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Wahl in Pakistan: Musharraf erkennt Niederlage an

Endgültige Zahlen gibt es noch nicht, aber die Tendenz ist eindeutig: Bei den Parlamentswahlen in Pakistan zeichnet sich eine Niederlage der Muslim-Partei ab, der auch Präsident Pervez Musharraf angehört. Die hat bereits angekündigt, auf die Oppositionsbänke zu wechseln.

Die Parlamentswahl in Pakistan wurde zum Triumph der Opposition. Nach vorläufigen Prognosen gewann sie mit mindestens 139 von 272 Mandaten die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung. Die bisherige Regierungspartei von Präsident Pervez Musharraf (PML-Q) räumte ihre Niederlage ein. "Wir akzeptieren die Ergebnisse mit offenem Herzen und gehen auf die Oppositionsbänke", sagte Parteichef Chaudhry Shujaat Hussain der Nachrichtenagentur APTN.

Nach inoffiziellen Ergebnissen aus 229 Wahlkreisen entfielen auf die Pakistanische Volkspartei (PPP) der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto 33,1 Prozent der Stimmen, wie der Privatsender "Geo TV" berichtet. Die Pakistanische Muslimliga (PML-N) des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif kam demnach auf 27,5 Prozent. Musharrafs PML-Q lag mit 14,4 Prozent abgeschlagen auf Platz drei. Laut ersten Ergebnissen der Wahlkommission aus 124 Wahlkreisen lag die PML-N mit etwa 30 Prozent vor der PPP mit 26,6 Prozent. Die PML-Q kam lediglich auf 12,1 Prozent.

Beobachter schlossen nicht aus, dass die beiden großen Oppositionsparteien zusammen mit kleineren Gruppierungen über eine Zwei-Drittel-Mehrheit im künftigen Parlament verfügen könnten. Dies würde die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Musharraf ermöglichen. Vor allem Exministerpräsident Sharif hat dies stets propagiert. Sein Parteisprecher Sadiq ul Farooq sagte jetzt erneut: "Musharraf muss gehen." Vor allem das Problem des Terrorismus sei zu 70 Prozent von Musharraf zu verantworten. Sharif hat sich für einen Dialog mit den Extremisten im Nordwesten des Landes ausgesprochen. Die Wahl galt als Abstimmung über die Politik Musharrafs, der im Konflikt mit der Opposition und der kritischen Justiz Ende vergangenen Jahres den Ausnahmezustand ausgerufen hatte.

Während die Auszählung der Stimmen noch andauerte, rief der Präsident zu nationaler Einheit auf und erklärte sich abermals bereit, mit jedem künftigen Ministerpräsidenten zusammenzuarbeiten. Bei Anschlägen und anderen Gewalttaten am Wahltag kamen nach amtlichen Angaben mindestens 24 Menschen ums Leben. Millionen Stimmberechtigte blieben aus Angst oder politischer Apathie zu Hause. Die Wahlbeteiligung wurde auf 30 bis 40 Prozent geschätzt.

Matthew Pennington/AP / AP