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Bärgida-Demo in Berlin: "Im Koran steht, dass sie Tiere vergewaltigen dürfen"

Auch in Berlin gibt es Islamisierungs-Gegner. stern-Reporterin Anna-Beeke Gretemeier hat sich auf der Bärgida-Demo umgehört - und drei, teilweise nachdenklich stimmende Dialoge mitgebracht.

Nach meiner Pegida-Demo-Erfahrung in Dresden bin ich für das hier gewappnet. Denke ich. Und stelle mich den frustrierten Bürgern Berlins, die als Bärgida gegen die Islamisierung Deutschlands aufmarschieren wollen. Von Beginn an wird das kleine Häufchen der 300 Demonstranten von einer Gegenbewegung umzingelt. Das mit dem Marschieren zum Brandenburger Tor wird nichts. Über 5000 Menschen stehen im Weg. Sie rufen "Deutschland ist scheiße, ihr seid die Beweise" und "say it loud, say it clear: refugees are welcome here". Die Polizei nimmt kurzzeitig 19 Gegendemonstranten fest, greift aber trotz wiederholter Androhung von körperlicher Gewalt nicht weiter durch.

Nach zweieinhalb Stunden hin und her und Ausharren auf beiden Seiten, frage ich den Veranstalter Karl Schmitt, wann das Ganze denn nun vorbei sei. Bringt ja so auch irgendwie nichts, finden auch viele seiner Anhänger. Etwas hilflos guckt er mich an und sagt: "Ja, jetzt gleich." Ein Journalisten-Kollege fragt Schmitt daraufhin, ob er nicht denke, dass sie doch noch durch Berlin ziehen könnten? "Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann", antwortet Schmitt und fügt hinzu: "Wir haben unsere Lektion gelernt. Nächstes Mal machen wir das anders. Das Versammlungsrecht wurde hier und heute mit Füßen getreten." Mit kaltgefrorenen möchte ich hinzufügen.

Trotz abgesagtem Marsch konnte ich die Stunden auf dem nass-grauen Asphalt vor dem Roten Rathaus nutzen und mich unterhalten. Die Bereitschaft der Berliner Demonstranten dazu war erstaunlich hoch. In Dresden meist nur abgewiesen, wurde ich in Berlin sogar davor bewahrt in Pfützen und zersprungene rohe Eier zu treten. Ich bekam ab und an den Arm getätschelt ("Sie armes junges Ding, sie haben ja keine Ahnung vom Islam.") und ausführlich die Zustände in Berlin erläutert:

Dialog 1:

Eine junge Frau aus Schöneberg beschwichtigt aufgebrachte Demonstranten an einem Absperrungszaun, bevor die Polizei dazwischen gehen muss. "Beruhigt Euch doch mal. Nicht so aggressiv. Wir sind hier keine Nazis. Hört uns doch einfach mal zu", sagt sie zu den Linksaktivisten auf der anderen Seite. Ihr Name ist Tatiana F., sie ist Musikerin mit multikulturellen Wurzeln: "Meine Mutter ist Deutsche und Jüdin, mein Erzeuger ein farbiger Amerikaner irischen Bluts." Sie sieht nett aus, geht sonst auf Anti-Tierquäl-Demos und erklärt mir, womit wir es hier in Berlin zu tun haben: "Vor allem in Schöneberg und Neukölln musst Du Dich mal umsehen. Die ganzen Wixer da mit den erst sechs bis acht Jahre alten Ehefrauen. Das ist schlimm! Die sind mit Kindern verheiratet. Das steht so im Koran drin. Die Mädchen werden vergewaltigt, haben mit zwölf bis fünfzehn Jahren schon zwei bis drei Kinder. So etwas wird in Deutschland geduldet! Und wenn die ihre ehelichen Pflichten vernachlässigen – mein Gott!"

Tatiana ist ernsthaft erschüttert, warnt mich eindringlich vor der Islamisierung Berlins: "Die wollen uns hier ihr Recht aufzwingen. Bald gibt es keinen Alkohol mehr am Kiosk zu kaufen. Kein Sekt und auch keine Feste zum Anstoßen. Die wollen Weihnachten abschaffen." Ich bin leicht verdattert von diesem Schwung an Aussagen, da kommt das dicke Ende: "Laut Koran dürfen die auch Tiere vergewaltigen. Kürzlich wurden in Berlin erst vier Tierpuffs hochgenommen. Da waren die gequälten Tiere angekettet. Und Zoophilie wird in Deutschland nicht geahndet. Die machen hier, was sie wollen." ( Anmerkung d. Red.: § 3 S. 1 Nr. 13 TierSchG besagt: "Es ist verboten ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwinge." und wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt.)

Dialog 2:

Ein älteres Pärchen aus Wilmersdorf hält sich am Arm und versucht dem ganzen Geschehen zu folgen. Trotz Megafon sind die Bärgida-Veranstalter kaum zu verstehen. Die Gegendemonstranten grölen in der Masse lauter. Als der Mann hört, dass ich vom stern komme, schüttelt er den Kopf. "Aber warum denn nur, Mädchen? Warum machst Du denn so etwas, für die Lügenpresse schreiben? Kannst Du da nicht mal was sagen in den Konferenzen?" Ich sage, dass in den Konferenzen immer viel gesagt wird. Dass wir diskutieren und uns niemand vorgibt, was wir schreiben sollen. "Lügenpresse!", antwortet er. Die Frau greift ihm beschwichtigend am Arm und meint: "Mich kann sie ruhig interviewen."

Sie steht in ihrem braunen Pelzmantel vor mir. Klein, freundliche Augen und sagt: "Ich bin gegen alles parasitäre Leben in Deutschland. Ich will auf dem Kudamm keine Frauen mit Burka. Und so was kommt hier rein. Kopftuch ist noch was anderes. Aber Burka geht nicht." Ich frage, wie oft sie das denn schon erlebt hätte, Burka-Trägerinnen in Berlin. Der Mann sagt: "Die haben keinen Migrationshintergrund. Die haben Migrationsvordergrund. Schreib das mal Mädchen. Und sag dem stern, dass sie aufhören sollen, in ihren Texten Adjektive zu verwenden."

Dialog 3:

Vor mir steht ein großer bärtiger Mann, der sein imposantes "Hungerstreik"-Plakat ausbreitet. "Wofür streiken Sie denn?" frage ich. "Für das Wohnrecht auf meinem eigenen Grundstück," antwortet er. Als ich nicht sofort verständnisvoll reagiere, fügt er erklärend hinzu: "Jahrelang haben dort immer Menschen gelebt. Und nun will man mir die Wohnnutzung entziehen – nach vierzehn Jahren. Wegen irgend’ so neuen Bebauungsplänen." Ich frage, was das denn mit dieser Demo zu tun habe.

Er sagt: "Es kann nicht angehen, dass Flüchtlinge in diesem Land einfach Wohnungen bekommen und die eigene Regierung mit einem selbst so wie in meinem Fall verfährt." Er würde diese Veranstaltung schlicht als Plattform nutzen – für die eigene Sache. An sich sei er sehr weltoffen erzogen worden: "Mein Vater war damals der erste, der Schwarze mit nach Hause gebracht hat. Mein Bruder hat in Moskau gelebt. Ich war schon in Frankreich und Island. Sie sehen, ich bin weltoffen."

Ich habe gesehen, dass unsere Hauptstadt weltoffen ist. Unser ganzes Land. 30.000 Gegendemonstranten sprechen dafür, dass Deutschland Vielfalt liebt und dass wir die Mehrheit des Volkes sind.