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Atomkraftwerke: Ministerin will Reaktor vom Netz nehmen

Nach dem Feuer in einem Atomkraftwerk bei Hamburg muss die Ursachenforschung wegen der großen Hitze warten. Doch vielleicht hat der Kurzschluss im Meiler Brunsbüttel den Brand verursacht. Der war laut Greenpeace gar nicht so ungefährlich. Die zuständige Ministerin will die Reaktoren vom Netz nehmen.

Nach dem Feuer in einem Trafogebäude des Atomkraftwerks Krümmel in Geesthacht bei Hamburg hindert die große Hitze Experten weiter an der Brandort-Untersuchung. "Es gibt noch einen Brandherd innerhalb des Trafos, der noch mit Wasser gelöscht wird", sagte Vattenfall Europe-Sprecher Ivo Banek. "Es herrschen am Brandort noch mehrere hundert Grad Hitze". Er rechnete nicht damit, dass noch im Laufe des Tages mit der Ursachenforschung in dem betroffenen Trafogebäude begonnen werden kann.

Auf dem Gelände der Anlage in Krümmel war in einer Trafostation ein Feuer ausgebrochen, worauf der Meiler automatisch vom Netz genommen wurde. Im Atomkraftwerk Brunsbüttel hatte zwei Stunden vor dem Zwischenfall in Krümmel ein Kurzschluss zum Herunterfahren der Anlage geführt. Banek wollte einen Zusammenhang zwischen dem vorangegangenen Kurzschluss und dem Runterfahren des Atomkraftwerks Brunsbüttel und dem Brand in Krümmel nicht mehr ausschließen. "Wenn ein großer Einspeiser wie Brunsbüttel vom Netz geht, dann kommt es zu Spannungsschwankungen." Möglicherweise hätten diese sich auch auf das Kraftwerk in Krümmel ausgewirkt. Das werde jetzt untersucht. Durch Spannungsschwankungen waren rund 800 Ampeln in Hamburg ausgefallen. Auch die U-Bahnen standen auf allen Linien kurzfristig still.

Behörden: Keine Gefahr für Bevölkerung

Zur Erforschung der Brandursache werden nach Baneks Angaben externe Gutachter herangezogen. Die für die Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) erwartete erste Ergebnisse am Wochenende. In einem Interview mit dem Radiosender NDR Info betonte Trauernicht außerdem die Notwendigkeit, die Reaktoren vom Netz zu nehmen. "Es wird immer aufwendiger die Sicherheit in diesen alten Reaktoren auch wirklich sicherzustellen", sagte sie dem Sender.

In beiden Fällen trat keine Radioaktivität aus, Menschen wurden nicht verletzt. Laut Behördengaben gab es keine Gefahr für die Bevölkerung. Die Schadenshöhe nach dem Feuer im Atomkraftwerk Krümmel kann noch nicht beziffert werden. Die zwei heruntergefahrenen Kraftwerke liefern nach Angaben der Betreiber normalerweise die Hälfte des in Schleswig-Holstein erzeugten Stroms..

Nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace hätte sich der Brand in der Trafostation im Atomkraftwerk Krümmel über Kabeltrassen in den Reaktor ausbreiten können. Er sei daher gefährlich gewesen. Auch eine Messung der Umweltschutzorganisation zeigte keine erhöhte Radioaktivität in der Umgebung.

Nach den Pannen in den Atomkraftwerken haben die Grünen ihre Forderung nach einem Atomausstieg bekräftigt. "Die Vorfälle zeigen: Es ist unverantwortlich, an den Sicherheitsfragen achtlos vorbei zu gehen, wie es die Atomlobby gern täte", sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer der Hannoverschen "Neuen Presse". Eine Laufzeitverlängerung, wie von Unionspolitikern und Kraftwerksbetreibern angestrebt, sei politisch inakzeptabel.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms sagte der Zeitung, Krümmel gehöre zu jenen Reaktoren, bei denen es gute Gründe gebe, sie stillzulegen. Das Mindeste sei, sie zu dem Zeitpunkt abzuschalten, der im Atomkonsens vereinbart worden sei. "Bestürzend ist allerdings, dass dieser Konsens längst von der Atomindustrie aufgekündigt worden ist. Und dass diese vor dem Energiegipfel nächste Woche riesigen Druck auf die Politik macht, um die Laufzeiten zu verlängern", sagte Harms.

DPA/AP / AP / DPA