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Zusammenstöße mit der Polizei: Erneut Festnahmen und Verletzte in Istanbul

Hunderte Menschen demonstrieren auf Istanbuls Shopping-Meile wieder gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Die Passanten reagieren mit Beifall, die Polizei mit Tränengas.

Zwei Monate nach Beginn der Proteste in der Türkei ist die Polizei im Zentrum der Millionenmetropole Istanbul erneut mit großer Härte gegen friedliche Demonstranten vorgegangen. Die Sicherheitskräfte setzten am Samstagabend auf der zentralen Einkaufsmeile Istiklal Caddesi inmitten von Passanten, ausländischen Touristen und Kindern Wasserwerfer, Reizgas und Plastikgeschosse ein. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen. Augenzeugen berichteten von Verletzten. Die Nachrichtenagentur AFP meldete, auch einer ihrer Fotografen sei bei den Zusammenstößen verletzt worden.

Hunderte Menschen hatten sich in der Fußgängerzone in der Nähe des Taksim-Platzes zu regierungsfeindlichen Protesten versammelt. Aus den Reihen der Demonstranten wurden Steine auf Polizisten und Wasserwerfer geworfen, nachdem die Sicherheitskräfte begonnen hatten, gewaltsam gegen den jüngsten Protest vorzugehen. Bereitschaftspolizisten mit Gasmasken, Tränengasgewehren und Schlagstöcken verfolgten Demonstranten in Seitengassen. Passanten applaudierten den Demonstranten, die in Sprechchören weiteren Widerstand gegen die Regierung ankündigten.

Die Istiklal Caddesi ist am Samstagabend stark bevölkert, besonders vor dem an diesem Mittwoch beginnenden Bayram-Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan gehen dort viele Türken einkaufen. In den umliegenden Straßen sind zahlreiche auch bei ausländischen Touristen beliebte Bars und Restaurants. Aus einer Kneipe heraus, in die Demonstranten geflohen waren, in der aber auch unbeteiligte Besucher waren, führten Polizisten offensichtlich wahllos junge Türken ab, wie ein dpa-Reporter beobachtete. Journalisten wurden aufgefordert, den Ort zu verlassen.sdf

Landesweite Proteste seit Ende Mai

Bis in den späten Abend hinein schossen Wasserwerfer mit Chemikalien versetztes Wasser auf Demonstranten, aber auch auf unbeteiligte Umstehende. Betroffene klagten über Reizungen der Augen, der Atemwege und der Haut. Die Polizei hatte bereits am frühen Abend den Gezi-Park und den benachbarten Taksim-Platz abgeriegelt.

An Plänen, den Gezi-Park zu bebauen, hatten sich die landesweiten Proteste Ende Mai entzündet. Inzwischen richten sie sich vor allem gegen den autoritären Regierungsstil des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der keinerlei Kompromissbereitschaft zeigt. Die landesweiten Demonstrationen sind zwar abgeflaut, flammen aber vor allem in der Millionenmetropole Istanbul sporadisch wieder auf.

awö/DPA / DPA