HOME

Berlin³: Merkel-PK: Ein Tritt vor Trumps Schienbein

Die Kanzlerin lässt auf ihrer Pressekonferenz durchblicken, dass sie den US-Präsidenten für einen Rassisten hält und gibt ihm einen Hieb mit. Ob AKK nun bessere Chancen hat, ihre Nachfolgerin zu werden, sagt Merkel nicht.

Sommer-Pressekonferenz: Merkel distanziert sich deutlich von Trump – und äußert sich zu ihrer Gesundheit

Es gibt Last-Minute-Tore im Fußball, die Bayern können ein Lied davon singen. Manchmal, eher selten, gibt es sie auch in der Politik. Angela Merkel hat am heutigen Freitag, kurz bevor sie in ihren nur von der Vereidigung der neuen Verteidigungsministerin unterbrochenen Urlaub abdampft, eins geschossen. Es war ihre allerletzte Antwort auf die allerletzte Frage in ihrer anderthalbstündigen Presskonferenz mit der Berliner Hauptstadtpresse.  Ein Wort. Zwei Buchstaben. Ein schlichtes "Ja" - auf die Frage, ob sie sich mit den von US-Präsident Donald Trump rassistisch beleidigten US-Politikerinnen solidarisiere. 

Sie tut das.

Da lässt sich einiges draus stricken, das ist der Stoff aus dem Nachrichten gemacht sind: Merkel hält Trump für einen Rassisten, zum Beispiel. Merkel weist Trump in die Schranken. Merkel kritisiert Trumps Ausfälle scharf. Solche Zeilen.

Immerhin, eine klare Haltungsnote kurz vor Ferienbeginn. Merkel entfleuchen unmissverständliche Positionen insbesondere in heiklen Angelegenheiten in der Regel ja eher, als dass sie sie raushaut. 

Die turbulente Woche der Angela Merkel 

So war es auch diesmal wieder. Anderthalb Stunden dominierte eher der zähe Erklärungsfluss zur eigenen Befindlichkeit, zu AKK und von der Leyen. Es liegt ja durchaus eine turbulente Woche hinter der Kanzlerin, man kann sagen, Weichen für die Nach-Merkel-Zeit wurden gestellt.

Sommer-Pressekonferenz: Merkel distanziert sich deutlich von Trump – und äußert sich zu ihrer Gesundheit

Was ihre Gesundheit angeht, da ist sie, soweit man das sagen kann, wohlauf. Die Bundespressekonferenz, die sie logischerweise im Sitzen absolviert, nutzt sie mit der wortgleichen Formulierung von vor einigen Tagen dazu, Bedenken vom Tisch zu wischen, sie könne das Amt gesundheitlich nicht mehr ausüben. Es sei, so Merkel gestelzt, "richtig, dass ich mich zu der Verantwortung bekenne, handlungsfähig zu sein." Interpretationen aus der Halbdistanz: Sie ist fieberfrei.   

Und AKK? Gute Wahl. Richtig. Was soll sie auch sagen? Dass ihre Beförderung auf den Posten der Verteidigungsministerin eine Katalysatorfunktion hat, um alsdann der Saarländerin den Sprung ins Kanzleramt zu erleichtern, will Merkel so nicht sehen. Das entscheide die Partei zu gegebener Zeit – und Merkel macht dabei nicht den Eindruck, als ob die aktuellen Ereignisse am Zieldatum 2021 etwas geändert hätten. 

Mit nur einem Wort Trump vors Schienbein getreten

Und Ursula von der Leyen? Die ist ja nun nach Europa aufgebrochen, das erste Mal wieder eine Deutsche auf dem Chefsessel der EU-Kommission nach über 50 Jahren – auch hier ist die Kanzlerin zufrieden, verweist auf quasi einstimmige Nominierung von der Leyens vom Europäischen Rat und nutzt die Gelegenheit für einen Seitenhieb auf die SPD. Man sollte als Deutsche nicht die einzigen sein, die darüber in Europa griesgrämig rumlaufen.

Es gab schon Sätze in Merkels Sommerpressekonferenzen, die über Jahre die politischen Debatten bestimmt haben (2015 ihr: "Wir schaffen das"). Diesmal war keiner dabei. Nur ein Wort. Ein Ja. Sie hat damit Trump vors Schienbein getreten. Gut gemacht. Man möchte ihr zurufen: Und schönen Urlaub noch!