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Start des US-Vorwahlkampfs: In Iowa könnte sich entscheiden, wer die Welt von Donald Trump "befreien" soll

Von 23 Demokraten-Kandidaten sind sechs übrig, sie haben sich für die TV-Debatte in Iowa qualifiziert. Hier im Herzen Amerikas finden traditionell die ersten Vorwahlen statt, hier könnte sich entscheiden, wer die Welt von Donald Trump befreit. 

Von Jan Christoph Wiechmann, Des Moines

Iowa Wahlkampf Elizabeth Warren

Nochmal drei Wochen durch Iowa, rein in Schulen, Scheunen, Gemeindesäle und Altenheime - das steht nicht nur Elizabeth Warren (M.) bevor, sondern allen demokratischen Kandidaten.

AFP

Jetzt sind es nur noch sechs. Sechs Kandidaten, die heute Abend auf der Bühne stehen werden – nicht mehr 23, wie noch vor einigen Monaten.

Sechs Demokraten, die sich für die vorentscheidende TV-Debatte in Iowa qualifiziert haben. Zwei Frauen und vier Männer. Alle weiß. Keine Latinos mehr. Keine Schwarzen. Auch keiner asiatischer Abstammung. Sechs Weiße in einer Partei, die bunt und vielfältig sein will. Fünf von ihnen sind Millionäre, einer sogar Milliardär – Tom Steyer – in einer Partei, die alle Gesellschaftsschichten vertreten will.

Nur vier der sechs haben Chancen

Vier der sechs haben realistische Chancen, gegen Trump anzutreten: Senator Bernie Sanders, 78. Ex-Vizepräsident Joe Biden, 77. Senatorin Elizabeth Warren, 70. Nur einer ist jünger als 70, Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg, 37 – in einer Partei, die jung und dynamisch sein will.

Wenn es nach den letzten Umfragen geht, liegen die vier Favoriten dicht beieinander. Laut CNN führt der bekennende Sozialist Sanders (20 Prozent) vor Warren (17), Buttigieg (16) und Biden (15). In einer Umfrage der Monmouth University führt Joe Biden.

Jeder von ihnen lag in Iowa schon mal vorne. Jeder ist schon mal eingebrochen. Nur Sanders nicht. Sanders ist stabil. Sanders Umfragewerte brachen auch nicht ein, als er im Oktober einen schweren Herzinfarkt erlitt.

Jetzt sind sie alle wieder zusammen in Iowa, dem Agrarstaat, der traditionell als erster wählt, das Herz Amerikas, Kornfelder, Prärie, Schnee, Minusgrade. Sie werden den Staat bis zum Wahlabend am 3. Februar kaum mehr verlassen. In Iowa werden die Erwartungen für die folgenden Vorwahlen gesteckt. Hier werden die ersten Favoriten straucheln oder gar scheitern.

Mindestens einer der vier. Es heißt: Du musst Iowa nicht gewinnen. Aber du darfst hier nicht Vierter werden. Davon erholst du dich danach nicht mehr.

Mit Krieg und Krisen kennen sich alle irgendwie aus

Die Debatte am Abend ist die letzte Chance, sich noch mal hervorzutun. Sich abzugrenzen. Anzugreifen. Etwa beim Thema Iran: Sanders, der Kriegsgegner, kann argumentieren, dass Biden 2003 als Senator für den Irak-Krieg gestimmt hat. Buttigieg, Marinesoldat der Reserve, kann sagen, dass er als einziger über Kriegserfahrung verfügt, er war sieben Monate in Afghanistan. Biden wird sagen, dass er als Vizepräsident an Obamas Seite die größte Erfahrung im Umgang mit internationalen Krisen hat.

Die Spannungen zwischen den Kandidaten nehmen zu. Beharkten sich lange nur die beiden Flügel – Warren und Sanders gelten als links, Biden und Buttigieg als gemäßigt – so löst sich jetzt der Nichtangriffspakt zwischen Warren und Sanders auf. Warrens Anhänger verbreiten, dass Sanders gesagt habe, eine Frau könne 2020 gegen Trump nicht gewinnen. Sanders-Anhänger verbreiten, dass Warren nur die Besserverdienenden anspricht, die ohnehin die Demokraten wählen – aber nicht die Arbeiter, die sich 2016 für Trump entschieden haben.

Es geht darum: Welcher der beiden Linken sticht den anderen in Iowa aus. Auch zwischen Biden und Buttigieg wird es darum gehen: Welcher der beiden Moderaten kann sich absetzen?

Die Gespräche mit den Anhängern an der Basis zeigen vor allem: Sie wollen einen starken Kandidaten, der Trump schlagen kann. Da können sie sich mit fast jedem anfreunden. Sie wollen die Konflikte nicht. Nicht den Streit. Nicht die Besserwisserei.

"Einfach nur Donald Trump loswerden"

Dan Ryner, ein Farmer aus Madison County, sagt: "Ich tendiere zu Pete Buttigieg, er erinnert mich an den jungen Obama, sehr klug, sehr eloquent, aber vielleicht ist er etwas zu jung. Dann doch lieber Biden."

Heather Riley, Leiterin der Handelskammer in der Kleinstadt Winterset, findet alle Kandidaten auf ihre Weise inspirierend, "den einen perfekten Kandidaten gibt es diesmal nicht. Ich will einfach nur Trump loswerden, diesen Unfall der Geschichte. Wer immer ihn schlagen kann, soll unser Kandidat werden." Nur mit Sanders tut sie sich schwer, mit der Einstellung seiner Anhänger: Bernie und sonst keiner.

Erst 40 Prozent der Demokraten in Iowa haben sich für einen Kandidaten entschieden, so wenig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Heute nun könnte endlich eine Vorentscheidung fallen. Heute werden Millionen an den Bildschirmen die Debatte in der Hauptstadt Des Moines verfolgen. Heute steigt die letzte Gelegenheit, alle Favoriten im direkten Vergleich zu erleben.

Danach tingeln die Kandidaten nochmal drei Wochen durch die Provinz, zu Schulen, Scheunen, Gemeindesälen, Altenheimen, bis die Welt am 3. Februar beim Caucus von Iowa eine erste Ahnung bekommen wird: Wer befreit die Welt von Donald Trump?