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Chefideologe des Kreml: Putin entlässt seinen "grauen Kardinal"

Wladislaw Surkow galt lange als einer der mächtigsten Männer Russlands - und als Architekt der russischen Ukraine-Politik. Doch nun hat Wladimir Putin seinen langjährigen Berater entlassen. 

Wladislaw Surkow galt lange als einer der mächtigsten Männer Russlands

Wladislaw Surkow galt lange als einer der mächtigsten Männer Russlands

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen seiner engsten Berater entlassen. Der Kreml gab die Entlassung von Wladislaw Surkow auf seiner Website bekannt. Ein Grund für die Entlassung wurde jedoch nicht genannt. Tatsächlich war der 55-Jährige bereits vor drei Wochen aus seinem Amt als Chefunterhändler des Kreml für den Ukraine-Konflikt ausgeschieden. Doch erst jetzt wurde die Entlassung unterzeichnet.

Wegen seines enormen Einflusses galt Surkow viele Jahre hinter den Kulissen als der graue Kardinal Putins. Zuweilen wurde er auch auch als "Putins Rasputin" betitelt. Die Sakralisierung des Präsidenten soll maßgeblich aus seiner Feder stammen. Unter Putin habe der russische Staat ein "auf organische Weise entstandenes politisches Organisationsmodell" entwickelt, das "ein effektives Mittel für das Überleben und Erheben der russischen Nation sein wird – und dies nicht nur auf Jahre, sondern auf Jahrzehnte hinaus, wahrscheinlich aber für das gesamte kommende Jahrhundert", schrieb er einst in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta"das wohl seine eigene Politik rechtfertigen sollte.

Surkow derigierte die Ukraine-Politik

Seit 2013 feilte er außerdem die "hybride" Kriegführung aus, die Russland in der Ukraine betreibt. Nach der russischen Krim-Annexion 2014 unterstützte Surkow die prorussischen Rebellen in der Ostukraine. Laut den Rebellen stand Surkow auch den Anführern der selbsternannten Republiken von Donezk und Lugansk beratend zur Seite.

Sein Name tauchte immer wieder im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ostukraine auf. So war er an den Verhandlungen im Rahmen des Minsker Friedensprozesses im Jahr 2015 beteiligt und erzwang in der Folge den Rücktritt des Verteidigungsministers der selbstproklamierten Donezker Volksrepublik Igor Strelkow.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht passierte in der russischen Politik kaum etwas, ohne dass die Hand von Sorkow mit im Spiel war. Er kontrollierte politische Parteien in der Duma und pro-Putin Jugendgruppen auf den Straßen. Er unterstützte aber auch Künstler, die sich der Politik des Kremls widersetzten. In der Tat vermuteten viele, dass er zum Teil auch die politische Opposition kontrollierte.

Als Hardliner nicht mehr gefragt

Doch 2011 begann langsam sein Abstieg. Damals gingen die Russen zu Tausenden auf die Straße und protestierten gegen die mutmaßliche Wahlfälschungen bei den Parlamentswahlen vom 4. Dezember 2011. Die Demonstrationen entwickelten sich zu den größten Protestkundgebungen in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Schuld dafür gab man zum Teil Surkow. Seine Jugendorganisationen hätten sich als nutzlos erwiesen, lautete der Vorwurf. 

Die zunehmend festgefahrene Situation in der Ukraine in den letzten Jahren setzte ihm zusätzlich zu. Für Putin wird der Krieg zunehmend zu einer Belastung. In der Bevölkerung verliert er dafür den Rückhalt. Surkow jedoch gilt als Hardliner und lehnt Zugeständnisse an Kiew ab. Nun übernimmt Dmitrij Kosak sein Amt als Unterhändler des Kreml für den Ukraine-Konflikt. Er ist ebenfalls ein Vertrauer Putins, könnte aber in den Beziehungen zu der Ukraine ein neues Kapitel aufschlagen. 

Surkow kündigte unterdessen an, sich erstmal "der Meditation“ hinzugeben. Beobachter zweifeln allerdings, dass der "graue Kardinal" tatsächlich von der politischen Bühne abgetreten ist. "Bei seiner riesigen Erfahrung und seinen Talenten" werde man sicher Verwendung für ihn finden, erklärte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow.

ivi