"No-Go-Areas" Kein Bundesland stigmatisieren, aber...


Mit seiner Warnung vor "No Go Areas" in Brandenburg hat Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye heftige Reaktionen ausgelöst. Nun nahm er seine Äußerungen in Teilen zurück, bleibt aber bei seiner Kritik.

Der frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye hat seine umstrittene Warnung relativiert, wonach dunkelhäutige WM-Fans bestimmte ostdeutsche Regionen meiden sollten. Heye sagte jetzt, er habe kein Bundesland stigmatisieren wollen. Fremdenfeindliche Übergriffe dürften aber nicht bagatellisiert werden.

Die antirassistische Menschenrechtsorganisation "Gesicht zeigen", deren Vorstandsvorsitzender Heye ist, erklärte, seit der Wende habe es pro Jahr 17 Todesopfer rechter Gewalt gegeben. Heye sagte, gerade in Brandenburg erlebe er ein "besonders ausgeprägtes politisches und pädagogisches Engagement im Kampf gegen den Rechtsextremismus".

Bagatellisieren rassistischer Übergriffe muss aufhören

Es gehe aber auch darum, dass der Afrika-Rat eine Warnung herausgegeben habe, in der er bestimmte Gebiete auch in Brandenburg als gefährlich für afrikanische Gäste der Fußball-WM ausweise. Man dürfe es nicht den Opfern überlassen, darüber nachzudenken, wie sie sich gegen Rassismus und Antisemitismus zur Wehr setzen könnten, so Heye. Dies liege in der Verantwortung der Gesellschaft. "Aber leider hat die Bereitschaft wegzusehen, zugenommen."

Heye forderte Politik auf, mit dem Kleinreden und Bagatellisieren rassistischer Übergriffe in Deutschland aufzuhören und am Ende den Opfern die Schuld dafür zu geben, wenn sie durchgeprügelt oder schwer verletzt worden seien. Die Organisation "Gesicht zeigen", erklärte, der Deutsche äthiopischer Herkunft, Erymas M., der am Ostersonntag in Potsdam Opfer eines gewalttätigen Überfalls geworden war, sei "nur knapp mit dem Leben davon" gekommen.

Es sei "unangemessen und verantwortungslos", diese Geschehnisse als Einzelfälle abzutun. Tatsache sei, dass es in Deutschland Gegenden gebe, die als "No-Go-Areas" bezeichnet würden. Die rechte Szene benutze dafür den Begriff "national befreite Zone" und brüste sich im Internet damit.

Andere Initiativen benutzten den Begriff "Angst-Räume". Weiter heißt es: "Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, dass dunkelhäutige Menschen aus Angst vor Übergriffen bestimmte Regionen meiden - in ganz Deutschland." Die Tatsache, dass Heye am Schluss seines Interviews zugespitzt formuliert habe, habe eine Diskussion ausgelöst, die "an der Sache vorbei" gehe. Das umstrittene Interview hatte Heye mit dem Satz geschlossen: "Es gibt kleinere und mittlere Städte in Brandenburg und auch anderswo, wo ich keinem raten würde, der eine andere Hautfarbe hat, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht wieder verlassen."

DPA DPA

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