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Fliegerhorst Büchel: USA stationieren neue Atomwaffen in Deutschland

Bis zu zwanzig Atomsprengköpfe aus dem Kalten Krieg soll es noch in Büchel in Rheinland-Pfalz geben. Eigentlich wollte Berlin für den Abzug der Waffen durch die USA sorgen. Doch nun passiert das Gegenteil.

Der Eingangsbereich des Bundeswehr-Fliegerhorsts in Büchel

Der Eingangsbereich des Bundeswehr-Fliegerhorsts in Büchel. Im Kriegsfall sollen laut "Frontal 21" deutsche Tornado-Piloten Angriffe mit den hier gelagerten US-Bomben fliegen.

Die USA wollen offenbar in Kürze neue Atombomben auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationieren. Die Vorbereitungen dazu würden in diesen Tagen beginnen, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" unter Berufung auf US-Haushaltspläne. Rüstungsexperten hätten bestätigt, dass die neuen taktischen Nuklearwaffen vom Typ B 61-12 wesentlich zielgenauer seien als die Atombomben, die bislang in Büchel lagern. Im Kriegsfall sollen dem Bericht zufolge deutsche Tornado-Piloten im Rahmen der Nato-Strategie der so genannten "Nuklearen Teilhabe" Angriffe mit den US-Bomben fliegen. "Mit den neuen Bomben verwischen die Grenzen zwischen taktischen und strategischen Atomwaffen", zitiert "Frontal 21" den dänische Friedensforscher Hans Kristensen vom Nuclear Information Projects in Washington.

"Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen üben, und zwar im Rahmen der Nato-Praxis der Nuklearen Teilhabe", erklärte das russische Außenministerium gegenüber dem ZDF-Magazin. Das sei eine Verletzung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen.

Bundesergierung sollte sich für Abzug einsetzen

Experten gehen davon aus, dass in Büchel noch zwischen zehn und zwanzig amerikanische Sprengköpfe aus Zeiten des Kalten Krieges lagern. Eigentlich sollten diese längst verschwunden sein. Bereits die Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Guido Westerwelle (FDP) setzten sich während ihrer Amtszeiten für einen Abzug der Waffen ein. Auch der Bundestag verpflichtete im März 2010 mit großer Mehrheit die Bundesregierung, sich "gegenüber den amerikanischen Verbündeten mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einzusetzen".

Doch alle Forderungen, die Waffen von deutschem Boden abzuziehen, blieben bisher ohne Erfolg. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte kürzlich im Bundestag: "Das Thema ist keineswegs aufgegeben. Aber es ist ebenso schwierig wie in den vergangenen Jahren."

Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler bestätigte dem Bericht zufolge, dass der Bund in den kommenden Jahren rund 120 Millionen Euro in den Bundeswehrstandort Büchel investieren wolle. Mit dem Geld solle die Landebahn des Flugplatzes mit einem modernen Instrumentenanflugsystem ausgestattet werden. Auch weitere europäische Standorte amerikanischer Atomwaffen wie die Luftwaffenbasen in Incirlik/Türkei und Aviano/Italien würden modernisiert, erklärte Friedensforscher Kristensen. Dort solle ebenfalls mit neuen Nuklearbomben vom Typ B 61-12 nachgerüstet werden.

mad