HOME

US-Vorwahlkampf der Republikaner: Millionär Romney umgarnt die Malocher

An Ohio kommt keiner vorbei, der ins Weiße Haus will. Vor allem nicht am Super Tuesday - für Multimillionär Mitt Romney ist der Arbeiterstaat eine besondere Herausforderung.

Von Martin Knobbe, Zanesville, Ohio

Sie sind rar in diesem Vorwahlkampf, aber es gibt sie, die Momente der Wahrheit. Mitt Romney, gerade mal wieder aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat der Republikaner, steht auf der Bühne in Zanesville, Ohio, neben ihm seine Frau Ann, der er das Mikrofon übergibt. "Vielleicht ein Fehler", sagt er. "Denn nach ihrer Rede will eigentlich keiner mehr hören, was ich zu sagen habe."

Er hat nicht ganz unrecht damit. Ann Romney ist die beste Wahlwerbung ihres Mannes. Wirkte er, gerade am Anfang, oft hölzern und gekünstelt, füllte sie die Bühne schnell mit Wärme und Lachen. Erzählte er immer den gleichen Witz, bis zu viermal am Tag, ließ sie sich fast jedes Mal einen neuen einfallen. Und wenn er sich im Zahlendschungel zwischen Arbeitslosigkeit, Staatsdefizit und Steuergrenzen zu verheddern drohte, erzählte sie, wie toll es war, als die fünf Söhne endlich aus dem Haus waren.

Seit fast zwei Monaten nonstop auf Tour

Und nun steht Ann Romney am Abend vor dem so genannten Super Tuesday, an dem zehn Bundesstaaten gleichzeitig ihre Vorwahlen abhalten, vor ein paar Hundert Menschen im großen Saal eines Restaurants und erzählt, wie anstrengend doch das Leben im Wahlkampf sei. "Wir waren seit 10. Januar nicht mehr zu Hause. Ich lebe aus einem einzigen Koffer. Ihr Frauen hier wisst, was das bedeutet." Die Frauen klatschen. Die Männer auch.

Ohio ist ein wichtiger Staat bei den Vorwahlen. Er gilt als Präsidentenmacher. Wer hier gewinnt, wird am Ende der Kandidat seiner Partei sein, so legt es zumindest die Geschichte nahe. Faktisch allerdings wird auch nach dem heutigen Super Tuesday noch nichts entschieden sein. Schon rein rechnerisch kann noch keiner der vier Kandidaten die 1144 Delegierten auf seiner Seite haben, die beim Nominierungsparteitag in Florida Ende August notwendig sind, um eine einfache Mehrheit zu bekommen. Aber ein Sieg in Ohio dürfte dem Wettbewerb eine ganz neue Richtung geben und das Feld der Kandidaten vielleicht noch etwas ausdünnen.

Es muss menscheln in Ohio

Den letzten Umfragen zufolge hat Mitt Romney mit 34 Prozent einen hauchdünnen Vorsprung vor seinem gefährlichsten Konkurrenten Rick Santorum, dem ultrakonservativen Ex-Senator aus Pennsylvania, den 31 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimme geben wollen. Die Berater Romneys setzten im Endspurt deshalb aufs Menschliche.

Ohio ist ein Staat der Arbeiter, Industrie und Landwirtschaft sind die Motoren, das Durchschnittseinkommen zum Beispiel in Zanesville liegt bei knapp 32.000 Dollar im Jahr. Hier mit den Menschen in Kontakt zu kommen, ist für den Multimillionär Romney eine Herausforderung, weshalb er es lieber seiner Frau überlässt.

Seltene Offenbarungen im Wahlkampf

Also erzählt sie von ihrem Großvater, einem Arbeiter in einer Kohlemine. Sie erzählt auch, wie sie sich vor vier Jahren, als Mitt Romney schon einmal Präsident werden wollte, geschworen hatte, das nie mehr mitzumachen und ihn dann doch im letzten Jahr ermunterte, es noch einmal zu versuchen. Und Mitt Romney erwähnt die Zeit, als Ann an Multiple Sklerose erkrankt war, und die Familie monatelang bangte, wie es weitergehen würde. Solche Offenbarungen waren bislang selten im Wahlkampf.

Nur ein Thema bleibt auch weiterhin ein Tabu: Mitt Romneys Glaube als Mormone. Als er in einer Fabrikhalle in Akron vor einem Ungetüm aus Blech steht und erklärt, dass man damit ein Auto in zwölf Sekunden zerschreddern könne, meldet sich in der folgende Fragestunde eine Bürgerin: Wie sie sich argumentativ wehren könne, wenn Leute behaupteten, die stark kritisierte Gesundheitsreform Obamas basiere angeblich auf einem Konzept von Mitt Romney. Und dann sagt sie: "Warum reden Sie nicht über Ihren Glauben, über die großzügigen Taten, die sie vollbracht haben? Ich finde das schade." Mitt Romney zögert kurz. Dann redet er lange und ausschweifend über "Obamacare". Und hat am Ende ganz vergessen, auf die andere Frage zu antworten.

Themen in diesem Artikel