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US-Präsident Ballsäle, Luxushäuschen, Kerzen: Wie Trump bei Staat und Partei abkassiert hat

Videoreihe "Amerika wählt 2020": Bidens Umfragewerte im Vergleich zu Trump – und Clinton 2016. Videoquelle: n-tv.de
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Donald Trump hatte vor vier Jahren versichert, sich als US-Präsident vollständig von seinen Geschäften zu isolieren. Das Versprechen hat er klar gebrochen, wie eine Aufstellung der "Washington Post" eindrucksvoll zeigt.

Donald Trump soll während seiner Amtszeit von Besuchen von ausländischen Regierungsangehörigen, Vertretern der US-Bundesstaaten, seinen Familienmitgliedern und sogar seinen eigenen Besuchen bei sich selbst finanziell profitiert haben. Die Vorwürfe sind nicht neu und der US-Präsident sieht sich deswegen sogar mit Klagen konfrontiert, doch jetzt sind interessante Details dazu bekannt geworden.

Trump hat offenbar jedes Glas Wasser berechnet

Als der damalige japanische Premierminister Shinzo Abe im April 2018 in Mar-a-Lago, Trumps Anwesen im Bundesstaat Florida, zu Gast gewesen sei, habe der Golfclub des Präsidenten der US-Regierung 13.700 Dollar für Gästezimmer, 16.500 Dollar für Essen und Wein und 6.000 Dollar für Rosen und andere Blumenarrangements in Rechnung gestellt, berichtet die "Washington Post".

Sogar die kleinsten Dienstleistungen habe sich Trumps Luxusanwesen im sonnigen Palm Beach, einer der teuersten Wohngegenden der Welt, aus der Staatskasse bezahlen lassen, schreibt die Zeitung. Als der Hausherr und Abe unter vier Augen miteinander gesprochen hätten, ohne dabei Essen serviert zu bekommen, habe die Regierung immer noch eine Rechnung für das bekommen, was die Regierungschefs tranken: "Bilaterales Treffen", stand demnach darauf. "Wasser". Je 3 Dollar.

Die "Washington Post" hat eigenen Angaben zufolge auf dem Klageweg und mithilfe von öffentlich zugänglichen Unterlagen versucht, anhand von Beispielen darzustellen, wie der US-Präsident seit seinem Amtsantritt seine Macht genutzt habe, um mehrere Millionen Dollar sowohl von US-Steuerzahlern als auch von seinen politischen Unterstützern in seine eigenen Unternehmen zu lenken. Insgesamt habe Trump in den vergangenen knapp vier Jahren mindestens 8,1 Millionen Dollar aus diesen beiden Quellen erhalten, schreibt die Zeitung.

Vielfach füllte der Präsident demnach seine Geschäftskonten einfach schon durch seine eigene Anwesenheit. So habe er seine eigenen Hotels und Clubs mittlerweile mehr als 280 Mal besucht und sie zu Magneten für Veranstaltungen seiner republikanischen Partei gemacht, einschließlich glanzvoller Spendenaktionen für seine eigene Wiederwahlkampagne, bei denen vermögende Geldgeber die Gelegenheit hatten, Trump zu treffen und sich mit ihm zu zeigen.

"Die Leute mögen mein Produkt"

Der US-Präsident nennt als Grund dafür die Qualität seiner Unterkünfte: "Ich habe viele Hotels überall auf der Welt, und die Leute nutzen sie, weil sie die besten sind. Ich meine, wissen Sie, sie sind die besten", sagte Trump im September 2019 vor Journalisten. "Die Leute mögen mein Produkt, was soll ich Ihnen sagen?  Ich kann es nicht ändern. [...] Ich schätze, sie sagen: 'Wir wollen an einem Ort übernachten, der besser ist als irgendein anderer'."

Die "Washington Post" berichtet dagegen unter Berufung auf neu veröffentlichte Dokumente, die Besuche des Präsidenten, seiner Familie und seiner Anhänger hätten die Regierung und die republikanische Partei zu Stammkunden seines Unternehmens gemacht. Die Regierung sei durch Trumps Aufenthalte in seinen Hotels und Clubs sogar zwangsweise zu einem Kunden geworden. Demnach habe sie alles, was sie auf den Anwesen des 74-Jährigen benötigte, von seiner Firma kaufen müssen.

Seit 2017 hat die Trump Organization dem Staat laut "Washington Post" Folgendes in Rechnung gestellt: Hotelzimmer, Ballsäle, Ferienhäuser, Mietshäuser, Golfcarts, Opferkerzen, Schwimmkerzen, Kerzenständer, Möbeltransporte, Resortgebühren, Dekorationspalmen, Clubsteaks, Schokoladenkuchen, Frühstücksbuffets, 88-Dollar-Weinflaschen und Spirituosen im Wert von 1000 Dollar für Mitarbeiter des Weißen Hauses. Und Wasser.

Bislang haben die amerikanischen Steuerzahler in Trumps Amtszeit nach Angaben der Zeitung mindestens 2,5 Millionen Dollar an das Familienunternehmen ihres Präsidenten überwiesen.

Darüber hinaus habe Trumps Wahlkampfkomitee seit dessen Amtseinführung 5,6 Millionen Dollar an seinen Konzern gezahlt. Dieses Geld, das Wahlkampfspenden in private Einnahmen für Trump umgewandelt habe, sei auch in diesem Jahr weitergeflossen, als der US-Präsident in den Umfragen in Rückstand geriet und seiner Kampagne die Finanzmittel ausgingen.

Der Trump-Organisation ist es dem Bericht zufolge nicht untersagt, die Zahlungen anzunehmen. Aber der US-Präsident habe damit ein wichtiges Wahlkampfversprechen aus dem Jahr 2016 gebrochen: Damals hatte Trump versichert, dass er sich nach seiner Amtsübernahme "vollständig von seinem Geschäft isolieren" und die Interessen seiner Wähler über seine eigenen stellen werde.

"Wenn ich gewinne, sehe ich mein Eigentum vielleicht nie wieder - ich sehe diese Orte vielleicht nie wieder", sagte er. "Weil ich für Sie arbeiten werde, werde ich keine Zeit haben, Golf zu spielen. Glauben Sie mir."

Quellen: "Washington Post"US-Regierung

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