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US-Demokraten: Obama geht ins Rennen

Jetzt ist es offiziell: Die amerikanischen Demokraten schicken Barack Obama als Kandidaten für den US-Präsidenten ins Rennen. Per Akklamation votierten die Delegierten auf dem Parteitag für ihn. Einigkeit war erneut Trumpf in Denver, dazu trugen auch die Clintons bei. Obama selbst überraschte mit einem Kurzauftritt.

Die Delegierten des Parteitages der Demokraten in Denver haben Barack Obama am Mittwochabend (Ortszeit) zum ersten afroamerikanischen Präsidentschaftskandidaten einer der beiden großen US-Parteien ernannt. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Demokraten per Akklamation in einer stimmungsvollen Prozedur für den Senator aus Illinois. Zudem wurde Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidat ins Wahlrennen im November geschickt.

Obama dankte es mit einem überraschenden, nicht vorgesehenen Kurzauftritt. An sich war sein Erscheinen auf der Bühne in Denver erst für den Abschlusstag am Donnerstag geplant. Obama dankte plakativ vor allem seiner ehemaligen Rivalin Hillary Clinton. Sie habe am Dienstag "das Haus gerockt". Insgesamt dauerte der Auftritt des Kandidaten nur etwa drei Minuten.

Während Hillary Clinton die Akklamation moderierte, hielt ihr Mann Bill eine von zwei wichtigen Reden an dem dritten Abend des Parteitages. Barack Obama sei "bereit" Präsident zu werden und Amerikas Führerschaft in der Welt wieder zu erneuern, sagte Clinton, der die Anhänger seiner Frau zur Unterstützung Obamas aufrief. Damit betonte Clinton die außenpolitische Rolle des Kandidaten. Im erbitterten Vorwahlkampf des Senators aus Illinois mit seiner Frau hatte der ehemalige US-Präsident immer wieder die mangelnde außenpolitische Erfahrung Obamas kritisiert. Der Zwist war Schnee von gestern. In Denver lobte Clinton Obama: "Alles, was ich während meiner acht Jahre als Präsident und in meiner Arbeit danach gelernt habe, überzeugt mich: Barack Obama ist der Mann für den Job."

Clintons Auftritt war mit Spannung erwartet worden. Er hatte im Vorwahlkampf seiner Frau mit herber, teils polemischer Kritik an Obama nicht gespart und sich oft herablassend über den Kandidaten geäußert. Nun schlug sich der mit großem Applaus empfangene Ex-Präsident voll auf Obamas Seite.

Richtig ins Visier wurden die Republikaner im Anschluss an Clinton von Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden genommen. McCains Politik stehe nicht für den Wandel, den das Land so dringend brauche. Biden nannte unter dem laut von Delegierten skandierten Slogan "That's not change, that's more of the same" ("Das ist kein Wandel, das ist mehr vom Gleichen") diverse Beispiele für den Stillstand, den seiner Meinung nach der republikanische Kandidat bringen würde: Außenpolitik, Energiepolitik, Steuererleichterungen. McCain habe in mehr als 90 Prozent der Fälle für die Gesetzesvorhaben der Bush-Regierung gestimmt. Da sei Wandel nicht zu erwarten.

Biden, der zu Beginn seiner Rede stark amerikanische Werte betont und seine Familie unter dem großen Applaus der Delegierten vorgestellt hatte, beklagte, dass der amerikanische Traum unter der Bush-Regierung langsam zerronnen sei. "Jeder kann es schaffen" oder "Keiner ist besser als Du" - solche amerikanischen Credos gelten laut Biden nach acht Jahren Bush nicht mehr unbedingt. Obama dagegen verkörpere den amerikanischen Traum.

ben