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Usbekistan: USA kritisieren Gewalt gegen Zivilisten

Vier Tage nach den Unruhen in Andischan zeigte die US-Regierung erstmals eine Reaktion: Sie äußerte sich "tief beunruhigt" über das Vorgehen der Regierungstruppen.

"Natürlich verurteilen wir den wahllosen Einsatz von Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten", sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in Washington. UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an alle Beteiligten, Zurückhaltung zu üben. Usbekische Regierungstruppen hatten am Freitag vergangener Woche nach Augenzeugenberichten auf friedliche Demonstranten in der ostusbekischen Stadt Andischan geschossen und bis zu 500 Menschen getötet, darunter auch Frauen und Kinder. Die usbekische Führung sprach von einem "tapferen" Vorgehen des Militärs gegen "bewaffnete Extremisten".

Fischer fordert Untersuchung

Der UN-Generalsekretär habe die Konfliktparteien aufgefordert, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten und mit einem zur Unterstützung der Flüchtlinge an die usbekisch-kirgisische Grenze entsandten UN-Notfallteam zusammenzuarbeiten, erklärte ein Sprecher Annans am Montagabend in New York. Auch die US-Regierung forderte die usbekische Führung in Taschkent auf, dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen vollen Zugang zu gewähren. Zudem müsse der Presse die Berichterstattung über die Vorgänge in Usbekistan ermöglicht werden, sagte Außenamtssprecher Boucher weiter. Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte ebenfalls eine öffentliche Untersuchung.

Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands in Andischan nahm die usbekische Polizei am Montag nach eigenen Angaben etwa 70 Menschen fest, die als mutmaßliche Aufrührer galten. Die Lage in der Stadt im Fergana-Tal normalisiere sich langsam, sagte der Innenminister Sakir Almatow. Von allen Friedhöfen der 300.000-Einwohner-Stadt Andischan wurden zahlreiche Beerdigungen gemeldet. Die autoritäre Staatsführung in Taschkent dementierte die Schätzungen von 500 Toten und 2000 Verletzten. Die Nachrichtenlage blieb im Konfliktgebiet unübersichtlich, nachdem das Militär Journalisten zum Verlassen von Andischan zwang.

Flüchtlinge strömen nach Kirgisien

An der etwa 30 Kilometer entfernten Grenze zu Kirgisien riss der Strom usbekischer Flüchtlinge nach dem Blutbad von Andischan nicht ab. "Sie werden uns in der Heimat töten", riefen einige Usbeken, die um Asyl im Nachbarland baten. In offiziellen Berichten hieß es dagegen, vor allem bewaffnete Aufständische suchten Schutz vor dem usbekischen Militär.

DPA / DPA