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Atommüll am Ziel: Castortransport erreicht Gorleben

Es war der längste und teuerste aller Castortransporte: Nach mehr als fünf Tagen hat der Atommüll aus La Hague Gorleben erreicht. Kurz vor dem Ziel gelang zwei Aktivisten noch ein Überraschungscoup.

Nach mehr als fünf Tagen hat der längste Castortransport aller Zeiten am späten Montagabend das Zwischenlager Gorleben erreicht. Der Konvoi ins niedersächsische Wendland wurde durch Blockaden Tausender Atomkraftgegner auf den Schienen und der Straße immer wieder aufgehalten. Die elf Atommüll-Behälter waren am Mittwoch nahe der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet.

Die letzte 20 Kilometer lange Etappe war von einem riesigen Polizeiaufgebot gesichert. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf das Führerhaus des ersten Castor-Tiefladers zu klettern. Daraufhin musste der Tross unplanmäßig für mehr als eine Stunde stoppen. "Die beiden kamen praktisch aus dem Nichts", sagte ein Polizeisprecher. Schließlich gelang es Spezialkräften, das Duo vom Transporter zu holen.

Greenpeace überrascht Polizei

Zuvor hatten rund 1000 Menschen bei Kälte und über Nacht die Zufahrt zu der Lagerhalle in Gorleben blockiert. Nach Angaben der Atomkraftgegner harrten sie dort länger als 25 Stunden aus. Die Polizeikräfte räumten die Straße und mussten viele der Demonstranten wegtragen. Am Montagvormittag war es Aktivisten von Greenpeace gelungen, die Polizei mit einem Trick zu überraschen. Sie versperrten mit einem Kleintransporter eine Castortransportstrecke und verankerten sich mit Betonklötzen am Asphalt.

Die Demonstranten wollten den Atommüll-Konvoi stoppen, weil sie das oberirdische Zwischenlager mit dem strahlenden Abfall für zu unsicher halten. Außerdem forderten sie die Bundesregierung auf, den Salzstock in Gorleben als möglichen Endlager-Standort aufzugeben.

Polizei und Aktivisten werfen sich gegenseitig Gewalt vor

"Die Polizei hat versucht, mit Gewalt unseren Willen zu brechen, sich dem Castor gewaltfrei in den Weg zu setzen", sagte Luise Neumann-Cosel von der Antiatom-Organisation X-tausendmal quer. Die Initiativen beklagten, die Polizei sei überzogen gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese hatten Beamte laut einem Polizeisprecher mit Feuerwerkskörpern beworfen und Strohballen angezündet.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) monierte dagegen zunehmende und aggressivere Angriffe gegen Beamte. "Der Vorwurf, dass Gewalt von der Polizei ausgegangen ist, ist sehr einseitig", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. Die gegen Polizisten eingesetzten Waffen würden immer brutaler. Beim Castor seien etwa aus den Reihen der Demonstranten nagelgespickte Golfbälle geworfen worden, sagte Witthaut.

Transporte aus Sellafield könnten folgen

Obwohl die schwarz-gelbe Bundesregierung in diesem Jahr den Atomausstieg bis 2022 beschlossen hat, hat der Widerstand der Atomkraftgegner nicht nachgelassen. Auch der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigten Suche nach einem alternativen Zwischenlager, schenken die Demonstranten keinen Glauben. Sie fordern eine neue Endlagersuche unter Ausschluss von Gorleben.

Der Castortransport war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Es könnte aber noch weitere aus dem englischen Sellafield folgen. Im Zwischenlager stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich wieder zurückzunehmen.

mad/DPA / DPA