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Steve Bannon: Alice Weidel trifft Ex-"Breitbart"-Chef – was steckt dahinter?

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel traf sich in Zürich mit Steve Bannon, Ex-Berater von Donald Trump und Ex-Chef des rechten Newsportals "Breitbart". Soll er bei der Partei-PR helfen?

AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel und Ex-"Breitbart"-Chef Steve Bannon

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel und Ex-"Breitbart"-Chef Steve Bannon trafen sich in Zürich zum Gedankenaustausch

Ein Gedankenaustausch soll es gewesen sein, der die -Bundestagsfraktionschefin und den früheren Trump-Berater und Ex-Chef des konservativen Newsportals "Breitbart" im Park-Hyatt-Hotel in Zürich zusammenführte. 

Doch was genau Alice Weidel und zu besprechen hatten, drang nicht aus dem Fünfsternehaus unweit des Zürisees. Nur soviel: Für Weidel seien Bannons Erfahrungen mit politischer Kommunikation und alternativen Medien interessant gewesen, hieß es aus ihrem Büro.

Was ebenfalls feststeht: Damit kennt sich Bannon aus. War er es doch, der das Nachrichtenportal " " quasi aus dem Nichts zum Alternativmedium Nummer Eins in den USA und zum publizistischen Rückhalt des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump machte und auf dem Siegeszug im Netz sogar den konservativen Sender Fox News weit rechts überholte. Die Grenzen zwischen Journalismus und Medienaktivismus verschwammen dabei immer mehr.

Support für AfD-Newsroom von Ex-"Breitbart"-Chef?

Möglicherweise wollen Weidel und die AfD vom Wissen Bannons profitieren, schließlich zeigen sich Parteimitglieder immer wieder unzufrieden mit der hiesigen Medienlandschaft. "Staatsmedien", "Lügenpresse", "Fake News" lauten die vielfach wiederholten Vorwürfe. Die größte Oppositionspartei im Bundestag fühlt sich in der medialen Darstellung benachteiligt und kündigte an, gegensteuern zu wollen. Ein eigener Newsroom soll ab April die Parteikommunikation steuern, sagte im April. "Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit Fake News gezielt schlechtgemacht wird, kann es nur diesen Weg geben."

Wie der "Focus" seinerzeit unter Berufung auf Fraktionskreise berichtete, sollen rund 20 Mitarbeiter die klassische Pressestelle unterstützen und eine Gegenöffentlichkeit – vor allem in den sozialen Medien – herstellen. Die Mitarbeiter des neuen Newsrooms sollen im Schichtbetrieb rund um die Uhr tätig sein. Drei von ihnen werden sich auf Recherche spezialisieren und Themen ausfindig machen, die laut Weidel "unter den Teppich gekehrt werden, und sie journalistisch sauber für die Öffentlichkeit aufbereiten". Zu diesem Zweck werde in den Fraktionsräumen der AfD im Berliner Jakob-Kaiser-Haus auch ein eigenes TV-Studio eingerichtet, so Weidel im "Focus". Die Parteivorsitzende versprach eine "innovative Zeitenwende".


Sucht die AfD für ihre Partei-PR den Schulterschluss mit dem Nationalisten Bannon und will von seinen Erfahrungen profitieren? Zumindest in einigen politischen Ansichten liegen AfD und der Ex-"Breitbart"-Chef eng beieinander: Kritik an etablierten Medien, Anzweifeln der Klimawandelursachen, Kampf gegen das politische Establishment, die Selbsternennung zum Anwalt der einfachen Leute. Soll Bannon, der dazu beitrug, dass in den "alternative Fakten" salonfähig wurden, der AfD helfen, eine Propagandaschleuder nach "Breitbart"-Vorbild aufzubauen?

Braucht Alice Weidel überhaupt Steve Bannons Hilfe?

Es kann bezweifelt werden, dass die AfD die breite Unterstützung Bannons überhaupt nötig hat. Längst ist die Partei in den sozialen Netzwerken hervorragend aufgestellt, hat zum Beispiel bei Facebook mehr Fans als CDU und SPD zusammen und bekommt für ihre teils provokanten Posts stets Tausende Likes. Auch in den klassischen Medien ist die AfD angekommen, hochrangige Parteivertreter können ihre Positionen regelmäßig in Talkshows verbreiten. In der politischen Berichterstattung wird Zeitungen und Onlineportalen bisweilen sogar vorgeworfen, dass sie in einem Umfang über die AfD berichten, der deutlich größer ist als die Bedeutung der Partei. Der ankündigte Newsroom dürfte dazu dienen, die Öffentlichkeitsarbeit weiter zu professionalisieren – ein Schritt, den andere Parteien bereits hinter sich haben. Hilfe aus Übersee ist dafür nicht unbedingt nötig.

Bannon kann für die AfD aber als Beispiel dafür herhalten, welche Fehler es zu vermeiden gilt. Der unbedingte Wille des Ex-"Breitbart"-Chefs, alles dekonstruieren zu wollen, führte letztendlich zur Zerstörung der eigenen politischen und publizistischen Karriere: Bei Donald Trump ist er spätestens nach der Veröffentlichung des Enthüllungsbuches "Fire and Fury" in Ungnade gefallen, weil er darin allzu offen über Interna aus dem Weißen Haus gesprochen hatte. Nach seinem Abgang aus dem präsidialen Beraterzirkel heuerte er wieder bei "Breitbart" an, aber auch diesen Job ist Steve Bannon inzwischen wieder los, nachdem sich viele Unterstützer des Portals enttäuscht von dessen Bruch mit Trump zeigten.

Jetzt ist Bannon offenbar auf der Suche nach einer neuen Rolle. In Zürich sprach er vor dem Treffen im Parky-Hyatt-Hotel auf der Veranstaltung "Weltwoche on the road". Sein Thema: das bevorstehende Ende der liberalen Demokratien in Europa und das von ihm erhoffte Erstarken nationalistischer und populistischer Initiativen. Sein Ziel: ein Netzwerk dieser populistischen Bewegungen knüpfen. Auch ein interessantes Thema für Alice Weidel.

wue/mit DPA- und AFP-Material