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Angela Merkel wird 50: Politik beim Gemüseputzen

Vor nicht allzu langer Zeit galt Angela Merkel noch als "das Mädchen", mittlerweile ist sie eine der mächtigsten Frauen der Republik. Am Sonnabend wird die CDU-Chefin 50 Jahre alt - und widmet sich, wie immer, komplexen Systemen.

Die CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Angela Merkel ist in Berlin nicht gerade als Party-Löwin bekannt. Fein dosiert sucht sie sich die Feste aus, die sie mit ihrer Anwesenheit beehrt. Merkel ist auch keine Frau, die sich gerne feiern lässt. Beifall auf Parteitagen oder von der CDU-Basis nimmt sie auch vier Jahre nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin noch immer fast verlegen entgegen.

So ist es auch keine große Überraschung, dass das einstige "Mädchen" von Helmut Kohl ihren 50. Geburtstag an diesem Samstag eher zurückgezogen verlebt. Mit ihrem Mann und wenigen engen Freunden will sie anstoßen, heißt es. "Es war mein größter Wunsch, nur mit der engsten Familie zu Hause zu feiern." Es werde frische Forellen vom Fischer geben.

Aber auch offiziell wird es kein rauschendes Fest oder eine feucht-fröhliche Party geben. Sie hat dies schlichtweg abgelehnt. Irgendwie passt es zu der promovierten Physikerin, dass sie ihren runden Geburtstag am Montag in eine Spezialausgabe des CDU-Diskussionsforums "Berliner Gespräche" einbringt. Thema: "Das Gehirn: Ein Beispiel zur Selbstorganisation komplexer Systeme."

Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer hält den Festvortrag. Viele Adressaten legten die Einladung zu diesem Termin zunächst achtlos zur Seite. Erst auf Nachfrage, ob zu Merkels Fünfzigsten "etwas von der Partei geplant" sei, bemerkten sie den Hintersinn.

Mit "komplexem Systemen" hat Merkel beinahe täglich zu tun. Erst jüngst warnte sie ihre Partei vor "Selbstherrlichkeit" und mahnte, die CDU müsse noch an sich arbeiten, um von den Menschen als Alternative zu Rot-Grün angesehen zu werden. Was sie längst in trocknen Tüchern glaubte - Gesundheits- und Steuerreform - wird von den eigenen Leute wieder hinterfragt. Dennoch zweifelt kaum jemand in der Union, dass sich Merkel am Ende durchsetzen wird. Gegenwärtig sei auch keine Konstellation denkbar, mit der ihr die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2006 streitig zu machen sei.

Merkel, so behaupten Mitglieder der Führungsgremien ihrer Partei, habe ihren Weg ins Kanzleramt planmäßig organisiert. Auch in der Schwesterpartei CSU wird intern kaum mehr ein Zweifel gelassen, dass Merkel in zwei Jahren als Nummer eins ins Rennen gehen wird. Ihr "Meisterstück", die Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten aus dem bürgerlichen Lager und die Wahl Horst Köhlers, haben diesen Anspruch bekräftigt.

Merkel ist eine öffentliche Person, aber keine, die ihr Seelenleben preis gibt. Die Art und Weise, wie sie ihren Geburtstag feiert, ist dafür ein Indiz. Sie redet zwar ausführlich über ihre Kindheit in der DDR, ihre Tätigkeit in der DDR-Jugendorganisation FDJ, ihr Studium, ja sogar über ihre erste Ehe. Tief in ihr Privatleben lässt sie aber niemand blicken. Ihre Eheschließung mit dem Chemieprofessor Joachim Sauer - damals war sie schon CDU- Generalsekretärin - tat sie mit einer kleinen Anzeige kund.

Soviel Privatleben wie unbedingt notwendig

Ihr Privatleben will die Pfarrerstochter erhalten. Sie habe davon gerade so viel "wie unbedingt notwendig ist, um überleben zu können", sagt sie bedauernd. So gibt es bislang auch keine Bilder mit Merkel auf ihrem Wochenendgrundstück in der Uckermark. Belustigt erzählt sie allerdings gerne, dass ihr beim Gemüseputzen gute politische Gedanken einfielen.

Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Zeit für ihren Mann zu haben. "Man muss aufpassen, dass man von den Sorgen und Problemen des anderen genug mitkriegt, auch wenn man selbst vielleicht gerade nicht die emotionale Kraft hat, sich damit auseinander zu setzen", sagt sie.

Manchmal gebe aber Momente, in denen sie sich frage, ob sie in ihrem Leben vielleicht etwas verpasse. "Wenn ich zum Beispiel aus meinem Büro die Menschen in der Sonne flanieren sehe und gleichzeitig den ganzen Tag von Sitzung zu Sitzung eile." Und auch nachts, wenn sie nach einem Termin noch stundenlang auf der Autobahn sei, "da gibt es schon so etwas wie Momente der Einsamkeit", sagt Merkel.

Aber sie ist eben ein Machtmensch, auch widerspricht sie nicht, wenn sie so bezeichnet wird. "Macht an sich ist nichts Schlechtes." Es komme auf die Art und Weise ihrer Ausübung an.

DPA/AP / AP / DPA