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WhatsApp-Sprachnachricht : AfD-Jugendfunktionär über Parteifreunde: "Sie stinken nach Angst"

"Widerwärtiges, opportunistisches, böswilliges und ekelhaftes Verhalten“ - in einer internen Sprachnachricht auf WhatsApp ruft ein AfD-Nachwuchschef zum Kampf gegen seine Gegner auf. Die sieht er keineswegs außerhalb seiner Partei.

AfD Lars Steinke

Lars Steinke im Wahlkampf unterwegs für die AfD

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Dem AfD-Politiker Lars Steinke sind Schlagzeilen eher willkommen. "Viel Feind, viel Ehr", frohlockte der 24-Jährige aus Göttingen, als die Huffington Post vor einigen Wochen über ihn berichtete. Steinke hatte damals mit einer Armbrust posiert, das Foto in den sozialen Medien veröffentlicht und mit "Allzeit kampfbereit" kommentiert.

Mit seiner "Kampfbereitschaft" hat Steinke es in Niedersachsen an die Spitze der Jungen Alternativen (JA) gebracht, der AfD-Nachwuchsorganisation. Kontakte zu der rechtsextremen und vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung haben Steinkes politischer Karriere bislang nicht geschadet, ebenso wenig sein Engagement beim rechtsextremen "Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen".

Die Landtagsfraktion der AfD in Niedersachsen hat ihm kürzlich eine geringfügige Beschäftigung verschafft. "Wir haben uns überlegt, dass wir in der Fraktion jungen Leuten eine Chance geben wollen, Einblick zu bekommen in die parlamentarische Arbeit", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Klaus Wichmann im Januar dem NDR. Steinke allerdings scheint bei der AfD etwas mehr als "Einblicke in die parlamentarische Arbeit" zu wollen.

Steinke: Wir werden ihr schlimmster Albtraum sein

Dem stern liegt eine Sprachnachricht vor, die Steinke Parteifreunden schickte und die seit gestern bundesweit in AfD-internen WhatsApp-Gruppen kursiert. Steinke wendet sich darin an Mitstreiter - mit einem feurigen Aufruf. Hintergrund ist der Bundeskongress der JA Mitte Februar. Der Landeschef aus Niedersachsen will dort offenkundig an die Macht oder, wie er selbst es formuliert, "endgültig und ein für Allemal diesem widerwärtigen, opportunistischen, böswilligen und ekelhaften Verhalten" seiner Gegner "ein Ende setzen".

Beschwörend klingt Steinkes Stimme, er will motivieren und redet dafür erst einmal den "Gegner" klein. Eine E-Mail, die er verfasst habe, werde bei den Gegnern "wie ein Lauffeuer" verbreitet. Das zeige, dass diese Angst hätten: "Unsere Gegner stinken nach Angst, und wir werden genau das sein: ihr schlimmster Albtraum."

Als Vorbild für sein Vorgehen auf Bundesebene dienen Steinke seine Erfahrungen im eigenen Landesverband, Niedersachsen. Rund ums seine Wahl zum Chef hatten dort mehrere JA-Kader Steinke wegen dessen radikaler rechter Gesinnung kritisiert. "Unser Niedersachsen, nur auf Bundesebene", gibt Steinke nun als Marschrichtung vor.

Steinke: Gegner wollen sich Geld und Macht erschleichen

Steinke beschreibt sich und seine Helfer in der WhatsApp-Nachricht als Mehrfach-"Retter". Sein Plan: "Erst retten wir die JA in Niedersachsen. Dann retten wir die JA auf Bundesebene. Dann retten wir mit der JA die AfD. Und dann retten wir mit der AfD Deutschland." Demnach muss nicht nur der AfD-Nachwuchs, sondern auch die ganze Mutterpartei von Steinke und seinen Unterstützern gerettet werden.

Der stern fragte Lars Steinke, wer denn seine "Gegner" sind. Er beschrieb sie als Leute, die in ihren Landesverbänden wenig leisten und sich "nur persönlich profilieren wollen. Einige wollen kandidieren bei der Europawahl, da machen sich Posten natürlich gut. Es geht ihnen um ihre eigenen Vorteile. Es geht ihnen darum, das würde ich schon sagen, sich Geld und Macht zu erschleichen". Namen nannte Steinke nicht.