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Very british: Queen läutet Ära des Sparens ein

Eine kleinere Kutsche für die Queen, weniger Dienstwagen für die Minister. Zum ersten Mal hat Elisabeth II. die Gesetze einer Koalitionsregierung vorgestellt. Die Botschaft, die sie im Namen von David Cameron verlas, lautet: Es ist Zeit für mehr Bescheidenheit.

Von Cornelia Fuchs, London

David Cameron hat es schon früh verstanden: Es sind die kleinen Zeichen, die zählen. So lief der neue Regierungschef nun mit seinem Vize und Koalitionspartner, dem Liberaldemokraten Nick Clegg, zu Fuß von der Downing Street ins Parlament. Es sind noch nicht einmal zehn Minuten Fußweg zwischen dem Haus mit der Nummer 10 und dem Unterhaus - doch vor Cameron rauschte sein Amtsvorgänger Gordon Brown in einer gepanzerten Jaguar-Limousine am wartenden Volk vorbei in die mit schweren Barrieren geschützte Toreinfahrt des House of Commons.

Nicht so der neue Premier. Einer aus dem Volk will er sein, so signalisiert er, ein Bürger des Landes, der seine Königin hören will und ihre Ansprache zur Eröffnung des Parlamentes. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Cameron als Fußgänger ablichten lässt. Er läuft häufig zwischen seinem neuen Amtssitz und den Büros seiner Parteikollegen hin und her. Die Polizeieskorte bei Autofahrten hat er ebenfalls abgelehnt, er fährt lieber weiter mit dem Fahrrad nach Hause. Seine Familie ist ihm noch nicht in die Downing Street gefolgt.

Die Autoflotte der Regierung betrifft auch eine seiner ersten Entscheidungen: Keinem Miniter steht mehr automatisch eine Limousine mit Fahrer zur Verfügung. Sie sollen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, heißt es aus der Downing Street. Und sich ansonsten Regierungswagen samt Chauffeur teilen. Außerdem wurden ihre Bezüge um fünf Prozent gekürzt. Es soll den Briten verdauen helfen, dass der Schatzkanzler sechs Milliarden Pfund aus dem Budget streicht im ersten Jahr. 2011 wird noch mehr gespart werden müssen. Es ist der Beginn eines Zeitalters der Genügsamkeit, schreiben die Zeitungen.

Eine kleinere Kutsche - als Zeichen der Zeit

Die neue Bescheidenheit der Koalitionspartner wirkt besonders effektiv vor dem Hintergrund der traditionell pompösen Parlamentseröffnung. Zum 56. Mal fuhr Königin Elizabeth II. in der mit Gold besetzten Kutsche vom Buckingham Palace über die weite Prachtstraße gen Parlament. Dieses Mal saß sie in der "Irish State Coach", in der irischen Staatskutsche. Die ist ein bisschen kleiner als andere Exemplare im königlichen Kutschenstall, auch dies ein Zeichen der Zeit.

Wie immer betrat die Königin das Oberhaus nach dem traditionellen Umkleiden und dem Aufsetzen der Krone an der Seite ihres Ehemannes Prinz Philip und schickte einen Gesandten gen Unterhaus, um die Vertreter des Volkes zu sich zu rufen. Doch diesmal war es nicht der Amtsträger des Black Rod, des schwarzen Stabes, dem traditionell die Tür des Unterhauses vor der Nase zugeschlagen wurde - als Zeichen der Unabhängigkeit des Unterhauses. Er war ausgerechnet heute, am Tag seiner großen Amtshandlung, krank und wurde von einem Kollegen vertreten. Der ließ sich, wie immer, abweisen und danach machten sich Premier, Regierung und Opposition auf den Weg zur Königin.

Gesetze, die die EU betreffen, segnet das Volk ab

21 Gesetze verlas Elisabeth II, unter anderem müssen sich Vereinbarungen mit Brüssel, die der Europäischen Union weitere Machtbefugnisse einräumen, einem Referendum in Großbritannien stellen. Europäische Anstrengungen zur größeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der EU-kritischen Insel dürften nicht einfacher werden.

Darüber hinaus plant die neue Regierung, die allgegenwärtige Überwachung zurückzufahren. Zudem soll die Einführung des umstrittenen Personalausweises gestoppt und die DNA-Datenbanken nicht mehr zeitlich unbegrenzt mit Material gefüttert werden. Doch vor allem stand diese königliche Rede unter dem Eindruck der baldigen Einschnitte, die den Briten bevorstehen. Der Schatzkanzler hat bereits eine erste Spar-Liste vorgelegt, Städte werden auf Milliarden verzichten müssen, zehntausende staatliche Jobs stehen zur Disposition. Im Herbst veröffentlicht die Regierung Details. Bis dahin wird die Familie des Premierministers Cameron in die Downing Street eingezogen sein. Es ist anzunehmen, dass er dann weniger häufig zu Fuß unterwegs sein wird - denn seine bisherige Wohnung wird sich der Konservative einsparen.