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Wahlkampf in den USA: Obama heizt Romney im Job-Streit ein

Welche Rolle spielte Mitt Romney bei der Investmentfirma Bain Capital? Hat er Jobs ins Ausland verlagert? US-Präsident Barack Obama verlangt Antworten von seinem Herausforderer - der keilt zurück.

Knapp vier Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA spitzt sich die Debatte um die Verantwortung für den Verlust von Arbeitsplätzen zu. Amtsinhaber Barack Obama forderte seinen designierten Herausforderer Mitt Romney auf, Fragen über seine Zeit bei der Firma Bain Capital nach 1999 zu beantworten, als Jobs ins Ausland verlagert wurden. Demokraten und Republikaner streiten zudem über Steuererhöhungen.

Medienberichten zufolge soll Romney das von ihm gegründete Unternehmen Bain Capital erst im Jahr 2002 verlassen haben - drei Jahre später als er öffentlich behauptet hatte. Das Datum könnte deshalb eine Rolle spielen, weil Bain Capital in Firmen investiert haben soll, die nach 1999 Jobs ins Ausland verlagerten. Obamas Unterstützer wollen Romney nun als Vernichter von Arbeitsplätzen darstellen.

"Man ist verantwortlich für seine Handlungen"

In mehreren Interviews wehrte sich Romney am Freitag (Ortszeit) gegen die Vorwürfe. Nach Februar 1999 habe er "absolut keine Rolle" mehr bei Bain Capital gespielt, sagte der Multimillionär dem Fernsehsender CNN. Es gebe einen "Unterschied" zwischen Aktionär und Geschäftsführer des von ihm gegründeten Unternehmens. Die Behauptungen des Obama-Lagers seien "falsch, irreführend und verquer". Dem Sender ABC News sagte Romney, Obama müsse sich "für die Art von Attacken seines Teams entschuldigen".

Obama forderte gegenüber dem Sender WJLA, Romney müsse möglichst schnell auf die Fragen antworten. Romney wolle Präsident werden und "eine der Sachen, die man lernt, ist, dass man verantwortlich ist für seine Handlungen", sagte Obama.

Demokraten stellen Romney als "Heuschrecke" dar

Romney weigert sich bislang, seine Einkünfte vor 2010 offenzulegen und Auskunft über sein Vermögen im Ausland zu geben. Anfang Juli hatte das Magazin "Vanity Fair" berichtet, dass Romney mit Hilfe von Bain Capital ein auf rund 250 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) geschätztes Vermögen angehäuft haben soll. Romneys Reichtum kommt im Wahlkampf immer wieder zur Sprache, und Obama versucht, seinen Herausforderer als weit entfernt vom Normalbürger darzustellen. In Fernseh-Werbespots der Demokraten, die vor allem in den wichtigen sogenannten Swing States laufen, wird Romney als "Heuschrecke" dargestellt, weil er mit Bain Capital durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland selbst zu Reichtum gekommen sein soll. Romney dagegen stellt seine Erfahrungen in der Privatwirtschaft in den Vordergrund, um sich somit als qualifiziert für die Beschaffung von Jobs zu präsentieren.

Steuererleichterungen sollen bleiben

Obama forderte den Kongress am Samstag zudem zu einer Verlängerung der derzeit geltenden Steuererleichterungen für die Mehrheit der Bürger auf. "Nach meinem Plan werden 98 Prozent der US-Familien keine Einkommensteuererhöhung erfahren", sagte er in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. Die reichsten zwei Prozent, deren Einkommen über 250.000 Dollar betrage, sollten dagegen mehr Steuern zahlen und damit den Steuersatz, der bereits unter Ex-Präsident Bill Clinton gegolten habe.

Die unter dem ehemaligen Präsident George W. Bush eingeführten und von Obama verlängerten Steuererleichterungen laufen im Januar aus. Während sich der Demokrat Obama für höhere Steuern für Reiche ausspricht, fürchten die Republikaner, dass damit die fragile wirtschaftliche Erholung der USA gefährdet wird.

mad/AFP / AFP
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