Wahlen in Ägypten Erschossen beim Gang zur Urne


Die Wahlen in Ägypten werden von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und rivalisierenden Anhängern der führenden Parteien beherrscht. Überraschend erfolgreich: die offiziell verbotene Muslimbruderschaft.

Bereitschaftspolizisten haben bei der letzten Phase der Wahlen in Ägypten den Zugang zu Wahllokalen beschränkt und sich teilweise Gefechte mit Wahlwilligen geliefert.

Vor einem Wahllokal in Kafr el-Sheikh, das die Polizisten blockierten, wurde ein Mann erschossen. Es war der dritte Tote während der Wahlen. Vertreter von Menschenrechtsgruppen sagten, Polizisten hätten den Mann erschossen. Die Behörden dementierten dies.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern rivalisierender Parteien wurden hunderte verletzt. Die meisten Auseinandersetzungen lieferten sich Anhänger der herrschenden National Demokratischen Partei (NDP) von Präsident Husni Mubarak mit Muslimbrüdern, die unter dem Slogan "Der Islam ist die Lösung" antreten.

Blutige Auseinandersetzungen

Bei einer mit Messern ausgetragenen Auseinandersetzung starb am Donnerstag in der Ortschaft Baltim im Norden des Landes ein Mann, Dutzende wurden verletzt, bestätigte das Innenministerium. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, der etwa 30-Jährige sei von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden. Rund 300 Menschen wurden in Baltim sowie in anderen Orten der Provinz Kasr al-Scheich verletzt.

Die Polizei setzte vielerorts Tränengas und Gummigeschosse ein, um Anhänger der NDP und Muslimbrüder auseinander zu treiben. Die Opposition beschuldigte die Polizei, Wahllokale in Bezirken, in denen ihre Kandidaten gute Chancen hätten, abgesperrt und Wähler vom Gang zur Urne abgehalten zu haben.

Bereits bei den beiden vorangegangen Etappen der Wahl waren ein Mensch ums Leben gekommen und hunderte andere verletzt worden. Mit der Begründung, Ausschreitungen verhindern zu wollen, wurden in den vergangenen Wochen hunderte Muslimbrüder inhaftiert.

Offiziell verbotene Partei wird zweitstärkste Kraft

Trotz zahlreicher Einschränkungen hat die fundamentalistisch-islamische Muslimbruderschaft ihre Sitze im Parlament bisher mehr als verfünffachen können. Nach den ersten beiden Wahletappen zeichnet sich ab, dass die offiziell verbotene Partei, deren Kandidaten als Unabhängige antreten, im neuen Parlament zweitstärkste Kraft hinter der NDP wird. Die Wahlen enden mit Stichwahlen, das Endergebnis wird für Mitte des Monats erwartet.

Vertreter der Bruderschaft warfen der Regierung der Nationaldemokratischen Partei (NDP) vor, den Gewinn weiterer Sitze verhindern zu wollen. Rund 730 Aktivisten der Moslembruderschaft seien in den vergangenen drei Tagen festgenommen worden. Die Moslembruderschaft hat in den vorangegangenen Wahlphasen 76 von 444 Parlamentssitzen gewonnen, die NDP 214. Während der letzten zweitägigen Wahlphase entscheiden die Wähler über die übrigen 136 Abgeordnetensitze.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker