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Weder Krieg noch Frieden 60 Jahre koreanischer Waffenstillstand


Die koreanische Halbinsel gilt als letzte Bastion des Kalten Kriegs. 60 Jahre nach dem Ende ihres Bruderkriegs stehen sich Soldaten Süd- und Nordkoreas bis an die Zähne bewaffnet feindlich gegenüber.

Für Generalmajor Urs Gerber steht der Dienst, den die Soldaten der Schweizer Armee an der innerkoreanischen Grenze verrichten, außer Zweifel. "Wir bleiben hier, solange man dies wünscht." Seit 60 Jahren sind Soldaten aus der Schweiz wie Gerber und Schweden an der wohl gefährlichsten Grenze der Welt stationiert. Ihre Aufgabe: Als Mitglieder der Überwachungskommission neutraler Staaten (NNSC) sollen sie dafür sorgen, dass die Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens von 1953 eingehalten werden, mit dem der dreijährige Korea-Krieg beendet wurde. Der 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens fällt auf den 27. Juli.

Es ist keine einfache Mission für die Kommission. Für den Einsatz der beiden europäischen Länder ist ein Ritual symbolisch, das sich jeden Dienstag im sogenannten Waffenstillstandsdorf Panmunjom an der Grenze wiederholt: Die jeweils fünf schweizerischen und schwedischen Mitglieder kommen zu Routinebesprechungen zusammen. Viel Neues gibt es in der Regel nicht zu erörtern. Doch nach der Sitzung wirft ein Vertreter das Sitzungsprotokoll in einen hinter einer Tür verborgenen Briefkasten, der mit "Koreanische Volksarmee" markiert ist.

Schweizer und Schweden überwachen Waffenstillstand

Doch die Post wird nicht abgeholt, es bleibt bei Bemühungen um Kommunikation mit Nordkorea. "Seit 1995 wird der Briefkasten nicht mehr geleert", sagt Gerber vor einer deutschen Besuchergruppe in Panmunjom. "Der Nordkoreaner bezeichnet uns als Geisterorganisation."

Doch zeigen die Schweizer und Schweden mit der wöchentlichen Aktion dem Norden, dass sie ihre Aufgabe zur Überwachung des Waffenstillstands auf südkoreanischer Seite ernst nehmen. Zum anderen wird jedoch auch die unsichere Situation auf der Halbinsel deutlich. Weil es seit dem Kriegsende keinen Friedensvertrag gibt, herrscht auf der Halbinsel völkerrechtlich nach wie vor Kriegszustand. Über eine Million Soldaten aus Süd- und Nordkorea stehen sich am 38. Breitengrad gegenüber - nur getrennt von einer vier Kilometer breiten Pufferzone.

Südkorea wirft Nordkorea vor, das Waffenstillstandsabkommen seit Jahren systematisch zu torpedieren. Ziel des kommunistischen Regimes in Pjöngjang ist es, das von ihm selbst als "nutzloses Stück Papier" bezeichnete Dokument durch einen Friedensvertrag mit den USA zu ersetzen. Ein solcher Vertrag würde die US-Truppenpräsenz in Südkorea aus Sicht Pjöngjangs überflüssig machen. Die USA und Südkorea verlangen jedoch von Nordkorea konkrete Schritte zum Abbau seines Atomwaffenarsenals, um den Weg zu einer neuen Friedensordnung freizumachen.

Dauerkonflikt um das nordkoreanische Atomprogramm

Erst durch massiven Einsatz von Uno-Truppen aus 16 Ländern konnten die nordkoreanischen Verbände zurückgeschlagen werden, die im Juni 1950 unerwartet in den Süden eingefallen waren. Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand zogen sich über fast zwei Jahre hin. Wie brüchig der Waffenstillstand nach wie vor ist, haben die vielen militärischen Grenzzwischenfälle in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gemacht. Beide Seiten werfen sich gegenseitig unzählige Verletzungen des Waffenstillstands vor.

Noch im März hatte Nordkorea das Abkommen aufgekündigt - wenn auch nicht zum ersten Mal. Der Dauerkonflikt um das nordkoreanische Atomprogramm hatte sich seit dem dritten Nukleartest des Landes zugespitzt. Zuletzt hatte Pjöngjang jedoch wieder Entspannungssignale ausgesendet.

Zum ersten Mal will Südkorea nun den Jahrestag der Unterzeichnung mit einer nationalen Gedenkzeremonie begehen. Man wolle den alliierten Nationen Dankbarkeit zeigen und die Freundschaft zu den Ländern festigen, erläutert das Ministerium für Patrioten und Veteranen-Angelegenheiten. Zudem sei es wohl die letzte Chance für etwa 200.000 südkoreanische Kriegsveteranen, an einer solchen Zeremonie teilzunehmen, sagte der Leiter des Büros für Veteranen-Politik, Park Jong Wang. Ihr Alter liege im Schnitt bei 82 Jahren.

ds/Dirk Godder, DPA DPA

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