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Golfemirat: Abschied von der Opec: Warum Katar nicht mehr Mitglied im Ölkartell sein will

Katar ist nicht bereit, im Streit mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten klein beizugeben. Jetzt sorgt das Emirat mit dem Austritt aus dem Ölkartell Opec für Aufregung.

Saad al-Kaabi

Katars Energieminister Saad al-Kaabi

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Mehr als 50 Jahre lang war Katar Mitglied des mächtigen Ölkartells Opec. Dort standen immer geschäftliche Interessen über dem politischen Streit. Doch damit wird im Januar 2019 Schluss sein: In einem überraschenden Schritt hat Katar seinen Ausstieg aus der Organisation Erdöl exportierender Länder angekündigt.

Stattdessen will sich das Golfemirat künftig noch stärker auf seine Rolle als Weltmarktführer beim Export von Flüssiggas (LNG) konzentrieren, wie Energieminister Saad al Kaabi sagte. Mit dem diplomatischen Zwist mit dem größten Opec-Produzenten Saudi-Arabien habe der Schritt hingegen "nichts zu tun". Die Entscheidung folge aus rein geschäftlichen Interessen.

Katars Mitgliedschaft in der Opec werde bereits im Januar 2019 enden, kündigte al Kaabi in Doha an. Die Organisation wurde nach seinen Angaben am Montagmorgen kurz vor der Bekanntgabe über die Entscheidung informiert.

Katar ist der weltweit größte Flüssiggas-Exporteur

Zwar werde Katar weiter Erdöl produzieren, kündigte al Kaabi an. Dort gebe es allerdings kein großes Potenzial. "Wir sind sehr realistisch", sagte der Minister. "Unser Potenzial ist Gas." Katar ist der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas (LNG) und macht sich auch für den Bau eines LNG-Terminals in Deutschland stark.

Al Kaabi zufolge will Katar die Gasförderung bis spätestens 2024 von jährlich 77 Millionen Tonnen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen. Das Gas stammt vom South-Pars-Feld vor der Küste des Emirats, dem größten Gasfeld der Welt. Das Golf-Emirat liefert dem Weltmarkt rund 30 Prozent der Gesamtmenge.

Die Opec diente auch dem diplomatischen Austausch

Katar ist seit 1961 Mitglied des Ölkartells Opec. Dort gibt aber der Rivale Saudi-Arabien den Ton an. Das Königshaus in Riad sowie seine Verbündeten Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten im Sommer 2017 ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie verhängten eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den Golfstaat. Sie werfen Katar vor, "Terrorismus" zu unterstützen und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran - dem Erzfeind Saudi-Arabiens - zu pflegen. Doha weist die Vorwürfe zurück.

Das Emirat nahm nur noch eine kleine Rolle im Ölkartell ein. Seine Produktion fuhr es schrittweise zurück und liegt mit 600.000 Barrel pro Tag nur auf Rang 17 der größten Rohölproduzenten. Es sei "ineffizient, sich auf etwas zu konzentrieren, das nicht dein Kerngeschäft ist und das dir langfristig nicht nutzen wird", sagte Minister al Kaabi. 

Doch mit der Entscheidung des Golfstaates, sich zurückzuziehen, gehe auch ein politisches Risiko einher, urteilen Experten laut dem Sender Bloomberg. So waren die Opec-Treffen die letzte Gelegenheiten für die verfeindeten Mitglieder, sich auszutauschen.

sos / AFP / DPA
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