US-Vorwahlkampf Heiße Phase in New Hampshire


Nach der Niederlage in Iowa kann Hillary Clinton noch hoffen: Wenige Tage vor der zweiten Vorwahl für den US-Präsidentschaftswahlkampf geben die Kandidaten nun im Bundesstaat New Hampshire wieder richtig Gas - und verstärken die Angriffe aufeinander.

Nach der Vorwahl von Iowa spitzt sich das Rennen um den nächsten US-Staat zu: Die Kandidaten legen sich vor dem zweiten wichtigen Stimmungstest am Dienstag in New Hampshire ins Zeug. Die in Iowa auf den dritten Platz verwiesene Hillary Clinton positionierte sich am Freitag deutlich gegen den demokratischen Überraschungssieger Senator Barack Obama. Auch die Republikaner reisten nach der Wahl in Iowa am Donnerstag sofort weiter und stiegen in den Wahlkampf ein.

Applaus für Clinton, Jubel für Obama

Die ehemalige First Lady Clinton stellte in ihrer 18 Minuten langen Rede ihre eigene Kompetenz und Bereitschaft für das Amt des US-Präsidenten heraus. "Erstens, wer wird am Tag eins (nach der Wahl) bereit sein, Präsident zu sein?" fragte die Senatorin. Sie greift Obama immer wieder wegen seiner mutmaßlich mangelnden Politikerfahrung an. "Zweitens, wen können wir nominieren, der den ganzen Wahlkampf gegen die Republikaner durchsteht?" Alle Angriffe auf die Demokraten seien bisher auf sie abgezielt gewesen, damit habe sie ihr Durchhaltevermögen unter Beweis gestellt, erklärte Clinton.

Der letzte Redner bei dem gemeinsamen Spendendinner der Demokraten war Obama. Während das Publikum Clinton nur applaudierte, brachte Obama die Menschen zum Jubeln: Plakate wurden geschwungen, er bekam stehenden und tosenden Applaus. Er hatte dazu aufgerufen, eine auf fortschrittlichen Werten beruhende und weniger konfrontative Politik anzustreben. "Das wird nicht weh tun. Dadurch wird man nicht kompromittiert, vielmehr kann man die Mehrheiten formen, durch die man die Interessengruppen schlagen und Wahlen gewinnen kann", sagte Obama. Der in Iowa zweitplatzierte Senator John Edwards war der von etwa 3000 Menschen besuchten Spendengala wegen einer Wahlkampfveranstaltung ferngeblieben.

Alle Kandidaten müssen Boden wett machen

Für die Kandidaten geht es in New Hampshire um einiges: Wenn Clinton die erste Präsidentin des Landes werden will, muss sie gegen Obama Boden wettmachen. Wenn der Senator aus Illinois im November der erste farbige US-Präsident werden will, muss er seinen anfänglichen Siegeszug fortsetzen, damit seine Kampagne an Schwung und Geld hinzugewinnen kann.

Der Iowa-Sieger der Republikaner, der ehemalige Gouverneur und Baptistenprediger Mike Huckabee, stürzte sich am Freitag auch bereits in die nächsten Wahlkampfveranstaltungen. Er muss seinen Vorsprung in New Hampshire verteidigen, wo er weniger bekannt ist und es insgesamt weniger evangelikale und religiös motivierte Wähler gibt. Deswegen hofft der überraschend unterlegene Geschäftsmann und ehemalige Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts, Mitt Romney, in New Hampshire wieder aufholen zu können. Eine zweite Niederlage wäre für seinen Wahlkampf eine schwere Hypothek.

Vorsprung von Clinton und McCain schwindet

Einer jüngsten Umfrage zufolge ist der Vorsprung für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und den Republikaner John McCain allerdings geschrumpft. Wie aus der am Samstag veröffentlichten Erhebung von Reuters, C-Span und Zogby hervorgeht, lag Clinton mit einer Zustimmung von 32 Prozent nur noch vier Prozentpunkte vor ihrem schärfsten Konkurrenten in der eigenen Partei, dem bei der ersten Vorwahl in Iowa erfolgreichen Barack Obama. Der ehemalige Senator von North Carolina, John Edwards, belegte mit 20 Prozent den dritten Platz unter den Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

Im Lager der Republikaner kam McCain der Erhebung zufolge mit 32 Prozent nur noch auf zwei Prozentpunkte Vorsprung vor Mitt Romney. Der in Iowa siegreiche Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, lag mit zwölf Prozent an dritter Stelle. New Yorks früherer Bürgermeister Rudolph Giuliani kam nur auf neun Prozent. Für die Umfrage wurden von Dienstag bis Freitag vergangener Woche jeweils knapp 900 Unterstützer von Republikanern und Demokraten befragt. Damit wurden die Daten zum größeren Teil noch vor der Vorwahl in Iowa am Donnerstag erhoben. Nach Einschätzung von Meinungsforscher John Zogby war dennoch bereits ein erster Aufschwung für die in Iowa siegreichen Kandidaten feststellbar. Die Fehlermarge lag bei 3,3 Prozentpunkten.

Alle Wahlberechtigten dürfen wählen

Die Besonderheit der Vorwahl in New Hampshire ist, dass nicht nur eingetragene Parteianhänger abstimmen dürfen wie in Iowa. Alle Wahlberechtigten unter den knapp 1,3 Millionen Einwohnern des kleinen Staats im Nordosten der USA dürfen zu den Urnen gehen - ein wichtiger Stimmungstest. Das Schicksal der Favoriten wird sich aber vermutlich frühestens am 5. Februar entscheiden. An diesem sogenannten Superdienstag entscheiden die Wähler in rund der Hälfte der 50 US-Staaten. Der Vorwahlmarathon zieht sich danach noch bis Anfang Juni hin. Die Entscheidung fällt im Spätsommer auf Nominierungsparteitagen, deren Delegierte in den Vorwahlen bestimmt werden.

AP AP

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