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20 Jahre nach der Wende: "Endlich reden wir mal drüber"

20 Jahre nach dem Mauerfall flammen Diskussionen über die Bewertung der DDR wieder neu auf. Wie empfinden Ostdeutsche ihr Leben in der Rückschau? Wie geht es ihnen heute? Ministerpräsident Matthias Platzeck hat 15 Brandenburger der Jahrgänge 1949 und 1989 zum Gespräch geladen.

Von Anne Meyer

"Die DDR war kein totaler Unrechtsstaat!", behauptete der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, kürzlich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, und rief dabei wütende Reaktionen hervor. Gleichzeitig warnen Wissenschaftler, Schüler lernten nicht genug über die DDR. In einer 2008 veröffentlichten Studie der Freien Universität Berlin kam heraus, dass viele Schüler glauben, die Alliierten hätten die Berliner Mauer erbaut.

Während sich die Politiker bei Anne Will über theoretische Begrifflichkeiten streiten und sich über die Unwissenheit der Schüler beschweren, hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck zu einer eigenen Talkshow geladen: Auf Schloss Genshagen südlich von Berlin trafen sich 15 Brandenburger, die alle am selben Tag Geburtstag haben: am 9. November. Zehn von ihnen feiern dieses Jahr ihren sechzigsten, die anderen ihren zwanzigsten Geburtstag. Einen Tag lang sprachen sie mit Platzeck über ihre Erfahrungen, Ängste und Wünsche für die Zukunft.

Die von RBB-Moderator Gerald Meyer geleitete Generationenbegegnung zwischen Ostalgie und Optimismus zeigte: Die jungen Leute wissen zwar nicht viel über die DDR. Aber das heißt nicht, dass sie kein Interesse haben. Im Gegenteil: Sie sind erleichtert, überhaupt einmal darüber reden und alle ihre Fragen stellen zu können. Die Älteren wiederum zeigen sich überrascht, dass ihre Lebensgeschichten bei den Jungen auf Interesse stoßen.