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Zusammenkunft am Wannsee: Merkel trifft sich mit Chinas Ministerpräsident Wen

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao kommt heute mit einem Großteil seines Kabinetts nach Deutschland. Bundeskanzlerin Merkel empfängt ihn am Abend in kleinem Kreis in der Liebermann-Villa am Wannsee.

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao kommt heute (Montag) mit einem Großteil seines Kabinetts nach Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt ihn am Abend in kleinem Kreis in der Liebermann-Villa am Wannsee - dem einstigen Sommersitz des 1935 gestorbenen deutschen Impressionisten.

Am Dienstag treffen sich die Kabinette der beiden Regierungschefs zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Wen reist mit 13 Ministern an. Der Ministerpräsident wird auch mit Bundespräsident Christian Wulff sprechen. Beide Länder messen diesem Austausch hohe Bedeutung zu.

Unmittelbar vor dem Treffen entbrannte eine neue Diskussion über den Umgang mit Menschenrechten in China. Nach der Freilassung des chinesischen Künstlers und Aktivisten Ai Weiwei kam am Sonntag ein weiterer prominenter Bürgerrechtler auf freien Fuß. Nach Verbüßung einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe ist Hu Jia wieder bei seiner Familie.

Die Bundesregierung wertet die Freilassung von Ai Weiwei als wichtiges Signal, erwartet aber weitere Fortschritte. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will bei den Konsultationen den Fall zur Sprache bringen. "Trotz der Erleichterung, dass Ai Weiwei wieder bei seiner Familie ist: Tatsache bleibt, dass seine Freiheit weiter beklemmenden Einschränkungen unterliegt", sagte Westerwelle der Zeitung "Welt am Sonntag". Er hoffe, dass der regierungskritische Künstler schon bald seine Professur an der Universität der Künste in Berlin antreten könne.

Peking hat laut "Welt" (Montag) unter dem Titel "China und Deutschland - Erfolge und Perspektiven der Zusammenarbeit" erstmals eine Regierungsbilanz über ein einzelnes europäisches Land veröffentlicht. Darin werde der Austausch mit der Bundesrepublik als umfangreicher als mit jedem anderen Land gelobt - von der Kooperation der Bankenaufsicht, von Wissenschaft und Technologie bis zum Jugendaustausch.

Deutschland hat nur zu wenigen Staaten so intensive Beziehungen, dass regelmäßig Regierungskonsultationen stattfinden. China und Indien sind in diesem Jahr hinzugekommen. Die längsten Kontakte dieser Art bestehen zu Frankreich (seit 1963). Die anderen Partner sind Italien, Spanien, Polen, Russland und Israel.

Wen hatte seine Europareise am Freitag in Ungarn gestartet. Nach Deutschland besucht er Großbritannien.

DPA / DPA