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Zerstörung von Snowden-Material: Premier Cameron soll Druck auf "Guardian" veranlasst haben

Kam der Befehl von ganz oben? David Cameron soll die Schikanen gegen die Redaktion des "Guardian" angeordnet haben. Die Zeitung war gezwungen worden, Material von Edward Snowden zu vernichten.

Großbritanniens Premierminister David Cameron soll nach einem Bericht der Zeitung "The Independent" persönlich veranlasst haben, Druck auf die Redaktion des "Guardian" auszuüben. Auf diese Weise sollten weitere Enthüllungen über die Machenschaften von Geheimdiensten in den USA und Großbritannien verhindert werden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf hochrangige Regierungsquellen.

"Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger hatte am Dienstag in einem Kommentar erklärt, er sei von hochrangigen Regierungsbeamten kontaktiert und zur Herausgabe sensibler Daten gedrängt worden. Schließlich hätten Geheimdienstleute die Zerstörung von Festplatten überwacht.

Innenministerin May verteidigt Vorgehen der Regierung

Tags zuvor war bekanntgeworden, dass der Ehepartner des "Guardian"-Enthüllers Glenn Greenwald, der 28 Jahre alte Brasilianer David Miranda, neun Stunden am Flughafen Heathrow festgehalten wurde - auf der Grundlage eines Anti-Terror-Gesetzes.

Innenministerin Theresa May ging am Dienstag als erstes Regierungsmitglied an die Öffentlichkeit - und wies jede Verantwortung für das Festhalten David Mirandas von sich. Als Politikerin greife sie nicht in operative Polizeiaktionen ein, sagte sie in einem Interview der BBC. Grundsätzlich verteidigte sie aber das Vorgehen, über das sie vorab informiert gewesen sei.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte das Vorgehen gegen den "Guardian" genauso wie die internationale Organisation "Reporter ohne Grenzen" als einen Angriff auf die Pressefreiheit. Dass ein Geheimdienst den Chefredakteur der renommiertesten Zeitung des Landes zwinge, zugespieltes Material zu vernichten, sei erschütternd, sagte das Vorstandsmitglied von "Reporter ohne Grenzen", Michael Rediske. Es sei aber unverständlich, warum der "Guardian"-Chefredakteur der Erpressung nachgegeben habe, ohne die Gerichte anzurufen und sofort an die Öffentlichkeit zu gehen.

Der "Guardian" hatte immer wieder aus dem Material des Enthüllers Snowden zitiert, der den Skandal um die Überwachungs- und Ausspäh-Aktivitäten vor allem des amerikanischen Geheimdienstes NSA ins Rollen gebracht hatte.

Rusbridgers Kommentar platzte in den Skandal um eine neunstündige Polizei-Befragung des Lebenspartners von "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald, des Brasilianers David Miranda, am Sonntag auf dem Flughafen Heathrow. Der Enthüllungsjournalist Greenwald gehört zu Snowdens engsten Vertrauten.

Nach Informationen des "Independent" hatte Premierminister Cameron den Leiter seines Cabinet Office, Jeremy Heywood, beauftragt, den "Guardian" zu kontaktieren. Regierungskreise bestätigten der Zeitung den Kontakt. Es habe sich jedoch nicht um eine Bedrohung gehandelt.

Der "Guardian" hatte als erste Zeitung die Enthüllungen von US-Whistleblower Edward Snowden über die flächendeckende Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA veröffentlicht.

vim/anb/DPA / DPA