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Vorwurf der Vergewaltigungen in Libyen: Gaddafi soll Truppen mit Viagra anstacheln

Sexuelle Gewalt als Waffe gegen Aufständische: Laut dem Internationalen Strafgericht in Den Haag mehren sich Hinweise, dass die libyschen Truppen auch vor Massenvergewaltigungen nicht zurückschrecken. Diktator Gaddafi soll dafür extra Potenzmittel verteilen lassen.

Schwerer Vorwurf gegen das Regime von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi: Nach Angaben des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichts in Den Haag hat sich der Verdacht erhärtet, dass die Truppen des Diktators im Kampf gegen die Aufständischen Frauen auch systematisch vergewaltigten. Ihm lägen Informationen vor, nach denen das Regime Mittel wie Viagra containerweise einkaufte, um die Soldaten zur sexuellen Gewalt anzustacheln, sagte Luis Moreno-Ocampo in New York. Er habe auch Hinweise, dass Gaddafi selbst beschlossen habe, sexuelle Gewalt gegen Regimegegner einzusetzen. Genügend Beweismittel für eine Anklage gegen Gaddafi gebe es bereits hinsichtlich des Schießbefehls gegen wehrlose Demonstranten sowie das Foltern und vermutlich auch Töten von Regimegegnern.

Tripolis erneut unter Beschuss

Die Nato hat unterdessen ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis offenbar in der Nacht fortgesetzt. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, wurde die Stadt am späten Abend von einer schweren Explosion erschüttert. Auch der Triebwerkslärm eines Kampfflugzeuges sei zu hören gewesen. Am Mittwoch hatte die Nato angekündigt, den Luftkrieg in Libyen bis zum Sturz von Gaddafi fortsetzen zu wollen.

Die Mitgliedstaaten zeigten sich aber nicht willens, ihre militärischen Anstrengungen deutlich über das bisherige Maß auszuweiten. Ein Appell von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen an alle 28 Nato-Regierungen, zusätzliche militärische Kräfte für den Libyen-Einsatz bereitzustellen, verhallte beim Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel ohne erkennbare Reaktion.

Rebellen prophezeihen baldigen Einmarsch in Tripolis

Die libyschen Rebellen sehen die Luftangriffe auf Tripolis als Vorbereitung für ihren Einmarsch in die Hauptstadt. Aufständischen-Sprecher Guma al-Gamaty erklärte via Twitter: "Die Zerstörung der Mauern und Tore von Bab al-Asisija bedeutet, dass sich Gaddafi eine blutige Nase geholt hat. Den K.-O.-Schlag werden ihm schon sehr bald die Libyer selbst versetzen." Im Stützpunkt Bab al-Asisija, der bereits mehrfach Ziel der Nato-Angriffe war, befindet sich das Anwesen Gaddafis.

In den Medien der Aufständischen hieß es unterdessen, in der Stadt Jafren südwestlich von Tripolis hätten ihre Kämpfer zahlreiche Waffen der Gaddafi-Truppen erbeutet, die sie für die Schlacht um die Hauptstadt nutzen wollten. Sie rechneten in vier Stadtvierteln von Tripolis mit Unterstützung durch Anhänger der Revolution. Bislang konnten sich die Rebellen nach eigenen Angaben der Hauptstadt auf bis zu 80 Kilometer nähern.

Nato: "Gaddafi ist Geschichte"

Für eine Nach-Gaddafi-Ära sehen die Nato-Verteidigungsminister vor allem die Vereinten Nationen und regionale Organisationen in der Pflicht, beim Wiederaufbau zu helfen. "Gaddafi ist Geschichte", sagte Rasmussen. "Die Frage ist nicht, ob er geht, sondern wann er geht. Es kann Wochen dauern oder morgen passieren. Aber wenn er geht, dann sollte die internationale Gemeinschaft vorbereitet sein."

Von den 28 Nato-Staaten sind nur 14 an dem Libyen-Einsatz beteiligt. Von diesen wiederum nehmen nur neun an Kampfeinsätzen teil. Am Luftkrieg gegen Gaddafi beteiligen sich auch Schweden und Katar. Vor allem Frankreich, Großbritannien und Italien, die bisher die Hauptlast des Einsatzes trugen, hatten um Entlastung gebeten.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziére kündigte für die Zeit nach Gaddafis Sturz deutsche Hilfen an. "Wir unterstützen die Ziele und die Maßnahmen der Nato", sagte er. "Wir sind in diesem Fall militärisch nicht dabei. Dabei bleibt es. Aber wir engagieren uns in Libyen politisch", sagte er. Deutschland sei "bereit, in der Nach-Konflikt-Phase Verantwortung zu übernehmen".

mad/kng/DPA / DPA