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Wahlkampf in den USA Obama bringt seine Geschütze in Stellung


Während die US-Republikaner noch nicht einmal einen Kandidaten haben, läuft sich die gefürchtete Wahlkampfmaschine Barack Obamas warm - inklusive einem Klinkenputz-Programm, das seinesgleichen sucht.
Von Nora Schmitt-Sausen

Romney oder Santorum? Santorum oder Romney? Oder gar doch noch Sarah Palin? Das unwürdige Geschacher um die republikanische Präsidentschaftskandidatur treibt inzwischen eine ganze Nation in den Wahnsinn. Einer könnte aus der Posse als lachender Sieger hervorgehen: Präsident Barack Obama. Lange kratzten die schwache US-Konjunktur und eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit stark am Image des einstigen Hoffnungsträgers. Für viele Demoskopen war Obamas Abwahl eine sichere Sache.

Doch nun wendet sich das Blatt. Während sich die Republikaner in ihrem Ausscheidungskampf gegenseitig zerfleischen, gewinnt Obama die Gunst der Amerikaner zurück. Seine Umfragewerte steigen. Statt Zeit und Geld mit Attacken zu verschwenden, konzentriert sich der Präsident auf das Wesentliche: Er legt in aller Ruhe den Grundstein für die heiße Wahlkampfzeit im Herbst. Obama bereitet den direkten Schlagabtausch mit den Konservativen so akribisch vor wie ein Chirurg eine Herz-OP.

Schon jetzt unterhält der Demokrat einen Kampagnenapparat, der seinesgleichen sucht. Auf der Gehaltsliste von Obama stehen weit mehr als 300 hauptamtliche Wahlkämpfer, dazu kommen zigtausende, die sich freiwillig für den Präsidenten engagieren. Anstatt wie die Republikaner rastlos von Bundesland zu Bundesland zu hecheln, operiert Obamas Team kontinuierlich im ganzen Land. Der Präsident betreibt Wahlkampfbüros in allen 50 Bundesstaaten.

"Wir wollen die beste Graswurzel-Kampagne führen"

Bei der vielbeachteten Auftaktwahl der Republikaner in Iowa konnte es gar passieren, dass die Einwohner häufiger Obamas Leute am Telefon hatten als Mitarbeiter von einem der republikanischen Kandidaten. So stark ist die Präsenz des Präsidenten vor Ort. Und auch in Ohio, dem von Romney und Santorum so hart umkämpften Swing State, hatte Obama seine Geschütze längst in Stellung gebracht. Aus zehn Büros heraus organisieren Mitarbeiter und Freiwillige seiner Graswurzel-Bewegung seit Monaten lokale Wahlkampfveranstaltungen und gehen bei Hausbesuchen auf Stimmenfang. Nach eigenen Angaben kann das Team-Ohio bereits jetzt 650.000 direkte Wählerkontakte auf seinem Konto verbuchen.

Obama, der mit seiner ausgetüftelten Wahlkampfstrategie in 2008 zunächst Favoritin Hillary Clinton und später den Republikaner John McCain hinter sich ließ, will auch in diesem Wahlkampf für Furore sorgen. Den widrigen Umständen mit schwacher Wirtschaft und hoher Arbeitslosigkeit zum Trotz. "Wir haben ein einfaches Ziel", gibt Obamas Wahlkampf-Manager Jim Messina eine vollmundige Parole aus. "Wir wollen die beste Graswurzel-Kampagne in der modernen amerikanischen Polit-Geschichte führen."

Obama ist auf allen Kanälen präsent

Ganz zeitgemäß ist das Internet Obamas liebstes Mittel für die Wähleransprache. Ob Facebook, Twitter, <linkkextern adr="http://www.youtube.com/user/BarackObamadotcom?ob=4&feature=results_main">YouTube, Foursquare oder Google Plus - der Präsident bedient die gesamte Klaviatur. Auch damit ist er der konservativen Konkurrenz einen großen Schritt voraus. Obama zeigt sich den Amerikanern mal aus der Facebook-Zentrale oder winkt im Google-Chat in die Web-Kamera.

Und er setzt noch einen drauf: Unlängst hat sein Team ein eigenes Büro eröffnet, dass sich in den kommenden Monaten um nichts anderes kümmern wird als um Obamas Online-Präsenz. Die Aufmerksamkeit im Netz ist dem Präsidenten sicher: Allein auf Facebook folgen ihm 25 Millionen Menschen, auf Twitter sind es zwölf Millionen.

1,3 Millionen Amerikaner haben bereits gespendet

Wie kein Zweiter nutzt Obama das Internet auch für das Sammeln von Geld. In E-Mails oder Kurzvideo bittet er um Mini-Spenden in Höhe von zwei, fünf oder zehn Dollar. Mit dieser Methode hatte er im Jahr 2008 bereits großen Erfolg gehabt. Obama sammelte damals die Rekordsumme von 750 Millionen Dollar ein.

Dass Obama auch in diesem Jahr sein Handwerk versteht, belegt der Blick auf seinen prall gefüllten Wahlkampf-Geldsack. Seit der Präsident im April des vergangenen Jahres seine erneute Kandidatur bekannt gegeben hat, klingelt es in der Kasse. Mehr als 150 Millionen Dollar hat der Demokrat bislang eingestrichen. 1,3 Millionen Amerikaner haben bereits für Obamas Wahlkampf gespendet.

Mehr Geldsammeltermine als George W. Bush

Doch das Geld des Durchschnitt-Amerikaners allein wird in diesem Jahr nicht reichen, um die Multi-Millionen-Dollar-Schlacht mit den Republikanern zu gewinnen. Und so absolviert Obama zwischen dem Feilschen um den US-Haushalt, Debatten um den Atomstreit mit dem Iran und Staatsempfängen bereits jetzt ein beachtliches Klinken-Putzen-Programm.

Kürzlich führte ihn ein "money run" an die Westküste der USA, nach Kalifornien. Wohlbetuchte Gönner legten bis zu 35.000 Dollar auf den Tisch, um bei einem Frühstück einige Stunden mit Obama zu verbringen. Laut US-Medienberichten hat Obama schon zum jetzigen Zeitpunkt 100 Fundraising-Events besucht. Das sind mehr als George W. Bush im gesamten Wahlkampf 2004 absolviert hat.

Der Präsident Obama ist in den drei Jahren seit seinem Amtsantritt tief gefallen. Doch der Wahlkämpfer Obama ist gefürchtet. Wer auch immer gegen ihn antreten wird, der Herausforderer des Präsidenten muss sich wappnen. Die eigentliche Schlacht steht dem republikanischen Kandidaten erst noch bevor.


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