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Unruhen in Libyen Gaddafis Land ist außer Kontrolle


Die Lage in Libyen spitzt sich zu: Die Armee bombardiert die Hauptstadt Tripolis. Augenzeugen berichten von bis zu 160 Toten. Wer kann, verlässt das Land. Das hat womöglich auch Musammar al-Gaddafi bereits getan.

Das Regime des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi geht mit äußerster Härte gegen Oppositionelle vor. Am Montag lieferten sich Sicherheitskräfte vor allem in der Hauptstadt Tripolis schwere Kämpfe mit Aufständischen. Bewohner der Stadt sagten dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, die Armee habe auch Kampfflugzeuge gegen unbewaffnete Demonstranten eingesetzt. Ausländer aller Nationalitäten versuchten, dem Inferno zu entkommen.

Mehrere Staaten schickten Evakuierungsflugzeuge nach Tripolis. Ein Beamter des ägyptischen Außenministeriums erklärte, alleine auf dem Landweg hätten am Montag rund 4000 Ägypter das Land verlassen. Zwei Ägypter seien in Libyen erschossen worden. Die ägyptische Armee teilte mit, die Grenze zu Libyen sei für jeden, der aus Libyen fliehen wolle, geöffnet.

Saif al-Islam al-Gaddafi, einer der Söhne des Staatschefs, sagte im staatlichen Fernsehen, man werde "Ermittlungen" zu den Unruhen einleiten. In der Nacht zuvor hatte der junge Gaddafi gedroht, das Land werde im Bürgerkrieg versinken, falls die Proteste nicht enden sollten.

Diplomaten laufen über

Die meisten libyschen Diplomaten bei den Vereinten Nationen haben sich von Staatschef Muammar al-Gaddafi losgesagt und sind auf die Seite der Opposition gewechselt. Lediglich der UN-Botschafter selbst soll noch zu dem umstrittenen Staatschef halten. Sein Stellvertreter Ibrahim Dabbashi warf Gaddafi in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Montag in New York hingegen Völkermord vor: "Sie schießen, um zu töten", sagte er über die Sicherheitskräfte, die gegen die Demonstranten vorgehen. "Das Gaddafi-Regime hat schon am 15. Januar einen Völkermord begonnen."

"Wir erwarten einen echten Völkermord", sagte Dabbashi. Die Vereinten Nationen müssten eine Flugverbotszone über der Hauptstadt Tripolis ausrufen, damit das Regime nicht weiter mit Waffen versorgt werden könne. Nach Angaben Dabbashis wollen auch die Diplomaten, die sich von Gaddafi losgesagt haben, im Amt bleiben. "Wir sind nicht Teil des Regimes. Wir haben immer das Volk repräsentiert, nicht eine Person. Ich bin sicher, dass das libysche Volk weiterkämpfen und das Regime abschütteln wird."

"Wir sind uns bewusst, dass dieser Schritt unsere Familien zu Hause in Gefahr bringen kann. Aber sie sind sowieso in Gefahr", sagte der Diplomat Adam Tarbah. In der libyschen UN-Mission sind etwa 15 Diplomaten beschäftigt. Das nordafrikanische Land hat die Vereinten Nationen gern als Bühne benutzt und ist zum Beispiel einer der 47 Mitgliedsstaaten des UN-Menschenrechtsrates, der in der nächsten Woche wieder in Genf tagen soll.

Wo steckt Gaddafi?

Von Revolutionsführer Gaddafi ist in der Öffentlichkeit nichts zu sehen. Gerüchten zufolge soll er das Land bereits verlassen haben. Der britische Außenminister William Hague sagte am Montag in Brüssel, ihm lägen Informationen vor, wonach Gaddafi sich auf dem Weg nach Venezuela befinde. Wie der arabische Sender Al-Dschasira aus Caracas berichtete, wies die venezolanische Regierung diese Darstellung zurück. Zuvor hatten bereits arabische Medien darüber spekuliert, der Revolutionsführer könnte heimlich das Land verlassen haben, was von der Familie des Staatschefs aber sogleich dementiert wurde.

swd/DPA DPA

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