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James D. Melville: Warum Donald Trump es einem US-Botschafter unmöglich macht, sein Land weiter zu vertreten

Es ist ein eindringlicher Gastbeitrag in der "Washington Post". Dies vor allem, weil er ohne verbales Poltern auskommt. Ein früherer US-Botschafter beschreibt, warum er Trumps Politik für falsch hält und weshalb er die USA nicht mehr vertreten kann.

Ex-Botschafter der USA in Estland, James Melville Jr., bricht mit der Politik von Donald Trump

Konnte als US-Botschafter die Politik von Donald Trump nicht länger vertreten: James D. Melville Jr.

James D. "Jim" Melville Jr. hat sein Land 33 Jahre lang mit Überzeugung und Engagement im Ausland vertreten - von 2012 bis 2015 als stellvertretender Leiter der US-Botschaft auch in Berlin. Höhepunkt seiner Karriere war sicherlich, als er vom damaligen Präsidenten Barack Obama 2015 zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Estland ernannt wurde. Das blieb er bis zum 29. Juni. An diesem Tag trat Melville als US-Botschafter in Tallinn zurück. Sein Grund: Er kann weder US-Präsident Donald Trump noch die Außenpolitik seiner Regierung weiter vertreten.

Melville war Professionalität immer wichtig, schreibt der Diplomat in einem Gastbeitrag in der "Washington Post". Deshalb habe er seine Gründe, warum er sich vom Dienst für sein Land abgewendet hat, auch erst jetzt öffentlich gemacht. Melville ist inzwischen komplett aus dem Foreign Service ausgeschieden. "Jetzt kann ich als Bürger für mich selbst sprechen", schreibt Melville, "und ich möchte meine Stimme für eine Politik erheben, die mehr im Einklang mit unserer Geschichte, unseren Werten und dem globalen Wohl steht."

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"America First ist eine Farce"

Die Politik des aktuellen Präsidenten tut dies nach Ansicht Melvilles nicht. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit der Handelspolitik, die die Vereinigten Staaten verfolgen. Ich halte es auch für einen historischen Fehler, sich derart dem russischen Präsidenten Wladimir Putin anzunähern", schreibt der erfahrene Diplomat. Diese Annäherung auf der einen Seite und die Politik und Rhetorik gegenüber der Nato und den europäischen Alliierten habe es ihm letztlich unmöglich gemacht, den Präsidenten weiter zu unterstützen.

Melville zitiert ein altes Sprichwort: "Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit gehen willst, geh zusammen." Nach dieser Maxime hätten die USA in den vergangenen Jahrzehnten eine Welt mit aufgebaut, die - bei allen Problemen, die es weiterhin zu lösen gelte - in weiten Teilen friedlich und wohlhabend sei. "Es solle keine Frage sein, dass wir effektiver und leistungsfähiger sind, wenn wir mit unseren Verbündeten und Parteien zusammenarbeiten", so Melville. Und dann nimmt er das Auftreten von Donald Trump direkt aufs Korn: "Arroganz steht uns nicht gut. 'America First' ist eine Farce."

Donald Trump: Nähe zu Russland "historischer Fehler"

Melville macht zudem deutlich, was ihm an Trumps Politik besonders große Sorgen bereitet. Da ist vor allem die Nähe zu Putin. "Russland und seine korrupte, autoritäre Regierung sind eine Bedrohung für die auf Regeln fußende Ordnung und die grundlegenden Werte und Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten." Während Trump Putin und andere autoritäre Herrscher hofiere, verunglimpfe er die Verbündeten. So zu führen, sei keine Art. "Es brachte mich in Tallinn in eine unhaltbare Position, wann immer ich als Missionschef gebeten wurde, unsere Absichten zu erklären", erinnert sich Melville an manch unangenehmen Moment als Botschafter in Estland. Dabei setzt der baltische Staat - als frühere Sowjetrepublik direkt an der Grenze zu Russland gelegen - nicht zuletzt auf die USA, wenn es darum geht, die eigene Sicherheit zu garantieren.

"Ich hatte keine andere Wahl als zurückzutreten", resümiert Melville in der "Washington Post". Er habe kein Verständnis für jene, die im Staatsdienst blieben, um die Politik der Regierung zu torpedieren oder Anweisungen zu ignorieren. Melville bezieht dies ausdrücklich auch auf den anonymen Beitrag in der "New York Times", in dem ein nicht genannter ranghoher Mitarbeiter im Weißen Haus beschreibt, wie einige "erwachsene Leute" im Stab von Donald Trump angeblich das Allerschlimmste verhindern. "Dieses Vorgehen ist nicht integer und es erscheint mir feige zu sein", sagt Melville. Er hoffe stattdessen "so viele ehrgeizige, kluge junge Leute wie möglich davon zu überzeugen, dass ein Leben im Dienst für ihr Land ein wunderbarer Weg ist, einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten." Allerdings: Nach Lesart Melvilles darf der Präsident dann wohl kein Trump sein.

dho/fin