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Angela Merkel bei Donald Trump Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump
Das war's: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump verlassen ihre erste gemeinsame Pressekonferenz
© Michael Kappeler/DPA
Angela Merkel und Donald Trump reden miteinander. Lust hat keiner dazu, das merkte man beiden während der ersten gemeinsamen Pressekonferenz an. Aber es geht nicht anders.
Von Stefan Schmitz, Washington

Es sind unschöne Dinge gesagt worden in der Vergangenheit. Eigentlich passt man nun wirklich nicht zusammen, aber irgendwie – um der Wirtschaft willen und für den Weltfrieden – muss es nun einmal gehen. Da standen sie also, im East Wing des Weißen Hauses: der amerikanische Präsident und die deutsche Kanzlerin. Sie sagten, was man eben so sagt unter Erwachsenen, die einander nicht aus dem Weg gehen können. Warmherziger Empfang, große Freude, gute Gelegenheit. Solche Sachen. Wenn Merkel sprach, schaute Trump in die Ferne. Wenn Trump Fragen beantwortete, ging es um die Gesundheitsreform oder seine Abhörvorwürfe gegen Vorgänger Barack Obama.

Denn das interessiert in diesen Tagen in Washington. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden noch etwas warten müssen, bis sie geklärt werden können. Merkel weiß das natürlich. Sie bereitete den Boden für kommende Versöhnungen und kommenden Streit. Virtuos schuf sie so etwas wie eine Basis, wenn es um den Handel geht, in dem Deutschland gigantische Überschüsse erzielt. Fair müsse es zugehen, sagte sie. Wer wollte da widersprechen? Trump nicht. Nur seine und ihre Vorstellungen von Fairness dürften, wenn man sie verbinden will, ziemlich heftig miteinander reagieren. Auch bei anderen Themen wie den Verteidigungsauskommen blieb es hinreichend unkonkret.

Keine Scheu vor Machos mit komischen Frisuren

Vielleicht müssen erste Treffen so sein. Ein Beschnuppern, ein kleiner Check, ob der andere dem Bild entspricht, das man sich von ihm gemacht hat. Eine leichte Bockigkeit ließ Trump aufblitzen, als er Merkel einen zweiten Handschlag für die Fotografen verweigerte. Dass sie keine Scheu vor Machos mit komischen Frisuren hatte, zeigte die Kanzlerin dann, als sie noch einmal deutlich machte, dass es in der Flüchtlingspolitik auch um die Flüchtlinge gehe. In Trumps Welt eine erstaunliche Erkenntnis.

Merkel konnte gleich Trumps ganze Truppe in Aktion sehen. Den ziemlich kleinen Sprecher Sean Spicer, der so laut bellen kann. Den undurchsichtigen Chefideologen Stephen Bannon, der etwas entrückt der Pressekonferenz folgte. Und die eindrucksvolle Präsidententochter Ivanka Trump, die Merkel bei dem Besuch ganz nahe kam, was wohl als Signal zu verstehen war: Wir wollen einen ordentlichen Start hinbekommen.

Neuen Ärger kann Trump im Moment tatsächlich nicht gebrauchen. Die Gesundheitsreform und sein Haushaltsentwurf stoßen auf Widerstand bei den eigenen Leuten, der Einreisestopp für Menschen aus sechs überwiegend muslimischen Staaten wird von Gerichten blockiert. Und seine haltlosen Angriffe auf Obama lassen sich nur noch mit abenteuerlichen Wortverdrehungen rechtfertigen. Er steht enorm unter Druck. Die beiden müssen reden, irgendwann auch mal ernsthaft. Aber beim ersten Mal war nicht mehr drin.


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