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US-Wahlkampf Obama erledigt Eastwood


Er war das As im Ärmel der Republikaner auf dem Wahlparteitag. Doch mit seiner Rede hat Hollywood-Haudegen Clint Eastwood den Demokraten eine Vorlage für ein wunderschönes Tor geliefert.
Von Sophie Albers

So wird es sein: Clint Eastwood, Hollywoods härtester Knochen und eigentlich erzkonservativ, gehört in Wahrheit zum Wahlkampfteam von Präsident Barack Obama. Nur so lässt sich sein bizarrer Auftritt auf dem Wahlkampfparteitag der Republikaner in Tampa erklären. Mit dem hat er Mitt Romneys Gegner zu einem hübschen Punktsieg verholfen.

Eastwood war der Überraschungsgast, das As im Ärmel in der letzten Stunde dieses riesigen Showevents. Als "Dirty Harry" auf die Bühne kam, stand der Saal, fielen die Romney-Unterstützer in einen "Make my day"-Chorus, Eastwoods berühmtes Zitat aus dem Film "Dirty Harry kommt zurück" (1983), während hinter dem Schauspieler riesengroß ein Filmbild aus "Für eine Handvoll Dollar" brannte. Was folgte, war allerdings eine Vorstellung, die die großen Erwartungen sehr schnell löschte: Ein verdammt alter Eastwood, der Mann ist 82, der dafür bekannt ist und innig verehrt wird, dass er nicht viel Worte macht, verfiel in einen zuweilen verstotterten Wortschwall unausgegorener Verbalattacken auf die Obama-Regierung. Er erklärte, dass Hollywood nicht den Linken gehöre, sprach von gebrochenen Wahlversprechen, forderte, den Afghanistan-Krieg schon morgen zu beenden und empfand es als Witz zu sagen, dass Anwälte keine guten Präsidenten seien, weil sie immer beide Seite abwägen.

Fluchender Präsident

Krönung von Eastwoods 15 Minuten Anti-Ruhm war allerdings die Bühnenausstattung. Neben dem Schauspieler stand ein leerer Stuhl, auf dem angeblich der unsichtbare Obama saß. So wurde Eastwoods Vortrag immer wieder zu einem einseitigen Gespräch mit dem amtierenden Präsidenten, der offensichtlich vor allem eines tat: fluchen.

Über Twitter hagelte es bald Fassungslosigkeiten und Spott aus der Filmbranche. Das habe dieser Held nicht nötig, bedauerte unter anderem der angesehene Filmkritiker Roger Ebert. Andere brachten ihr Erstaunen über den verwirrenden Auftritt zum Ausdruck oder machten sich einfach lustig.

"Dieser Stuhl ist besetzt"

Die Flanke mit der die Demokraten die Vorlage der Republikaner jedoch in ein wunderschönes Tor verwandelten, ist ein Foto mit der schönen wie schlichten Unterschrift "Dieser Stuhl ist besetzt", gesendet vom Obama-Account. Darauf zu sehen ist die Rückseite eines Konferenzsessels, in dem Barack Obama sitzt, auf der ein kleines Metallschild mit der Aufschrift: "The President" prangt.

Übrigens hat der "unsichtbare Präsident" auch schon einen eigenen Twitter-Account. "InvisibleObama", der in nur acht Stunden 36.712 Follower gesammelt hat.

Sieht so aus, als sei Romney zu uncool für den Stuhl.


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