Westjordanland Israel beginnt mit Zwangsräumung


Nach Auflösung aller jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen hat die israelische Armee mit der Zwangsräumung zweier Enklaven im Westjordanland begonnen. Die Sicherheitskräfte rechnen mit erbittertem Widerstand von rund 2000 radikalen Abzugsgegnern.

Tausende israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstagmorgen mit der Zwangsräumung der jüdischen Siedlungen Homesch und Sanur im Westjordanland begonnen. Sie rechneten mit erbittertem Widerstand von rund 2000 radikalen Abzugsgegnern, die sich teils schwer bewaffnet in den beiden Siedlungen verschanzt haben.

Nach fast 40 Jahren Besatzung beendete Israel am Montagabend die Räumung aller 21 Siedlungen im Gazastreifen. Bulldozer rissen die Tore von Homesch und Sanur nieder. In Homesch sollen sich zwei bewaffnete Deserteure der Streitkräfte aufhalten. In Sanur rückten die Truppen mit einem Wasserwerfer, Schlagstöcken und Schutzschilden ein. Maskierte Jugendliche setzten Reifen und Matratzen in Brand.

Israel will insgesamt vier jüdische Siedlungen im Westjordanland aufgeben, die Bewohner von zweien haben ihre Häuser bereits verlassen. Für die Zwangsräumung wurden 10.000 Soldaten in Bereitschaft versetzt. Im Gazastreifen feierten am Montagabend rund 10.000 Anhänger der radikalislamischen Hamas begeistert den israelischen Abzug aus allen 21 jüdischen Siedlungen.

"Wir sind ihre Partner für den Frieden"

Hamas-Führer Ismail Hanijeh sagte in Gaza, die Kämpfer würden ihre Waffen aber nicht abgeben, bis alle palästinensischen Gebiete von Israel verlassen seien. Die Hamas werde an ihrem Widerstand festhalten, "bis wir das Land befreien, bis wir unsere Rechte erreichen", sagte Hanijeh.

Während der Kundgebung wurde ein Lied mit dem Text "Hamas, unser Ziel ist der Kopf von (dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel) Scharon" abgespielt. Außerdem waren Bilder von Hamas-Führern aufgehängt, die von Israel getötet wurden, darunter der Gründer der Gruppe, Scheich Ahmed Jassin.

Scharon und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vereinbarten unterdessen ein erneutes Treffen, wie aus dem Umfeld der beiden Politiker verlautete. In einem Telefongespräch versicherte Abbas Scharon am Montagabend: "Wir sind ihre Partner für den Frieden." Das fünfminütige Telefonat war dem Unterhändler Sajeb Erakat zufolge das erste Gespräch zwischen beiden seit dem Gipfeltreffen von Jerusalem am 21. Juni.

Gaza-Rückzug geschickter Schachzug Scharons

Der Abzug aller israelischen Siedler aus dem Gazastreifen sei ein geschickter Schachzug des israelischen Premiers Ariel Scharon, meint die liberale Belgrader Zeitung "Danas" am Dienstag: "Das hat ihm (Ariel Scharon) bedeutenden Gewinn und Vorteil gebracht. Vor allem, weil der Ball jetzt im palästiniensischen Spielfeld liegt. Nicht nur Tel Aviv, auch die internationale Gemeinschaft erwartet jetzt vom palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, dass er mit einem ähnlichen Schritt reagiert und ohne Pardon mit den Terroristen unter seinen Mitbürgern abrechnet...

Scharon kann man nicht die Anerkennung verweigern, dass er alles in allem die Atmosphäre für eventuelle ernsthaftere und inhaltsreichere Verhandlungen über die nähere Zukunft verbessert hat. Diese Feststellung wird nicht einmal durch Scharons letzte Äußerung geschmälert, dass Israel die Mauer im Westjordanland weiter bauen wird."

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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