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UN-Mission im Irak: Sondertruppe kommt nicht zu Stande

Die Vereinten Nationen haben nach Angaben Kofi Annans von keinem Staat ein Angebot für speziellen militärischen Schutz im Irak erhalten. Jetzt sei man gezwungen, sich ganz auf die Koalitionstruppen zu verlassen.

Für den Schutz der UN-Mission im Irak will so gut wie kein Staat Soldaten bereitstellen. Das sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch vor Reportern in New York. Bemühungen der Weltorganisation, Regierungen zur Beteilung an einer solchen Schutztruppe zu bewegen, seien "nicht sehr erfolgreich" gewesen. "Uns bleibt daher nichts weiter übrig, als von der multinationalen Streitmacht abhängig zu sein", sagte Annan.

Die Mission des neuen UN-Gesandten Ashraf Jehangir Qazi müsse deshalb unter die Obhut der von den USA geführten Koalitionstruppen gestellt werden, sagte Annan in New York. Der Pakistaner Qazi werde seinen neuen Posten in Bagdad in Kürze antreten, doch werde ihm zunächst nur ein kleiner Mitarbeiterstab zur Verfügung stehen.

Diese wird von den USA geführt und setzt setzt sich hauptsächlich aus den früheren Besatzungstruppen der USA und Großbritanniens zusammen. Mit der Resolution des UN-Sicherheitsrates zur Regelung der Nachkriegsordnung im Irak war die Weltorganisation zugleich mit der politischen Unterstützung des Übergangs zur Demokratie beauftragt worden. Die dafür zu entsendenden UN-Experten sollten durch eine Sondertruppe geschützt werden.

Vorbereitung demokratischer Wahlen in Gefahr

Die Organisation soll laut der Irak-Resolution Hilfe bei der Organisierung von Wahlen für eine Übergangsregierung im Januar nächsten Jahres sowie bei der Ausarbeitung einer Verfassung und bei der Vorbereitung allgemeiner demokratischer Wahlen bis Ende 2005 leisten.

Währenddessen sind bei schweren Kämpfen zwischen Aufständischen sowie irakischen Sicherheitskräften und US-Truppen in der nordirakischen Stadt Mossul am Mittwoch 22 Iraker getötet und über 50 weitere verletzt wurden. Dies gab das Krankenhaus in Mossul am Donnerstag bekannt. Die irakischen Sicherheitskräfte hätten keine Verluste erlitten. Sie seien von US-Truppen unterstützt worden.

Selbstmordattentat auf Polizeiwache

Vor einer Polizeiwache im Irak hat ein Selbstmordattentäter am Donnerstag eine Autobombe gezündet und mindestens fünf Menschen in den Tod gerissen. Weitere 25 Menschen wurden bei dem Anschlag in Mahawil, etwa 85 Kilometer südlich von Bagdad, verletzt, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Drei Männer seien gegen 08.30 Uhr in einem Kleinbus auf die Polizeiwache zugefahren. Zwei der Insassen seien aus dem Wage gesprungen und hätten das Feuer auf die Sicherheitskräfte eröffnet, während der dritte weiter auf das Gebäude zugefahren sei. Dann sei die Bombe explodiert. Den zwei Schützen sei die Flucht gelungen.

Unbekannte verübten bereits am Mittwochabend einen Anschlag auf eine Ölpipeline außerhalb der irakischen Stadt Tikrit. Nach Polizeiangaben verursachte ein Sprengsatz ein riesiges Feuer an der Rohölpipeline etwa 50 Kilometer nordöstlich von Tikrit. Es gab keine Angaben über mögliche Verletzte.

USA warnen vor Zugeständnissen an Entführer im Irak

Angesichts der zahlreichen Entführungen von Ausländern im Irak haben die USA davor gewarnt, den Forderungen der Geiselnehmer nachzugeben. "Zugeständnisse an Terroristen werden nur dazu führen, alle Angehörigen der internationalen Streitkräfte und alle Länder in Gefahr zu bringen, die sich am Wiederaufbau und humanitärer Hilfe im Irak beteiligen", hieß es in einer von der US-Regierung am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Die Erklärung werde von den internationalen Verbündeten der USA im Irak unterstützt und sei ein deutliches Signal an die Rebellen, dass sie mit ihren Entführungen keinen Erfolg haben werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.

In den vergangenen Monaten haben Rebellen im Irak zahlreiche Menschen entführt, um einen Abzug ausländischer Truppen und Unternehmen zu erzwingen, die die USA und die irakische Übergangsregierung unterstützen.

So hatten die Philippinen im vergangenen Monat ihr Kontingent von 50 Soldaten vorzeitig aus dem Irak abgezogen und auf diese Weise die Freilassung eines entführten philippinischen Lastwagenfahrers erreicht. Auch einige ausländische Unternehmen haben sich aus dem Irak zurückgezogen, um verschleppte Mitarbeiter freizubekommen. Am Mittwoch wurden vier entführte Jordanier von bewaffneten Irakern befreit. Zwei türkische Lastwagenfahrer kamen frei, nachdem ihr Arbeitgeber den Forderungen der Entführer zugestimmt hatte, seine Geschäfte im Irak einzustellen.

DPA/AP / AP / DPA