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Nach Angriff gegen gefallenen Veteran: Donald Trump - und seine nicht ganz stimmige Wehrdienst-Geschichte

Donald Trump pöbelt gegen einen gefallenen muslimischen US-Veteranen, und schon wird in seiner Wehrdienst-Biografie gekramt. Da fällt auf: Trumps Geschichte, warum er nicht dienen musste und dem Vietnamkrieg entkam, ist nicht ganz stimmig.

Donald Trump (m.) 1964 während seiner Zeit an der New York Military Academy

Donald Trump (m.) 1964 während seiner Zeit an der New York Military Academy

Als die USA 1969 immer tiefer in den vietnamesischen Sümpfen versanken und das Militär bei der Rekrutierung neuer Soldaten nicht genügend Freiwillige fand, griff man zu einem Zufallssystem - der Vietnam-Lotterie. Diejenigen, die in den Krieg ziehen sollten, wurden gelost. Alle wehrfähigen Männer der Jahrgänge 1943 bis 1952 mussten an der Lotterie teilnehmen. Kurz erklärt: Gelost wurden Geburtsdaten. Wurde zum Beispiel der 3. August als erstes gezogen, musste alle Männer, die an diesem Tag Geburtstag hatten, als erste eingezogen werden. 

Donald Trump hatte Glück. Sein Geburtsdatum wurde erst spät gezogen. Viele Jahre lang feierte der Politiker die hohe Losnummer als den Glücksfall, der ihn vor Vietnam bewahrt habe. Doch tatsächlich war es wohl ein ärztliches Attest, das dafür sorgte, dass Trump ausgemustert wurde. Fersensporn lautete die Diagnose, ein schmerzhafter Auswuchs am Fußknochen.

Doch ausgerechnet diese Diagnose weckt nun Zweifel. Wie die "New York Times" berichtet, wurde sie bereits 1968 gestellt, also ein Jahr bevor es zu der Lotterie kam. Da er dadurch bereits vom Militärdienst befreit worden war, spielte das Lotterie-Ergebnis für Trump gar keine Rolle mehr, wie ein Sprecher des Selective Service Systems, der Wehrdienst-Behörde der USA, gegenüber der "New York Times" erklärte.

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Zweifel an der Diagnose

Ein Fersensporn ist ein legitimer und häufiger Grund zur Ausmusterung. Im Fall von Trump sorgen jedoch zwei Ungereimtheiten für Aufregung.

In seiner Jugend war Trump ein begeisterter Sportler. Er spielte Squash, Tennis, Football und Golf, hatte in New York sogar eine Militärschule besucht, wobei ihn der Fersensporn offenbar nicht behinderte. In einem Interview mit der "New York Times" erklärte Trump im Juli, dass der Auswuchs nur ein vorübergehendes Problem war, eine "kleinere Krankheit", die nicht weiter von Bedeutung war.

Seltsame Wissenslücken

An den Namen des Arztes, der ihm das Attest ausgestellt hatte, konnte er sich dem Bericht zufolge jedoch nicht erinnern. Wann genau er von dem Leiden nicht mehr geplagt wurde, wusste der US-Präsidentschaftskandidat anscheinend auch nicht mehr. Eine Operation habe er jedenfalls nicht gehabt. "Mit der Zeit heilte es von selbst", sagte er.

Während einer Pressekonferenz letztes Jahr habe sich Trump auch nicht erinnern können, an welchem Fuß er seine Verletzung hatte, berichtet die "New York Times". Kurze Zeit später erklärte sein Management, es seien beide Füße betroffen gewesen.

Starke Verluste für Donald Trump

Bevor er aufgrund des Attests ausgemustert wurde, hatte er bereits vier vorübergehende Befreiungen wegen seines Studiums erhalten. Eine übliche Praxis. Dass Trump nicht im Vietnam-Krieg gekämpft hat, ist lange bekannt. Doch nachdem der Skandal-Politiker die Eltern eines gefallenen US-Soldaten kritisiert hat, erregt dieser Umstand vermehrte Aufmerksamkeit.

Die Eltern des Gefallenen hatten Trump vorgeworfen, Stimmung gegen muslimische Amerikaner zu machen und das Opfer zu verhöhnen, das ihr Sohn gebracht habe. Trump habe hingegen "nie etwas und niemanden je geopfert". Trump hatte damit gekontert, dass er als Unternehmer "eine Menge Opfer" erbracht habe. Er arbeite "sehr, sehr hart" und habe zehntausende Jobs geschaffen. Seitdem musste er in den Umfragen starke Verluste hinnehmen.

Ellen Ivits