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USA wollen Bin-Laden-Witwen vernehmen Pakistan dementiert Verhör-Erlaubnis


Pakistan hat einen Medienbericht dementiert, nach dem das Land den USA erlaubt, die Witwen des getöteten Osama bin Laden direkt zu befragen. Die USA hätten noch keinen Antrag gestellt, sagte ein Staatssekretär. Derweil berichtet der "Guardian" über ein brisantes Geheimabkommen zwischen beiden Ländern.

Die pakistanische Regierung hat einen US-Medienbericht dementiert, wonach sie amerikanischen Terrorfahndern direkten Zugang zu den drei Witwen des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden gewähren will. "Die USA haben bislang nicht offiziell beantragt, Zugang zu bin Ladens Witwen zu bekommen", sagte Außen-Staatssekretär Salman Bashir am Dienstag in Islamabad. "Wir werden das Thema erwägen, wenn sie einen formalen Antrag stellen."

Zuvor hatte der US-Sender CBS berichtet, US-Beamte dürften die Frauen persönlich vernehmen und nicht nur Fragen bei den pakistanischen Behörden einreichen. Der Sprecher der US-Botschaft in Islamabad, Alberto Rodriguez, sagte auf Anfrage, er wisse nicht, ob die US-Behörden einen entsprechenden Antrag gestellt hätten. "Ich habe auch die Medienberichte gesehen, habe aber keine Informationen."

Der britische "Guardian" berichtete am Montagabend in seiner Online-Ausgabe über eine geheime Absprache zwischen dem früheren US-Präsidenten George W. Bush und Pakistans Ex-Militärmachthaber Pervez Musharraf nach der Flucht bin Ladens aus Afghanistan Ende 2001. Der Vereinbarung zufolge hätten die USA das Recht gehabt, den Topterroristen und die Nummer zwei und drei der al Kaida in Pakistan eigenmächtig zu verfolgen, schrieb das Blatt unter Berufung auf ungenannte amerikanische und pakistanische Quellen. Teil der Absprache sei gewesen, dass die pakistanische Regierung nach einer entsprechenden Operation vehement dagegen protestieren würde. Pakistans Premierminister Yousaf Raza Gilani hatte am Montagabend vor dem Parlament kritisiert, dass die US-Operation ohne Rücksprache mit den Pakistanern abgelaufen sei.

Frauen sollen in ihre Heimatländer geschickt werden

Zwei der Frauen bin Ladens stammen nach pakistanischen Angaben aus Saudi-Arabien, die dritte aus dem Jemen. Sie waren während der Erstürmung von bin Ladens Anwesen im nordwestpakistanischen Abbottabad vor gut einer Woche festgenommen worden und befinden sich in pakistanischem Gewahrsam. Die Regierung in Islamabad bemüht sich, die Witwen und ihre Kinder in ihre Heimatländer zurückzuführen.

Die "Yemen Times" hatte am Samstag unter Berufung auf die pakistanische Botschaft berichtet, die jemenitische Witwe solle zurück in ihre Heimat geschickt werden, sobald die Befragungen vorüber seien. Pakistanische Medien hatten berichtet, Innenminister Rehman Malik habe die Rückführung der saudischen Frauen und Kinder mit Regierungsvertretern bei seinem Besuch in Riad in der vergangenen Woche besprochen. Die Regierung bestätigte die Berichte nicht. Das Außenministerium hatte bislang lediglich mitgeteilt, dass sich kein Land gemeldet habe, dass die Witwen und Kinder aufnehmen wolle.

"Alle Geheimdienste haben versagt"

US-Präsident Barack Obama will endlich wissen, wer die Helfer von bin Laden in Pakistan waren. "Wir glauben, dass es ein Unterstützernetzwerk für bin Laden in Pakistan gegeben hat", erklärte er am Sonntagabend (Ortszeit) in einem Fernsehinterview. Pakistans Premierminister Yousaf Raza Gilani räumte Fehler ein. Die Sicherheitsbehörden hätten es nicht vermocht, den Aufenthaltsort bin Ladens in der Garnisonsstadt Abbottabad ausfindig zu machen, sagte Gilani am Montag. "Aber das ist nicht nur unser eigenes Versagen, sondern das Versagen aller Geheimdienste dieser Welt."

Das Haus in Abbottabad sei nach bisherigen Kenntnissen eigens zu dem Zweck gebaut und abgesichert worden, um bin Laden dort zu verstecken. Unklar sei, ob bin Ladens Helfer aus dem Kreis der pakistanischen Regierung stammten, hieß es in dem Interview des Senders CBS. "Das ist etwas, was wir untersuchen müssen, und noch wichtiger: was die pakistanische Regierung untersuchen muss." Islamabad habe signalisiert, an der Aufklärung ein starkes Interesse zu haben. Dies sei jedoch keine Frage von drei oder vier Tagen. "Es wird uns einige Zeit kosten, die Geheiminformationen auszuwerten, die wir vor Ort sammeln konnten", sagte Obama.

Obama bestand nach einem Bericht der "New York Times" darauf, dass das Spezialkommando, das bin Laden tötete, groß genug war, um sich zur Not den Weg aus Pakistan freikämpfen zu können. Dies schrieb das Blatt unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte und Militärs am Montag online. Sie sollten jede Konfrontation mit pakistanischen Sicherheitskräften vermeiden. Aber wenn sie hätten zurückschießen müssen, um herauszukommen, hatten sie die Erlaubnis dazu.

Pakistan warnt die USA

Pakistans Premier Gilani wies Spekulationen über eine mögliche Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes ISI oder anderer Stellen zurück. ISI und Armeeführung hätten das volle Vertrauen und die Unterstützung der Regierung, sagte der Premier. Zudem habe der Kampf gegen den Terrorismus "nationale Priorität".

Vor dem Parlament kritisierte der Premier, dass die US-Aktion ohne Rücksprache mit den Pakistanern abgelaufen sei. Damit hätten die USA die staatliche Souveränität seines Landes verletzt. Gleichzeitig warnte er vor weiteren Alleingänge dieser Art. Sollten strategisch wichtige Einrichtungen (wie etwa die Atomanlagen) ins Visier geraten, habe Pakistan das Recht, "mit aller Macht zurückzuschlagen". "Niemand sollte die Entschlossenheit und die Fähigkeiten der Nation und der Streitkräfte unterschätzen, unsere Heimat zu verteidigen", so Gilani.

mlr/DPA DPA

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