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Nachwuchswerbung: Abenteuer-Camps der Bundeswehr werden immer beliebter - viele stört das

Die Bundeswehr hat Nachwuchssorgen, also macht sie Werbung mit sogenannten Abenteuer-Camps, um Jugendliche für die Truppe zu begeistern - und die Teilnehmerzahlen steigen. Nicht allen gefällt das.

Bundeswehr

Die Bundeswehr steht wegen ihrer Adventure-Camps bei linken Parteien in der Kritik

Wer auf vermeintliche Abenteuertage aus ist und zwischen 15 und 18 Jahre alt, sollte sich an die wenden. Die Truppe freut sich über jede Bewerbung - und das Angebot ist groß. Man kann sich für einen "Einsatz" beim Heer in der Heide bewerben oder für drei Schnuppertage bei der Marine in Kiel. Man kann sich bei den Gebirgsjägern in den Alpen die Stiefel schnüren oder mit einer Transall zum Luftwaffenstützpunkt auf Sardinien fliegen. Ziel der Camps ist es, Jugendlichen einen Einblick in die Aufgaben eines Soldaten zu vermitteln und für Nachwuchs zu werben. Seit die Wehrpflicht abgeschafft wurde, hat die Truppe Probleme, ausreichend Freiwillige zu rekrutieren. Geht es nach den PR-Strategen der Bundeswehr, ist das Rekruten-Dasein ein permanenter Abenteuertrip, garniert mit einer Prise Romantik und echter Kameradschaft. 

Seit fünf Jahren gibt es die Camps, aber die Öffentlichkeit hat von dieser Art der Nachwuchs-Werbung kaum etwas mitbekommen. Das lag auch daran, dass die Teilnehmerzahlen bislang nicht sehr hoch waren. In den ersten Jahren meldeten sich regelmäßig rund tausend Neugierige, doch seit 2016 steigt die Zahl kontinuierlich. Im vergangenen Jahr bewarben sich laut einem Bericht der "Welt" 1544 Teilnehmer, in den ersten sieben Monaten 2017 waren es schon 2066. Der Bedarf ist groß. 20.000 neue Rekruten im Jahr braucht die Bundeswehr. Aktuell verfügt sie über knapp 180.000 aktive Soldaten.

Doku-Serie "Die Rekruten" ist riesiger Erfolg

Der gestiegene Interesse an der Bundeswehr und den Abenteuer-Camps ist auch die Folge einer breit angelegten Werbestrategie. Die Bundeswehr wirbt klassisch mit Plakaten und in den sozialen Medien. Ein großer Erfolg ist die Youtube-Dokuserie "Die Rekruten". Dort kann der Zuschauer sehen, wie es in der Grundausbildung abläuft. Die Serie war sogar auf dem Sprung ins Fernsehen, Verhandlungen der Bundeswehr mit RTL II scheiterten aber. Im Herbst startet die nächste Staffel.


Die Abenteuer-Camps sind Parteien wie der Linken und den Grünen ein Dorn im Auge. Zuletzt stellte die Bundestagsfraktion der Linken eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung. In der Antwort des Verteidigungsministeriums sind neben den Teilnehmer-Zahlen auch die Standorte der Camps aufgelistet. Die Linke bezweifelt allerdings, dass tatsächlich alle aufgelistet worden. Sie vermutet, dass die Bundeswehr viel mehr im Angebot hat.

Die Linke: knallharte Werbepraktik

Der schwerwiegendste Vorwurf aber lautet, dass die Bundeswehr den Schutz von Jugendlichen verletze: "Die Camps haben den Charakter von Ferienlagern und werden genauso beworben. Dabei stecken knallharte Werbepraktiken von Profis dahinter, die genau wissen, wie man Kinder- und Jugendliche anspricht", kritisiert Norbert Müller, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der Linksfraktion. Die Bundesregierung müsse sicherstellen, "dass sie die Kinderrechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen ernst nimmt und endlich diese Werbepraxen einstellen“, fordert er, wie die "Welt" berichtet.

Müller ist auch Vorsitzender der Kinderkommission des Bundestages. Die hatte im vergangenen Jahr eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich für ein Werbeverbot einsetzt. Zudem will sie sich im Einklang mit der UN sich dafür einsetzen, dass die Bundeswehr Rekruten ab 18 Jahre einstellt, und nicht schon mit 17, wie es derzeit der Fall ist.