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"Dunja Hayali" im ZDF TV-Talk über Familien in der Coronakrise: "Meine Sorge ist sehr, sehr groß"

Moderatorin Dunja Hayali (l.), Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), die Hamburger Lehrerin Gloria Boateng
Familien im Fokus: Moderatorin Dunja Hayali (l.), Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), die Hamburger Lehrerin Gloria Boateng
© ZDF/ Jule Roehr
Am Ende ist alles politisches Kompetenzgerangel. Ob Corona in der Schule oder Gewalt gegen Frauen, statt zu helfen, streiten Bund und Länder sich oft um Zuständigkeiten.
Von Andrea Zschocher

Zwei Drittel einer Sendung dem Thema Corona und Familie einräumen, Dunja Hayali zeigte in ihrer letzten Sendung, dass das geht. Sie schafft, was andere Talkshows in den letzten Monaten gern mal nur am Rande erwähnt haben: Die aktuelle Situation von Familien beleuchten und zum abendfüllenden Thema machen. Und das gleich aus zwei Blickwinkeln.

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Häusliche Gewalt, vor allem gegen Frauen und Kinder, ist ein weltweites Verbrechen. Die Corona-Krise hat die Situation vieler Opfer noch schwieriger gemacht.

Dieses Interview ist Teil der Initiative #sicherheim. Mit Artikeln, Plakaten, ­prominenten Unterstützern und mehr wird auf das Thema aufmerksam gemacht.

Es werden auch Spenden gesammelt für Organisationen, die den Opfern in Deutschland zur Seite stehen.

#sicherheim ist eine Aktion der UFA, der Agentur „Die Botschaft“ sowie der ­Bertelsmann Content Alliance, zu der neben der UFA auch die Mediengruppe RTL, RTL Radio Deutschland, die  Verlagsgruppe Random House, die BMG und der Verlag Gruner + Jahr gehören, in dem der stern erscheint.

Bitte helfen Sie Opfern häuslicher ­Gewalt! Stiftung stern e.V. leitet Ihre Spende weiter an die Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK), den Bundesverband der ­Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) und die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF).

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Zurück in die Schulen unter unklaren Bedingungen

11 Millionen SchülerInnen gibt es in Deutschland. In den ersten Bundesländern ist die Schule wieder gestartet, in den kommenden Wochen folgen weitere Schulstarts. Die meisten Eltern werden ihre Kinder wohl mit Sorgen in die Schule schicken.

Damit sind sie nicht allein, auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat ein ungutes Gefühl: "Meine Sorge ist sehr, sehr groß", erklärte er in Hinblick auf den Schulbeginn am Montag. Wo seine Sorgen nur groß sind, verzweifeln Eltern und LehrerInnen vielerorts. Die Hamburger Lehrerin Gloria Boateng berichtete von Hygieneplänen, die der Schulleitung zwei Tage vor Öffnung überreicht wurden. Diese hatte weder die Zeit die Anordnungen durchzulesen, noch sie umzusetzen. Denn die Pläne werden oftmals nicht für einzelne Schulen angepasst. So sind Lüftungskonzepte wirkungslos, weil es Schulen gibt, in denen das Öffnen von Fenstern nicht möglich ist.

Gesundheitsämter sollten besser kontrollieren

Ein weiterer Grund zur Sorge sind die Gesundheitsämter. Es gibt formell natürlich Regelungen für Testungen von Lehrpersonal, ErzieherInnen und SchülerInnen. Und doch scheitert es an der Umsetzung. So berichtete Lehrerin Boateng von Schülern, die Kontakt zu Kindern in Quarantäne hatten und vom Gesundheitsamt trotzdem in die Schule geschickt worden seien. Einzelfälle, könnte man denken, und liegt doch falsch. Denn die Fälle von Kindern, die trotz Symptomen oder Kontakt zu Infizierten weiterhin Einrichtungen besuchen, häufen sich bundesweit. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die nicht müde wird zu betonen, wie viel sie für Familien in der Coronakrise getan hat, war irritiert. Es sei Aufgabe der Gesundheitsämter, hier zu handeln. Denn sonst müssen schon bald wieder ganze Schulen geschlossen werden.

So geschehen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, bereits in den ersten Wochen nach den Ferien. Der Plan sei aber, nur einzelne Klassen oder Zweige zu schließen und den Schulbetrieb soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Es könnte ja, warf Dunja Hayali ein, eine gute Idee sein in Zeiten einer Pandemie den Föderalismus in Sachen Infektionsschutz außer Acht zu lassen und bundesweite Maßnahmen für Schulen zu fordern. Das sei aber, da waren sich die Anwesenden einig, kaum möglich, weil unterschiedliche Bundesländer eben unterschiedliche Voraussetzungen und auch Infektionsraten hätten.

Gesellschaft muss Schulen schützen

Also bleibt alles wie immer und die Familien werden mit warmen Worten ins neue Schuljahr geschickt. Hoffen wir auf das Beste und ein bisschen Mut zur Lücke scheint das Gebot der Stunde zu sein. Dabei haben Kinder, wie Saarlands Ministerpräsident richtig anmerkte, ein Recht auf Bildung. Es käme ihm manchmal so vor, als hätte "Schule die Verpflichtung, die Gesellschaft zu schützen." Dabei sei es anders herum, es sei eine gesellschaftliche Aufgabe sicherzustellen, dass Kinder die Schule besuchen können. Jeder Einzelne könne dazu beitragen, indem er oder sie Maske trage und Abstand zu den Mitmenschen einhalte.

Und doch, es sieht momentan nicht so aus, als würde die Gesellschaft da mitziehen. Viele Familien blicken mit Sorge auf die nächsten Monate und auch LehrerInnen haben Angst, dass die aktuellen Regeln Auswirkungen auf die Schülerschaft haben. Ob wir einem weiteren verlorenen Schuljahr entgegensteuern, werden wir erst in der Retrospektive sagen können. Momentan deutet aber vieles darauf hin.

Corona und häusliche Gewalt

Auch erst rückblickend wird geklärt werden können, ob Corona und der Rückzug in die eigenen vier Wände einen Einfluss auf die häusliche Gewalt hatte. Hilfstelefone verzeichnen kaum gestiegene Anruferzahlen. Bei den Frauenhäusern sieht das anders aus. Anika Ziemba, Mitarbeiterin eines Hamburger Frauenhauses beobachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge. Einerseits, so sagt sie, war die Gewalt auch ohne Corona da. "Es scheint fast so, als habe es die Krise gebraucht, um auf eine andere Krise aufmerksam zu machen." Andererseits hätten die Betroffenen von häuslicher Gewalt in den letzten Monaten auch keinen Zufluchtsort und keine Pause mehr gehabt. Denn die Täter seien immer da gewesen.

Der gefährlichste Ort der Welt

"Die eigenen vier Wände sind statistisch gesehen der gefährlichste Ort für eine Frau", sagte Anika Ziemba. Bei dem Satz muss man erstmal schlucken. Und sollte dann aktiv werden, wann immer man das Gefühl hat, etwas sei nicht in Ordnung. Lieber einmal zu viel gekümmert als bei körperlicher oder seelischer Misshandlung weggesehen, appellierte auch Arche Gründer Bernd Siggelkow. Viele bekannte Hilfsmechanismen, FreundInnen, bei denen die Kinder Zuflucht finden konnten, JugendamtsmitarbeiterInnen, die die Familiensituation im Auge hatten, brachen während Corona plötzlich weg. Hilfsangebote, wie die "Nummer gegen Kummer" sind betroffenen Kindern oft nicht bekannt.

Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern

Das immerhin will Familienministerin Giffey ändern. Auf vielen Produkten und in vielen Supermärkten wird die Kampagne "Stärker als Gewalt" beworben, so dass mehr von Gewalt betroffene Menschen Hilfe finden können. Außerdem plant die Regierung ein 120-Millionen-Euro-Hilfspaket für Frauenhäuser.  Es gäbe, gab Giffey zu, "weiße Flecken in der Versorgung", aber das sei nicht Schuld der Bundesregierung. Die Länder seien in der Verantwortung.

Man wurde das Gefühl nicht los, dass es am Ende, wie auch bei der Diskussion um Corona und Schulen, wieder ein Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel gibt. Dabei ist das Wichtigste nicht, wer das letzte Wort hat, sondern, dass Familien geholfen wird.

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Häusliche Gewalt, vor allem gegen Frauen und Kinder, ist ein weltweites Verbrechen. Die Corona-Krise hat die Situation vieler Opfer noch schwieriger gemacht.

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