US-Verteidigungsminister Rumsfeld Blitzbesuch im Irak


US-Verteidigungsminister Rumsfeld ist überraschend in den Irak gereist. Sein Besuch ist überschattet von einem neuen schweren Selbstmordanschlag in Bagdad.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hält einen Abzug von US-Soldaten aus dem Irak vor der für Januar geplanten Parlamentswahl für unwahrscheinlich. Bis zu diesem Termin sei mit einer Zunahme der Gewalt zu rechnen, sagte Rumsfeld am Sonntag während eines Blitzbesuchs im Irak. Eine Reduzierung des Truppenkontingents könne voraussichtlich erst nach der Wahl schrittweise erfolgen, "sie hängt aber vollständig von der Sicherheitslage ab". Bei zwei Bombenexplosionen in Bagdad kamen unterdessen mindestens zehn Menschen ums Leben, 17 weitere wurden verletzt.

Selbstmordanschlag in Bagdad

Vor einer Polizeischule in Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Kleinbus in die Luft, wie Polizeihauptmann Ali Ajes mitteilte. Zehn Iraker wurden getötet, 16 weitere Menschen verletzt. Unter den Toten seien drei Polizeischüler und eine Polizistin. Bei einem weiteren Autobombenanschlag nahe einem Markt wurde ein Passant verletzt. Ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug explodierte, als ein US-Militärkonvoi vorbeifuhr. Darüber hinaus wurde ein Geheimdienstbeamter nach Angaben des Innenministeriums in Bagdad aus einem vorbeifahrenden heraus Auto erschossen.

Rumsfeld hielt auf dem Luftwaffenstützpunkt Al Assad im Westen des Landes eine Rede vor rund 1.500 Marineinfanteristen. Es war Rumsfelds sechster Besuch im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins und sein erster in der heftig umkämpften Provinz Anbar, in der das so genannte sunnitische Dreieck mit den Widerstandshochburgen Falludscha, Ramadi und Samarra liegt. Westlich von Falludscha brachen am Sonntag Kämpfe zwischen US-Truppen und Aufständischen aus, am Samstag kam es in Ramadi zu Gefechten.

Entspannung in Sadr City

In Bagdad zeichnete sich unterdessen eine Entspannung der Lage im schiitischen Stadtteil Sadr City ab, den die Anhänger des radikalen Predigers Muktada al Sadr beherrschen. Ein Berater des Geistlichen teilte am Samstag mit, die Miliz Al Sadrs werde am Montag mit der Abgabe ihrer mittleren und schweren Waffen beginnen. Auf ihre Forderungen wie die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen sei zwar noch nicht eingegangen worden. Die Gruppe sei aber bereit, in diesem Punkt abzuwarten. Der Minister für nationale Sicherheit, Kassem Dawud, sagte am Samstag im Fernsehsender Al Arabija, wenn die vollständige Waffenabgabe verifiziert worden sei, erhielten diejenigen eine Entschädigung, die bei den Kämpfen Besitz verloren hätten.

Trauer um Kenneth Bigley

Der im Irak entführte Brite Kenneth Bigley soll kurz vor seiner Ermordung einen Fluchtversuch unternommen haben. Ein US-Regierungsbeamter sagte am Freitag in Washington, es gebe entsprechende glaubwürdige Berichte. Einer der Entführer habe Bigley geholfen. Die Zeitung "The Sunday Times" berichtete, Bigley sei geflohen, nachdem der britische Geheimdienst zwei seiner Kidnapper bestochen habe. Er sei aber nach wenigen Minuten wieder gefasst worden.

Auch ein irakischer Aufständischer, der nach eigenen Angaben Kontakt zu den Geiselnehmern hatte, sagte der Nachrichtenagentur AP, Bigley sei seinen zehn Bewachern am Donnerstag entkommen. Sie hätten danach jedes Haus in der Nähe durchsucht, ihn aber nicht gefunden, sagte der vermummte Iraker am Samstag. Erst am nächsten Morgen sei er in einem abgelegenen Gebiet entdeckt worden. Kurz danach sei er getötet worden.

Bigleys Heimatstadt Liverpool erklärte den Samstag zum Tag der Trauer. Mit zwei Schweigeminuten wurde seiner im Rathaus gedacht. Die Flaggen in der Stadt hingen auf Halbmast.

AP


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