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Anschlag auf Synagoge: Anklage gegen Halle-Attentäter Stephan B. – Opfer: "Ich will ihm nicht in die Augen schauen"

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde von Halle will beim Prozess gegen Amokläufer Stephan B. als Nebenkläger auftreten. "Ich hoffe, dass das Gericht sehr präzise die Hintergründe erforschen wird", sagte Max Privorozki dem stern. Der Täter sei "einfach nur krank".

Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Halle

Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Halle, will in dem bevorstehenden Prozess als Nebenkläger auftreten. Die Menschen in seiner Synagoge waren das Ziel des rechtsradikalen Attentäters Stephan B.

DPA

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, will am bevorstehenden Prozess gegen den rechtsradikalen Attentäter Stephan B. nicht nur als Zeuge teilnehmen. "Ich habe vor, als Nebenkläger aufzutreten", sagte Privorozki dem stern. "Ich hoffe, dass das Gericht sehr präzise die Hintergründe erforschen wird, zum Beispiel, wie diese antisemitische Paranoia sich entwickelt hat." Er habe von anderen Menschen, die wie er am Tag des versuchten Anschlags in der Synagoge waren, gehört, dass sie ebenfalls die Zulassung als Nebenkläger beantragen wollen.

"Dieser Mensch ist einfach nur krank"

Mit Privorozki waren zum Zeitpunkt des Attentatsversuches rund 50 Menschen in dem jüdischen Gotteshaus. In dem Strafverfahren gegen Stephan B. will er erreichen, dass auch das Leid der Opfer thematisiert wird. Er wolle aber so wenig wie möglich persönlich im Gerichtssaal sein. Und wenn, dann wolle er dem Angeklagten dabei nicht in die Augen schauen. Privorozki zum stern: "Was soll ich in diesen Augen sehen? Den paranoiden Hass auf Juden? Dieser Mensch ist einfach nur krank."

Die Anklage gegen den Attentäter von Halle erhebt der Generalbundesanwalt. Die entsprechende Anklageschrift ist mittlerweile beim Oberlandesgericht Naumburg in Sachsen-Anhalt eingegangen, bestätigte ein Gerichtssprecher der Nachrichtagentur DPA.

Details zu den Anklagepunkten nannte er nicht. Die monatelangen Ermittlungen gegen Stephan B. liefen nach stern-Informationen wegen des Vorwurfs des zweifachen Mordes und des siebenfachen versuchten Mordes, wobei mehrere Mordversuche "tateinheitlich" zusammengefasst wurden.

Nach Überzeugung der Ermittler hat der inzwischen 28-jährige Beschuldigte geplant, am 9. Oktober 2019 die mit über 50 Menschen besetzte Synagoge in Halle zu stürmen und dort so viele Menschen wie möglich zu töten. Eine massive Holztür verhinderte, dass er sein Vorhaben umsetzen konnte. In der Folge erschoss der Attentäter die zufällig an dem Gotteshaus vorbeikommende Passantin Jana L., 40, und wenig später in einem Döner-Imbiss den 20-jährigen Handwerker Kevin S. Zwei weitere Opfer wurden durch Schüsse schwer verletzt.

Prozess gegen Halle-Attentäter startet in Kürze

Die Waffen für den Anschlag stellte B. größtenteils selbst her. Nach Erkenntnissen der Ermittler handelte der Attentäter alleine, als Motiv nannte er in mehreren Vernehmungen Hass auf Juden und Moslems. Er hat die Tat gestanden. Hinweise auf Hintermänner oder Mitwisser haben sich in den Ermittlungen nicht ergeben. Der Anschlag von Halle hatte über Deutschland hinaus für Entsetzen gesorgt.

Der Prozess wird vom Oberlandesgericht Naumburg geführt, allerdings aufgrund des erwarteten Besucherandrangs und der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen in einen Saal des Landgerichts in Magdeburg verlegt. Es wird erwartet, dass das Verfahren noch im Mai, spätestens aber im Juni beginnt. Zunächst habe die Verteidigung in einem Zwischenverfahren Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, erklärte der Gerichtssprecher weiter.

Wie sich das Gericht auf den Prozess gegen Stephan B. vorbereitet, lesen Sie ausführlich hier.