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Ausländerbericht der Bundesregierung: Bildung - Großbaustelle der Integration

Sie werden in der Schule benachteiligt und finden nur schwer eine Ausbildung: Der Bericht zur Lage der Ausländer stuft die Situation vieler Jugendlicher mit Migrationshintergrund als dramatisch ein. Die Integrationsbeauftagte Maria Böhmer will gegen die "Großbaustellen der Integration" mit Sprachförderung zu Felde ziehen.

Migranten haben nach Einschätzung der Bundesregierung in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt immer noch dramatische Probleme. "Diese Großbaustellen der Integration müssen wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des 8. Berichts zur Lage der Ausländer. "Noch kann von Chancengleichheit keine Rede sein."

Jugendliche mit ausländischen Wurzeln seien im Bildungssystem benachteiligt, monierte die CDU-Politikerin. "Jugendliche aus Zuwandererfamilien sind im Schnitt seltener auf Gymnasien und überproportional häufig auf Hauptschulen", heißt im Bericht. Zwar habe sich das Bildungsniveau insgesamt erhöht, mit dem Erreichten dürfe man jedoch nicht zufrieden sein, so Böhmer.

Kostenfreies letztes Kindergartenjahr?

Von zentraler Bedeutung sei die Sprachförderung von Anfang an, sagte Böhmer weiter. Im Bundesdurchschnitt gingen jedoch neun Prozent weniger Kinder mit Migrationshintergrund in Kindergärten als solche ohne. "Deswegen fordere ich, dass der Besuch des letzten Kindergartenjahres kostenfrei wird."

Beim Übergang von der Schule zur Ausbildung bräuchten ausländische Jungendliche wesentlich länger als solche, die nicht aus Einwandererfamilien stammen. "Es darf aber niemand wegen seines Namens aussortiert werden", mahnte Böhmer.

Im Jahr 2008 hätten unter den 15- bis 19-jährigen Migranten 13,3 Prozent keinen Schulabschluss erreicht, erläuterte Böhmer. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund seien es dagegen nur sieben Prozent. "13,3 Prozent ist eindeutig zu viel." Als Ursache nannte sie vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und geringe Bildung im Elternhaus. Es sei entscheidend, ob zu Hause Deutsch gesprochen werde oder nicht.

Arbeitslosenquote fast doppelt so hoch

Auch unter den Arbeitslosen sind dem Bericht zufolge fast doppelt so viele Migranten wie Deutsche, die nicht aus dem Ausland stammen: Ihre Arbeitslosenquote lag 2008 bei 12,4 Prozent gegenüber 6,5 Prozent bei Deutschstämmigen.

Insgesamt habe die Integration in Deutschland aber an Fahrt gewonnen, betonte Böhmer. Bei Sprache, Bildung und Ausbildung seien Erfolge zu verzeichnen. Immer mehr Arbeitgeber würden erkennen, dass die Ausbildung und Beschäftigung von Migranten angesichts der demografischen Entwicklung das Gebot der Stunde sei. "Migranten sind die Fachkräfte von morgen", sagte Böhmer.

Von den 82,1 Millionen Einwohnern in Deutschland hatten 2008 rund 15,6 Millionen ihre Wurzeln im Ausland. Von ihnen haben 8,3 Millionen einen deutschen Pass.

DPA/AFP/be / DPA