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Unruhen in Libyen: Ex-Minister prophezeit Gaddafis Selbstmord

Außenminister Guido Westerwelle ist in Ägypten und verspricht deutsche Unterstützung auf dem Weg zur Demokratie. Mit Blick auf die Unruhen in Libyen drängt er auf Sanktionen gegen den dortigen Machthaber Gaddafi. Dessen Ex-Justizminister weiß, wie Gaddafi enden wird: "Seine Tage sind gezählt. Er wird es wie Hitler machen und sich das Leben nehmen."

Außenminister Guido Westerwelle hat bei seinem Besuch in Kairo auf Sanktionen gegen den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi gedrängt. "Gaddafi ist ein Diktator, der gegen das eigene Volk vorgeht", sagte Westerwelle am Donnerstag in Kairo nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa. Bislang konnte sich die Europäische Union nicht auf ein geschlossenes Vorgehen gegen die libysche Führung einigen.

Westerwelle äußerte sich während seines eintägigen Ägypten-Besuchs, bei dem er Ägypten großzügige Unterstützung auf dem weiteren Weg zur Demokratie anbietet, "äußerst besorgt" über die Vorgänge im Nachbarland. "Wir können nicht akzeptieren, dass Gewalt gegen das libysche Volk angewendet wird. Man kann das eigene Volk nicht mit Gewalt von der Freiheit abhalten." Mussa verurteilte das Vorgehen der libyschen Sicherheitskräfte gegen die eigene Bevölkerung ebenfalls. Zur Frage von Sanktionen sagte er, dies stehe im Moment nicht an.

Gaddafi soll ausländische Söldner angeheuert haben

Der zurückgetretene libysche Justizminister Mohamed Abdul al-Jeleil äußerte sich unterdessen dahingehend, dass er einen baldigen Selbstmord von Staatschef Muammar al Gaddafi erwarte. Al-Jeleil sagte in einem Donnerstag veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung "Expressen": "Gaddafis Tage sind gezählt. Er wird es wie Hitler machen und sich das Leben nehmen." Weiter sagte der Anfang dieser Woche aus Protest abgetretene Minister, Gaddafi habe persönlich 1988 den Befehl zum Lockerbie-Terroranschlag mit 270 Toten gegeben: "Ich habe zu hundert Prozent sichere Beweise dafür."

Al-Jeleil bestätigte in dem am Mittwoch in der libyschen Stadt Al Bayda geführten Interview, dass Gaddafi ausländische Söldner zur Bekämpfung des Volksaufstandes in seinem Land einsetzt: "Ich weiß davon, dass das Regime schon lange vorher diese Söldner angeheuert hat. Bei mehreren Kabinettssitzungen wurde beschlossen, diesen Leuten aus dem Tschad und Niger die libysche Staatsbürgerschaft zuzuerkennen."

Er selbst habe dagegen protestiert und verlangt, stattdessen den Kinder von Libyerinnen mit ausländischen Ehemännern die Staatsbürgerschaft zu geben, sagte Al-Jeleil.

Soll Befehl für den Lockerbie-Anschlag gegeben haben

Zu dem Lockerbie-Anschlag meinte er weiter, für die persönliche Verantwortung Gaddafis werde er Beweise vorlegen, wenn die Zeit reif sei. Nach der Explosion eines US-Passagierflugzeuges am 21. Dezember 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie starben 259 Flugreisende und elf Menschen am Boden. Die Bombe war von zwei Libyern im Auftrag des Geheimdienstes ihres Landes in der Linienmaschine der Fluggesellschaft PanAm platziert.

Al-Jeleil gab an, dass Gaddafi "alles in seiner Macht stehende" getan habe, um den für den Anschlag zu lebenslanger Haft verurteilten Libyer Abdelbaset Ali Mohamed Al Megrahi aus dem Gefängnis freizubekommen. Megrahi war 2009 wegen einer Krebserkrankung aus der Haft in Schottland entlassen worden und durfte nach Libyen zurückkehren.

Gaddafi hatte die Verantwortung seines Landes für den Anschlag eingeräumt, aber nie eine persönliche Beteiligung zugegeben.

Preise für Öl, Gold und Silber schießen in die Höhe

Die blutigen Unruhen in Libyen trieben am Donnerstag die Preise für Öl, Gold und Silber in die Höhe. Getreidehändler stellten sich auf massive Beeinträchtigungen des Handels ein. Öl-Händlern zufolge nehmen die Sorgen zu, dass die Unruhen in dem ölreichen nordafrikanischen Land auf andere Öl-Förderstaaten in der Region Nordafrika/Naher Osten übergreifen. Dies schließe auch Saudi-Arabien ein, dem wichtigsten Ölproduzenten im Nahen Osten. Zugleich sprach sich der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Anton Börner, gegen Sanktionen gegen Libyen aus. "Mit blindem, unüberlegtem Aktionismus ist jedenfalls niemanden gedient, auch nicht den Demonstrierenden", sagte er Handelsblatt Online.

zen/DPA/AFP / DPA