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Weihnachtsmarkt-Attentat: Berlin-Attentäter Anis Amri posierte nach der Tat vor Überwachungskamera

Der mutmaßliche Berlin-Attentäter Anis Amri hat unmittelbar nach der Tat vor einer Überwachungskamera posiert. Laut Bundesanwaltschaft war er sich bewusst, dass er gefilmt wurde. Ein Kontaktmann sitzt unterdessen in Untersuchungshaft.

Der Terrorverdächtige Anis Amri wird im Zusammenhang mit den Anschlägen von Berlin gesucht

Anis Amri: Dass er der Berlin-Attentäter ist, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Kurz nach dem Anschlag posierte er vor einer Überwachungskamera.

Nach der Durchsuchung der Unterkunft eines Kontaktmanns des Berliner Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri hat die Berliner Justiz Haftbefehl gegen den 26-jährigen Tunesier erlassen. Allerdings stehe dieser nicht im Zusammenhang mit dem Anschlag, sondern weil der Mann in der Hauptstadt des Sozialbetrugs verdächtigt werde, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Mittwoch in Karlsruhe. Die Verdachtsmomente im Hinblick auf ein Treffen des Manns mit Amri am Vorabend der Tat reichten nicht aus für einen Haftbefehl wegen Mitwisserschaft, hieß es. Zuvor hatte die italienische Polizei bestätigt, dass die bei Amri in Mailand gefundene Waffe auch während des Attentats in Berlin verwendet wurde. In der norditalienischen Stadt war Amri am 23. Dezember bei einem Schusswechsel mit Polizisten erschossen worden.

Die Informationen aus Italien wurden von der Bundesanwaltschaft, die am Mittwoch über die Ermittlungsergebnisse unterrichtete, bestätigt. Der tödliche Schuss auf den polnischen Lkw-Fahrer sei am Parkplatz des Lastwagens am Friedrich-Krause-Ufer erfolgt, hieß es. Der Fahrer habe zu dem Zeitpunkt auf dem Beifahrersitz gesessen. Dies habe unter anderem die Untersuchung von Schmauchspuren ergeben. Eine am Lkw sichergestellte Hülse passe zu der in Italien entdeckten Waffe. Köhlers Angaben zufolge befand sich zum Tatzeitpunkt keine dritte Person in der Fahrerkabine.

Kein Zweifel mehr an Täterschaft von Anis Amri

Zweifel daran, dass Anis Amri tatsächlich der Täter des Lastwagen-Anschlags vom 19. Dezember ist, hat die Bundesanwaltschaft nicht mehr. "Nach unseren Erkenntnissen, nach all dem, was wir zusammengetragen haben, gehen wir davon aus, dass Anis Amri den Anschlag begannen hat", sagte Köhler. Nun werde ermittelt, ob jemand etwas von den konkreten Anschlagsplänen gewusst und ob es Helfer gegeben habe.

Wie Frauke Köhler weiter schilderte, ist Amri direkt nach dem Anschlag von einer Kamera am Bahnhof Zoo aufgezeichnet worden. Es sei davon auszugehen, dass der Mann auf dem Video Amri sei, sagte die Sprecherin. Er sei sich der Aufzeichnung offenkundig auch bewusst gewesen. Der Mann habe den erhobenen Zeigefinger in Richtung Kamera gezeigt - ein Gruß, der von IS-Anhängern bekannt ist. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft handelte es sich um den sogenannten "Tauhid-Gruß". Der gestreckte Zeigefinger symbolisiert dabei den Glauben an den einen und einzigartigen Gott ("Tauhid") und gilt als sichtbarer Ausdruck des muslimischen Glaubensbekenntnisses, in dem bezeugt wird, dass es neben dem einen Gott Allah keine anderen Götter gibt.

Wo sich Amri am 20. Dezember, dem Tag nach dem Attentat, aufgehalten ist noch unklar. Vieles spricht dafür, dass er im Ruhrgebiet war, wo er verschiedene Kontakte hatte, und von dort in die Niederlande reiste. Dort wurde er am 21. Dezember von einer Überwachungskamera am Hauptbahnhof in Nimwegen gefilmt. Später ging es über Amsterdam nach Frankreich und Italien, wo er am 23. Dezember in den Schusswechsel mit der Polizei geriet. Die Leiche des 24-Jährigen befindet sich immer noch bei den Ermittlungsbehörden in Monza. Bei weiteren Untersuchungen soll geklärt werden, ob Amri Drogen genommen hat. Bisher habe selbst die Familie den Leichnam nicht zurückgefordert, heißt es.


dho / DPA / AFP