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Der Fall Katie Walsh: Erledigen rechte Newsseiten die Drecksarbeit für das Weiße Haus?

Katie Walsh hat das Weiße Haus verlassen. Offiziell freiwillig. Angeblich aber wurde die Vize-Stabchefin als einer der Maulwürfe in Washington enttarnt, wie rechte Newsseiten stolz behaupten. Doch möglicherweise wurde sie Opfer einer profanen Intrige.

Katie Walsh

Ex-Vize-Stabschefin Katie Walsh mit Donald Trumps Pressesprecher Sean Spicer

Warum musste Michael Flynn nach nicht einmal vier Wochen im Amt gehen? Weil der Nationale Sicherheitsberater Kontakte zu einem russischen Botschafter unterhielt? Oder weil öffentlich bekannt wurde, dass er Kontakte zu einem russischen Botschafter unterhielt? Donald Trump glaubt an letzteres. Seiner Ansicht nach sind weniger die dubiosen Treffen seines Top-Generals das Problem, sondern vielmehr die Durchstechereien solcher Informationen aus dem Weißen Haus an die Presse. "Wir müssen die undichten Stellen finden, sie sind schon seit Jahren ein Problem in Washington", twitterte er einmal. Eines dieser Lecks ist möglichweise nun entdeckt und gestopft worden. Zumindest behauptet das ein ultrarechter Aktivist.

Ist Katie Walsh eine Verräterin?

Vor einigen Tagen verließ eine gewisse Katie Walsh das Team des US-Präsidenten. Die gerade einmal 32-Jährige ist einer dieser hochtalentierten politischen Strippenzieher und diente im Trump-Team zwei Monate lang als Vize-Stabschefin - einer der einflussreichsten Jobs im Weißen Haus. Künftig wird sie bei der Organisation "America First" arbeiten, die im Wesentlichen Basisarbeit für Donald Trump und seine politische Agenda macht. An sich ist diese Personalie für Außenstehende nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht der umstrittene Journalist Chuck Johnson behaupten würde, sie sei einer der "Verräter" im Weißen Haus, die ständig Interna an die Presse weitergeben würden.

Sollte seine Version stimmen, würde das etwas Licht auf die verborgenen wie verworrenen Machtkämpfe hinter den Kulissen werfen. Eine Rolle spielt die rechte wie umstrittene Newsseite "Breitbart", dessen ehemaliger Chef Stephen Bannon mittlerweile als wichtigster Berater von Donald Trump an den Hebeln der Macht sitzt. Die Seite berichtet, dass Katie Walsh nicht freiwillig ging, sondern gefeuert wurde. "Zwei unabhängige Quellen, die direkt mit der Personalie zu tun haben - eine innerhalb, eine außerhalb des Weißen Hauses - haben 'Breitbart' erzählt, dass Walsh verdächtigt wird, hinter den Leaks zu stecken, weshalb sie gehen musste." In dem Beitrag fällt auch der Name Chuck Johnson. Er sei es gewesen, der als erster über den Rausschmiss berichtet hatte.

Johnson ist schnell mit Behauptungen zur Stelle

Nicht ohne Stolz schrieb er auf einer seiner Seiten: "Katie Walsh wurde gefeuert. Einen Monat, nachdem ich enthüllt hatte, dass sie die 'New York Times' mit Informationen versorgt." Ob diese Darstellung zutrifft, ist aber unklar. Johnson, der in der US-Presse gern als "rechter Troll" oder "schlechtester Web-Journalist" bezeichnet wird, war in der Vergangenheit schon öfter damit aufgefallen, haltlose Unterstellungen in die Welt zu setzen. Unter anderem behauptet er, dass Barack Obama ein verkappter Homosexueller sei. Und George Zimmerman, der 2012 den schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hatte, sei einer der "anständigsten Männer", die Johnson je getroffen haben will.

Auch dieses Mal kommt seine Geschichte von der "Verräterin" Katie Walsh ohne Beweise daher. Die US-Seite "The Daily Beast" zitiert anonyme Mitarbeiter des Weißen Hauses mit den Worten, dass die Ex-Vize-Stabschefin von den Kollegen zwar durchaus skeptisch beäugt worden war, Johnsons Geschichte aber "weit hergeholt" gewesen sei.

Möglicherweise steckt hinter ihrem Rauswurf nicht nur die mögliche Enttarnung einer Geheimnisverräterin, sondern eiskalte Machtpolitik. Gespielt über die Bande (rechter) Publikationen wie "Breitbart". Denn Johnson und Stephen Bannon haben schon einmal ein unappetitliches Spiel zusammen bestritten. Vor der Wahl hatte er für eine Anti-Hillary-Clinton-Veranstaltung Vergewaltigungsopfer "besorgt", die die Präsidentschaftskandidatin Clinton beschuldigten, von der früheren Anwältin Clinton schlecht behandelt worden zu sein. Johnsons Website hatte die Frauen mit einem "Kopfgeld" in Höhe von 10.000 Dollar geködert.

Stephen Bannons Erfüllungsgehilfe?

Johnson scheint viel dafür zu tun, Trump und Bannon zur Seite zu springen, wann immer es nötig ist. Und da kommt wieder Katie Walsh ins Spiel. Sie und ihr direkter Vorgesetzter, der gemäßigte Republikaner und Stabschef Reince Priebus, empfindet Stephen Bannon als ernsthaften Gegner im Ringen um die Gunst von US-Präsident Donald Trump. Mit dem Weggang von Walsh wackelt Beobachtern zufolge auch der Stuhl des Büroleiters heftig. "Reince Priebus ist erledigt", notierte "Breitbart" nach der Walsh-Entlassung zufrieden.