Interessenkonflikts nicht ausreichend klar erkannt.

DPA DPA

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