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Unruhen in Brasilien: Politik nimmt Preiserhöhungen bei Bussen zurück

Die Demonstranten in Brasilien haben ihr ursprüngliches Ziel erreicht: Die Preise im Nahverkehr werden wieder gesenkt. Doch die Proteste dauern an. Schließlich geht es längst um mehr.

Nach tagelangen Massenprotesten haben Brasiliens Demonstranten eines ihrer wichtigsten Ziele erreicht. Landesweit wurden Fahrpreiserhöhung für Busse und U-Bahnen zurückgenommen. In São Paulo verkündeten Gouverneur Geraldo Alckmin und der Bürgermeister der Elf-Millionen-Metropole, Fernando Haddad, am Mittwochabend die Preisrücknahme. Beide Politiker sprachen von einem "großen Opfer" und machten klar, dass die Einnahmeausfälle an anderer Stelle eingespart werden müssten.

Das Heraufsetzen der Ticketpreise war ein Auslöser der fast zwei Wochen anhaltenden Massenproteste in zahlreichen brasilianischen Städten. Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016. Sie beklagen, dass es zugleich an Investitionen in das Sozialsystem mangele.

Proteste trotz Preissenkungen

In Niteroi bei Rio de Janeiro gingen am Mittwochabend erneut tausende Menschen auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit Sondereinheiten der Polizei, die Tränengas einsetzten. Die Demonstranten hatten zuvor eine Brücke besetzt. Einige Randalierer versuchten, einen Bus umzustürzen und in Brand zu setzen.

Auch in São Paulo zogen wieder tausenden Menschen über die zentrale Avenida Paulista. Sie feierten die Nachricht, dass die Preiserhöhungen im Nahverkehr zurückgenommen werden. Busse und Bahnen sind für Millionen Brasilianer die einzige Möglichkeit, zur Arbeit zu kommen. Die Tarife waren in São Paulo von 3,00 auf 3,20 Reais (1,10 Euro) angehoben worden.

Zuvor war es auch in Fortaleza im Nordosten des Landes zu Ausschreitungen gekommen. Rund 25.000 Demonstranten blockierten dort vor einem Spiel der brasilianischen Fußballnationalmannschaft ab dem Morgen den Zugang zum Stadion. Bei Straßenschlachten mit der Polizei wurden mindestens zwei Protestteilnehmer verletzt. Landesweit demonstrierten am Mittwoch mehrere Zehntausend Menschen.

Fußballstars melden sich zu Wort

Erstmals meldete sich Neymar, populärer Jungstar des Nationalteams, zu den Protesten zu Wort. "Was gerade in Brasilien passiert, macht mich traurig", hieß es in einer Erklärung des Fußballers, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. "Ich will ein gerechteres, sichereres, gesünderes und ehrlicheres Brasilien", erklärte Neymar. Es sei Aufgabe der Regierung, für gute Bedingungen im Nahverkehr, eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildung sowie für öffentliche Sicherheit zu sorgen, mahnte er an.

Dagegen zeigte Fußballlegende Pelé Desinteresse an den Protesten. "Wir sollten die Verwirrung vergessen, die in Brasilien herrscht, und daran denken, dass die brasilianische Nationalmannschaft unser Land, unser Blut ist", sagte der 72-jährige dreimalige Weltmeister in einer Videobotschaft.

Für Donnerstag sind erneut Kundgebungen in ganz Brasilien geplant - auch in Rio, wo die Nationalmannschaften Spaniens und Tahitis im Confederations Cup aufeinander treffen. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke rechnet mit einer Million Demonstranten. Dies sagte der Franzose am Rande der Confed-Cup- Begegnung zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko in Fortaleza der Nachrichtenagentur DPA. "Wir können nichts tun", sagte Valcke. "Das ist eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Niemand ist damit glücklich."

tkr/DPA/AFP / DPA