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NSU-Prozess: Staatsanwaltschaft will Zschäpe als Mittäterin verurteilen

Es ist der zweite Tag des Plädoyers der Bundesanwaltschaft gegen die Angeklagte Beate Zschäpe. Die Staatsanwaltschaft bekräftigt die Vorwürfe, dass Zschäpe eine zentrale Figur in der Organisation des NSU gewesen sein soll.

Beate Zschäpe am zweiten Tag des Plädoyers der Bundesstaatsanwaltschaft

Soll laut Staatsanwaltschaft eine zentrale Rolle im "Nationalsozialistischem Untergrund" eingenommen haben und aktiv an den Morden und Anschlägen beteiligt gewesen sein: Beate Zschäpe

Auch am zweiten Tag des 22-stündigen Plädoyers erhob die Bundesanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen die Angeklagte Beate Zschäpe. Verschiedene Indizien stützen die These der Anklage, dass sie eine zentrale Rolle in der Tarnung und Organisation der Anschlagsserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gespielt hat.

Zschäpe sei es darum gegangen, ihre beiden Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt "sorgfältigst abzusichern", sagte Oberstaatsanwältin Anette Greger am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Sogar untereinander hätten sich die drei mit ihren Tarnnamen angeredet und hätten so für eine Tarnung nach außen hin gesorgt.

Zschäpe war gleichberechtigtes NSU-Mitglied

Die Anklage sieht das NSU-Trio als eingeschworene Gemeinschaft: "Alle drei schweißte ein unbedingtes Vertrauen zusammen", sagte Greger und sprach von einer "sehr engen, vertrauensvollen Bindung." Nur wegen dieses engen Zusammenspiels hätten die Drei die Morde und Anschläge so lange unentdeckt begehen können. "Jedem kamen bestimmte Aufgaben im Sinne der gemeinsamen Sache zu." Damit bekräftigte Greger den Anklagevorwurf, Zschäpe sei gleichberechtigtes NSU-Mitglied gewesen.

Das enge Zusammenspiel der Drei leitete Greger beispielsweise davon ab, dass der "Hauptcomputer" im Zimmer Zschäpes stand. Auch das "Haupthandy" und ein Laptop seien in ihrem Besitz gewesen.

Bundesanwaltschaft will Verurteilung als Mittäter

Die Bundesanwaltschaft hatte am Dienstag nach mehr als vier Jahren Prozessdauer mit ihrem Plädoyer begonnen, das rund 22 Stunden dauern soll, verteilt auf mehrere Tage. Schon zu Beginn hatte Bundesanwalt Herbert Diemer deutlich gemacht, dass die Anklage eine Verurteilung der 42-Jährigen als Mittäterin an allen Morden, Anschlägen und Überfällen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" anstrebt.

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fk / DPA