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Wahl im Irak: Zahlen, Daten, Fakten

Erstmals seit fünfzig Jahren wählen die Iraker ihre Volksvertretung wieder frei. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Parteien, Wahlbündnisse und die wichtigsten Kandidaten.

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Wähler

Wahlberechtigt sind knapp 15 der 25 Millionen Iraker, davon etwa 1,2 Millionen im Ausland, rund 80 000 in Deutschland. Mindestalter 18 Jahre. Vier Provinzen im Zentralirak, wo mehrheitlich Sunniten leben, gelten als besonders unsicher. Der Widerstand gegen die amerikanische Besatzung und die Regierung von Ministerpräsident Eyad Allawi ist hier am größten. Viele Wähler konnten sich nicht registrieren lassen. Zur Stimmabgabe sind 5220 Wahllokale und 29 000 Nebenstellen vorgesehen.

Wahlmodus

Gewählt wird ein Übergangsparlament mit 275 Abgeordneten. Es bestimmt einen Staatspräsidenten und zwei Stellvertreter. Das dreiköpfige Staatspräsidium schlägt einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vor, der sich in der Nationalversammlung einer Vertrauensabstimmung stellen muss. Das Parlament erarbeitet eine endgültige Verfassung, über die die Bevölkerung im Oktober abstimmen soll. Die Verfassung ist Grundlage für Wahlen zu einer neuen Nationalversammlung, die bis zum 15. Dezember bestimmt werden soll und eine neue Regierung wählt. Am kommenden Sonntag werden zudem Ratsversammlungen in den Provinzen und ein kurdisches Regionalparlament gewählt.

Parteien

Zur Wahl stehen insgesamt 111 Parteien, Wahlallianzen und Einzelkandidaten. Ein Drittel der etwa 7200 Kandidaten sind Frauen. Mindestalter 30 Jahre. Gemäß ihrem Bevölkerungsanteil (über 60 Prozent) haben die schiitischen Parteien die größten Chancen. Die Zahl der gewonnenen Sitze entspricht den Stimmenanteilen der Parteien.

Vereinigte irakische Allianz (UIA):

Block der maßgebenden schiitischen Parteien SCIRI (Oberster Rat der Islamischen Revolution) und Dawa. Auf der Sammelliste kandidieren außerdem Vertreter kleinerer Parteien und Persönlichkeiten, darunter auch einige Nicht- Schiiten. Als Anwärter auf Spitzenämter gelten der SCIRI-Vorsitzende Abdelasis al-Hakim (Präsidentenamt, falls Allawi Ministerpräsident bleibt) und der gegenwärtige Finanzminister Adil Abdel Mahdi (Ministerpräsidentschaft). Der Dawa-Vorsitzende Ibrahim al-Dschafari, derzeit einer von zwei Vize-Präsidenten, rechnet gleichfalls mit einem Spitzenamt. Auf einem aussichtsreichen Listenplatz steht außerdem der ehemalige Pentagon-Günstling Ahmed Chalabi, dessen Irakischer Nationalkongress auch zum Wahlbündnis UIA gehört. Der Block genießt die indirekte Unterstützung des schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani. SCIRI steht dem Regime in Teheran sehr nahe.

Kurdische Koalitionsliste:

Block der beiden großen Kurdenparteien KDP (Kurdische Demokratische Partei), angeführt von Massud Barsani, und PUK (Patriotische Union Kurdistans), angeführt von Dschalal Talabani, sowie weiterer kleinerer kurdischer Organisationen. Wichtige Kurden in der gegenwärtigen Regierung sind Außenminister Hoschiar Sibari (KDP) und Vize-Ministerpräsident Barham Saleh (PUK).

Irakische Liste:

Bündnis des Übergangsministerpräsidenten Ijad Allawi. Langjähriger CIA-Zuträger und heimlicher Favorit Washingtons. Versucht durch die Erringung von Mandaten im Spiel zu bleiben, um eventuell als Kompromisskandidat im Amt bleiben zu können. Allawi ist säkularer Schiit.

Irakische kommunistische Partei (ICP):

Älteste Partei im Irak, 1934 gegründet. Unter den ärmeren Schiiten in den Städten verankert, mit Ausstrahlung auf andere Volksgruppen. Unter dem Saddam-Regime brutal verfolgt. Der im Exil überlebende Flügel unter Parteichef Hamid Madschid Mussa arbeitete nach dem US-Einmarsch 2003 in Regierungsrat und Übergangsregierung mit. Die einst marxistisch-leninistische Kaderpartei hat heute eine sozialdemokratische Ausrichtung.

Irakische islamische Partei (IIP):

Zog ihre Kandidatur am 27.12.2004 zurück. Exil-Partei, einflussreichste legale Organisation unter den Sunniten. Unterstreicht sunnitische Identität, suchte eine kritische Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht.

Die Iraker:

Partei des amtierenden Übergangspräsidenten Ghasi al-Jawar. Gibt sich konfessionen- und ethnienübergreifend. Mit Mandaten rechnen können zudem ethnisch-konfessionelle Minderheitengruppen wie die Turkmenische Front und die Nationale Liste von Mesopotamien, die von der unter den chaldäischen Christen verankerten Assyrischen Demokratischen Bewegung getragen wird.

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