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WELTFLÜCHTLINGSTAG: Brennpunkt Afrika - Kontinent der Flüchtlinge

Während jeder dritte Flüchtling aus Afghanistan kommt, gehört Deutschland hinter Pakistan und Iran zu den Ländern, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Etwa fünf Millionen irren allein auf dem schwarzen Kontinent umher.

Als das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) im Februar in Guinea seine dramatische Evakuierungsaktion ankündigte, rückten 250 000 von Guerillas und Armee eingekesselte Flüchtlinge im Süden des Landes für kurze Zeit in den Blickpunkt des Weltinteresses. Inzwischen sind die Hilferufe der Kinder aus dem Flüchtlingslager Katkama in der Öffentlichkeit wieder verstummt.

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- Flucht: Alltag für 21 Millionen Menschen

- Hintergrund: Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR)

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Seit Unterzeichnung der Flüchtlingskonvention der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) im Jahr 1969 erinnert zumindest einmal im Jahr der »Tag des afrikanischen Flüchtlings« an das Schicksal der Millionen Flüchtlinge auf dem Schwarzen Kontinent. »Auch wenn der 20. Juni in diesem Jahr erstmals zum «Weltflüchtlingstag» umgetauft wird, ändert das nicht, dass Afrika der Brennpunkt bleibt - der vergessene Brennpunkt«, sagt Dominic Bartsch, Sprecher des UNHCR in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

11 Millionen Flüchtlinge allein in Afrika

Mit dem Horn von Afrika und dem Gebiet der Großen Seen in Ostafrika umfasst sein Arbeitsgebiet das flächenmäßig größte Flüchtlingsterrain des Kontinents. Rund 3,6 der weltweit 11,7 Millionen Flüchtlinge, die das UNHCR Ende 2000 zählte, leben in Afrika. Konflikte wie der so genannte Religions-Krieg im Südsudan über den Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea bis zu Völkermorden in Burundi oder Ruanda prägen mit den von ihnen erzeugten Flüchtlingsströmen die Region. »Scheint ein Problem gelöst, tut sich an anderer Stelle das nächste auf«, sagt Bartsch, der positiv registriert, »wie die armen, angrenzenden Länder darauf reagieren«.

So ist ausgerechnet das wirtschaftlich schwache Tansania das Land, das den meisten Flüchtlingen des Kontinents Asyl gewährt. Das ostafrikanische Land, dessen Budget selbst zu 42 Prozent am Tropf internationaler Geber hängt, gewährt über einer halben Million Flüchtlingen aus Burundi, Ruanda und Kongo Unterschlupf. Die 526 000 Burunder, die vor den Massakern zwischen Hutu und Tutsi nach Tansania und Kongo flohen, sind die größte afrikanische Flüchtlingsgruppe.

»Auch wenn die Lager von der internationalen Gemeinschaft getragen werden, bleibt dem Gastland noch ein dicker Batzen, den es selbst draufzahlt«, sagt Bartsch. Das reiche von der Bereitstellung von Land über die Sicherung der Lager durch Militärs bis zum Personal für Krankenstationen und Schulen, die inzwischen zum Standard eines jeden Flüchtlingslagers des UNHCR gehören.

Arme Länder oft das bessere Vorbild

»An der Flüchtlings-Aufnahmebereitschaft dieser armen Länder könnte sich manches Land in Europa eine Scheibe abschneiden«, meint Bartsch. Sie resultiere einmal daraus, dass die Stammeszugehörigkeit häufig die kolonialen Grenzen überschreite. »Zum andern unterscheidet sich die OAU-Flüchtlingskonvention durch Großzügigkeit von der 1951 unterzeichneten UN-Konvention: Sie erweitert die ursprünglich individuelle Definition eines Flüchtlings auf ganze Völkergruppen.« Auf der anderen Seite beobachteten die UNHCR-Mitarbeiter, »dass in Afrika so gut wie kein Flüchtling dieses System missbraucht«. »Die Heimatverbundenheit ist in der Regel so groß, dass kein Flüchtling länger im Gastland bleibt als nötig.«

Zu den Erfolgsgeschichten der letzten zwölf Monate zählt etwa die begonnene Rückführung von 160 000 eritreischen Flüchtlingen, die seit Mitte der sechziger Jahre Asyl im Sudan fanden. Doch schon drohen die nächsten heraufziehenden Katastrophen: Internationale Geheimdienste beobachten mit Sorge, wie bis zu 15 000 bewaffnete Hutu-Milizkämpfer aus dem im Friedensprozess begriffenen Kongo nach Burundi ziehen. »Wir können nicht ausschließen, dass es dort schon bald zum nächsten Völkermord und damit verbunden zu einem massiven Flüchtlingsstrom kommt«, sagt der UNHCR-Sprecher. Seine Organisation richtet sich bereits darauf ein.