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Wahl im Irak: Zahlreiche Attentate und Tote

Zum Wahlauftakt im Irak haben Selbstmordattentäter zahlreiche Menschen mit den Tod gerissen. Der schwerste Anschlag ereignete sich in Bagdad, als sich ein Mann in der Warteschlange eines Wahllokals in die Luft sprengte.

Zu den Anschlägen mit mindestens 31 Toten bekannte sich die Extremisten-Gruppe um den Anführer des militanten Widerstandes, Abu Musab al-Zarqawi. "Die Löwen der Märtyrerbrigade der Al-Kaida-Organisation für den Heiligen Krieg im Irak hat verschiedene Wahllokale in Bagdad und anderswo angegriffen", hieß es in der Mitteilung auf einer radikal-islamischen Internetseite.

Trotz der zahlreichen Anschläge hat die erste demokratische Parlamentswahl im Irak einen planmäßigen Verlauf genommen. Internationale Beobachter berichteten - wie erwartet - von einer regen Wahlbeteiligung der Schiiten und Kurden. Die arabisch-sunnitische Minderheit blieb der Abstimmung jedoch wie angekündigt zum größten Teil fern.

Unter den 31 Toten sind nach Angaben der Behörden acht Selbstmordattentäter. Der schwerste Anschlag ereignete sich im Westen von Bagdad. Dort ging ein Mann auf eine Warteschlange von Wählern zu und zündete einen Sprengsatz an seinem Gürtel, wie ein Augenzeuge berichtete. Dabei wurden fünf Menschen getötet - drei Polizisten, ein Bewohner des Viertels und der Täter. In anderen Stadtteilen wurden Mörsergranaten auf Wahllokale geschossen. Auch aus Bakuba, Mossul, Basra und anderen Orten wurden zahlreiche Anschläge gemeldet.

Ein großer Teil der Wahlberechtigten ließ sich davon aber offenbar nicht einschüchtern. "Wir haben gehört, dass es in einigen Gegenden eine ziemlich kräftige Beteiligung gibt", sagte der amerikanische Wahlbeobachter Sam Patten vom International Republican Institute. Dies gilt vor allem für überwiegend schiitische und kurdische Regionen. Die Anschläge hätten die Wahl nicht stoppen können, erklärte der Berater der Vereinten Nationen bei der Wahlkommission, Carlos Valenzuela. In den Städten Falludscha, Ramadi und Samarra - den Zentren der sunnitischen Aufstandsbewegung - waren allerdings nur wenige Wähler zu sehen. In Mossul fuhren amerikanische und irakische Soldaten durch die Stadt und riefen über Lautsprecher zur Stimmabgabe auf. Die Wahlbeteiligung der Exiliraker erreichte nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IMO) an den ersten zwei der insgesamt drei Wahltage rund 66 Prozent.

"Die Iraker bestimmen ihr Schicksal selbst"

Übergangspräsident Ghasi al Jawar sprach bei seiner Stimmabgabe in Bagdad von einem ersten Schritt "zum Eintritt in die freie Welt". Der schiitische Politiker Abdul Asis al Hakim sagte: "So Gott will, werden wir eine gute Wahl haben." Interimsministerpräsident Ajad Allawi gab seine Stimme in der "Grünen Zone" rund um das US-Hauptquartier in Bagdad ab. "Erstmals bestimmen die Iraker ihr Schicksal selbst", sagte Allawi.

Rund 14 Millionen Bürger waren in 5.200 Wahllokalen zur Wahl von 275 Abgeordneten einer Nationalversammlung aufgerufen. Zum Schutz vor Anschlägen wurden die Landesgrenzen und auch der Flughafen von Bagdad geschlossen, außerdem herrschte ein allgemeines Fahrverbot. Das Endergebnis der Wahl wird voraussichtlich frühestens in einer Woche feststehen.

Die besten Chancen wurden der Vereinigten Irakischen Allianz eingeräumt, die die Unterstützung des obersten Geistlichen der irakischen Schiiten, des Großayatollahs Ali al Sistani, genießt. Daneben wird ein hoher Stimmenanteil für die Irakische Liste von Übergangsministerpräsident Ajad Allawi erwartet. Die Kurden, etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, werden wohl mehrheitlich für die Liste der Kurdischen Allianz stimmen. Mehrere sunnitische Geistliche und Parteien haben zum Boykott der Wahl aufgerufen.

Die Nationalversammlung wählt einen dreiköpfigen Präsidialrat, der einen Ministerpräsidenten beruft. Außerdem erstellt sie eine neue Verfassung, zu der im Oktober eine Volksabstimmung geplant ist.

Ap, Reuters / Reuters
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